The Adventures of Elliot: The Millennium Tales im Test: Ein packendes klassisches Action-Adventure

Morgen veröffentlicht Square Enix mit The Adventures of Elliot: The Millennium Tales einen von Claytechworks und Team Asano entwickelten neuen HD-2D-Titel. Er erscheint unter anderem für die Nintendo Switch 2; sowohl digital im Nintendo eShop als auch im Einzelhandel als Game-Key-Card. Die digitale Variante nimmt ca. 14,5 GB Speicherplatz auf eurer Konsole ein und schlägt mit 69,99 € zu Buche.

Im Jahr 2017 präsentierte Square Enix erstmals ihren mittlerweile ikonischen HD-2D-Grafikstil, welcher in Octopath Traveler debütierte. Seitdem sind einige Titel mit dieser grafischen Ausrichtung erschienen – doch mit The Adventures of Elliot wurde erstmals ein Titel veröffentlicht, der kein klassisches JRPG ist. Es handelt sich hier um ein Action-Adventure, welches laut Aussage von Director Naofumi Matsushita durch die Mana-Reihe inspiriert wurde. Allerdings scheint eine andere Spieleserie diesen Titel ebenfalls maßgeblich beeinflusst zu haben; mehr dazu im Verlaufe dieses Testberichts.

Die Zeitreise beginnt…

Das Spiel lässt euch eine tausendjährige Reise erleben, bei der ihr den Kontinent Philabieldia erkundet. Dieser wird von Biestlingen beherrscht, die die Menschheit vertrieben hat; die letzte Zuflucht stellt das Königreich Huther dar, welches durch eine magische Barriere – aufrecht erhalten durch Prinzessin Heuria – geschützt wird. Nach Entdeckung bislang unbekannter Ruinen und einer Reihe von schicksalhaften Ereignissen wird die Prinzessin mit einem Fluch belegt, sodass die Zukunft der Menschheit gefährdet ist. Gemeinsam mit seiner Feenbegleiterin Faie begibt sich der Abenteurer Elliot auf eine gefahrvolle Reise außerhalb der schützenden Schlossmauern, um die geheimnisvolle Geschichte des Kontinents aufzudecken.

Durchschreitet das Portal, um in andere Epochen zu gelangen

Das Durchschreiten von Portalen der Zeit befördert das Abenteurer-Duo in vier verschiedene Epochen – auch Zeitalter genannt. So gelangen sie vom gegenwärtigen Zeitalter der Obhut immer weiter zurück in der Zeit zu den Zeitaltern des Wiederaufbaus, der Magie bis hin zum Zeitalter des Anbruchs. So deckt ihr fortlaufend die Vergangenheit auf und enthüllt die Wahrheit von Philabieldia.

Charakterbindung dank emotionaler Szenen

Die packende Geschichte von The Adventures of Elliot zieht den Spieler direkt in ihren Bann. Das liegt einerseits an der Erzählung selbst, andererseits an den Charakteren – allen voran dem Protagonisten. Selten agiert ein Held so empathisch; harter Abenteurer mit weichem, einfühlsamem Kern. Nicht nur die Dialoge, sondern auch die Sprachausgabe (in Englisch und Japanisch verfügbar) sorgen für ein intensives Erleben der Geschehnisse und lassen euch mit den einzelnen Hauptfiguren mitfiebern. Der Titel hat einige dramatische sowie herzerwärmende Szenen zu bieten. Des Weiteren bietet drei verschiedene Enden, sodass der Spieler einen bis zu einem gewissen Grad individuellen Abschluss erleben kann – dies sorgt ebenfalls für einen gewissen Wiederspielwert.

Minister Kaifried hat finstere Absichten!

Simple Spielmechaniken…

Unser Abenteurer Elliot verfügt über sieben verschiedene Waffenarten: Schwert, Bogen, Bumerang, Bomben, Speer, Hammer sowie Kettensichel. Des Weiteren geben euch Schilde die Möglichkeit, gegnerische Attacken zu parieren. Beim richtigen Timing wird dadurch eine magische Barriere erzeugt, die den Angriff auf den Gegner reflektiert.

Jede Waffenart hat seine Vorzüge: Während manche für den Nahkampf besonders geeignet sind, profitiert ihr bei anderen von der großen Reichweite. Es können immer zwei Waffen gleichzeitig ausgerüstet werden. Mit jeder Waffenart könnt ihr eine Spezialangriffe ausführen; das Aufladen des Angriffs forciert ihr durch Halten der dazugehörigen Taste. Im Verlauf des Abenteuers erhaltet ihr Waffen mit höheren Stufen, die eine verbesserte Angriffskraft und stärkere Spezialangriffe bieten.

Beim Besiegen von Biestlingen wird ein Fundbonus gewährt, der sich mit jedem weiteren besiegten Gegner erhöht. Doch Vorsicht: Der Bonus wird zurückgesetzt, sobald ihr Schaden erleidet.

… mit erstaunlicher Tiefe

Das Gameplay von The Adventures of Elliot: The Millennium Tales klingt zunächst simpel, allerdings sorgen weitere Spielmechaniken für ein tiefgründiges Spiel. Zum einen gewährt ihr Elliot durch Ausrüsten von Accessoires zahlreiche Effekte. So kann er beispielsweise beim Sprung kurz in der Luft schweben oder die Haltbarkeit des Schildes wird erhöht. Zum anderen verleihen die sogenannten Maginite euren Waffen eine Vielzahl an Effekten. Splitter dieser könnt ihr verwenden, um zufällig generierte Maginite zu synthetisieren. Je nach eurem Synthese-Rang könnt ihr unterschiedliche Exemplare erschaffen. Vom Erhöhen der Rate kritischer Treffer über das Verkürzen der Aufladungsdauer einer Waffe bis zur Verkürzung der Schildregeneration stehen euch unzählige Möglichkeiten zur Verfügung, um das Gameplay eurem Spielstil anzupassen.

Mit dem Schwierigkeitsgrad variieren einige Aspekte

Anpassungsmöglichkeiten erhaltet ihr auch beim Schwierigkeitsgrad, denn ihr könnt aus vier unterschiedlichen Graden wählen: Leicht, Normal, Schwierig und Extrem. Der Schwierigkeitsgrad variiert verschiedene Aspekte im Spiel, beispielsweise den erlittenen Schaden, die gegnerische Lebenskraft, die Warenpreise oder die Wiederbelebungskosten bei Faie. Auch hier zeigt sich, dass viel Wert auf das individuelle Spielverhalten gelegt wird.

Erkundung der Welt in The Adventures of Elliot: The Millennium Tales

Viele Videospiele leben von ihrer Spielwelt – das ist auch bei The Adventures of Elliot: The Millennium Tales nicht anders. Diese wurde für das vorliegende Action-Adventure mit Liebe zum Detail erstellt und lädt dadurch zum Erkunden ein. Ein großer Aspekt ist hier auch die HD-2D-Grafik, wodurch die Landschaften malerisch schön aussehen. Ihr könnt die Welt frei begehen; an manchen Stellen benötigt ihr Faies Kräfte, um weiterzukommen. An markanten Punkten oder Gebietseingängen findet ihr Abenteuerwegpunkte, die sowohl als Speicherpunkt dienen als auch ein Schnellreisepunkt freischalten.

Nutzt ihr die Karte, fällt auf, dass schon einige Symbole eingezeichnet sind und euch so das eigene Erforschen abgenommen wird. Ebenso sind das Ziel der Hauptaufgabe sowie diese von anderen Charakteren erteilte Aufträge immer abgebildet. Das ist schade, denn so geht die Faszination des eigenständigen Erkundens der Welt ein Stück weit verloren. Die Aufträge stellen zudem größtenteils Fetch-Quests dar, wo ihr zu bestimmten Ort reisen müsst, um ein oder mehrere Objekte aufzusammeln und diese dann zu einem Questgeber oder einem anderen Ziel zurückzubringen oder Gegner zu besiegen und dann zum Auftraggeber zurückzukehren. Hier wurde Potenzial verschenkt, epochenübergreifende Aufträge oder generell aufwändigere Aufträge einzubinden. Dennoch bietet das Erkunden der Welt in The Adventures of Elliot: The Millennium Tales ein gewisses Suchtpotenzial, welches dazu führt, dass ihr nur noch diese eine Ecke aufklären oder diesen einen Pfad erforschen wollt.

Das Bild zeigt eine Übersichtskarte aus The Adventures of Elliot: The Millennium Tales.
Zu viele Informationen…

Durchstreift ihr die Welt, könnt ihr verschiedenste Pfade, die euch zu Schatztruhen oder Schreine des Lebens führen, finden. Diese Schreine bieten kurze Herausforderungen, für deren Abschluss du einen Lebenssplitter erhältst. Wenn du vier Splitter sammelst, erhält Elliot einen zusätzlichen Lebenspunkt.

Auffallend viel Zelda-Einfluss in The Adventures of Elliot: The Millennium Tales

Lebenssplitter findet ihr auch in Schatztruhen auf der Welt und in Ruinen. Die Ruinen stellen die Dungeons in The Adventures of Elliot: The Millennium Tales dar. Sie bestehen meist aus mehreren Ebenen, sind selbstverständlich mit Gegnern bevölkert und bieten mit Rätseln zudem eine Abwechslung zum kämpferischen Gameplay. Nur leider sind diese meist nicht sonderlich herausfordernd. Auch die Gegnervarianz hätte im Generellen größer ausfallen dürfen.

Es wird viel mit Teasern gespielt; auch auf der Oberwelt. Ihr seht also schon eine Belohnung auf dem Bildschirm, müsst aber erst überlegen, wie ihr diese am besten erreicht. Am Ende einer jeden Ruine wartet – hinter einer verschlossenen Tür, wofür ein besonderer Schlüssel benötigt wird – ein Bossgegner auf euch. Diese bieten oft verschiedene Angriffsmuster, die es zu durchschauen gilt. Dadurch fallen diese Kämpfe – anders als die Rätsel – teils äußerst herausfordernd aus.

All das soeben beschriebene erinnert stark an The Legend of Zelda: Die Lebenssplitter, die Dungeons und wie diese aufgebaut sind sowie die Herangehensweise an diese und vieles mehr schreit förmlich nach der weltweit beliebten Spielereihe. Dazu fallen dank der Fee Faie auch Parallelen zu Links Begleitung auf. Wie bei Zelda könnt ihr auch hier Stunden damit verbringen, Krüge zu zerstören und Gras zu zerschneiden, um Rubine – hier Tul genannt – zu farmen. Ähnlich wie die leeren Gläser gibt es hier Phiolen, die ihr mit diversen Zaubertränken füllen könnt.

Gras und viele Rubine? Das kenne ich doch irgendwoher…

Obwohl der Director andere Einflüsse nannte, dringt sich aufgrund der Offensichtlichkeit der Gedanke auf, dass eigentlich The Legend of Zelda die größte Inspiration für das Gameplay war. Dies ist mitnichten ein negativer Aspekt, wurden sie hier schließlich optimal ins Spiel eingebunden. Auch der Titel des Spiels ‚The Adventures of Elliot‘ ist vergleichbar mit ‚The Legend of Zelda‘ und könnte bei Erfolg von ‚The Millennium Tales‘ als Name für eine neue Spielreihe fungieren.

Die halbnervige Fee

Eure Begleiterin, die Fee Faie, kann insgesamt fünf verschiedene Kräfte erlernen: Entflammen, Sprinten, Teleportieren, Doppelgänger sowie Wirbelwind. Durch den rechten Joystick lässt sich Faie sogar steuern und so taktisch klug positionieren; bei manchen Kräften definitiv von Nöten. Sie kann bei Bedarf sogar durch einen zweiten Spieler gesteuert werden. Des Weiteren könnt ihr vier Befehle erteilen, um Faie taktisch einzusetzen: ‚Geh vor‘, ‚Komm zurück‘, ‚Warte‘ und ‚Versteck dich‘.  Letztgenannter Befehl lässt ihre Magie schneller regenerieren, welche sie zur Nutzung ihrer Kräfte benötigt.

Faie kann sehr kommunikativ sein; ihre Kommentare und Hinweise wirken schnell repetitiv und nervig. Auch die Einstellung der reduzierten Begleiterdialoge bringt wenig Abhilfe. Allerdings kann sie auch hilfreich sein, denn sie sammelt Geld und andere Dinge auf und greift sogar Gegner an. Solltet ihr einmal kampfunfähig sein, bringt sie euch – gegen einen kleinen Obolus – wieder ins Reich der Lebenden.

Ein Fest für Augen und Ohren

Der optische Aspekt darf nicht vernachlässigt werden. Wie bereits erwähnt, versprüht der HD-2D-Grafikstil auch in The Adventures of Elliot: The Millennium Tales seinen unwiderstehlichen Charme. Die Charaktergestaltung ist ausgefallen und elegant zugleich; die in Gesprächen dargestellten handgezeichneten Designs der Spielfiguren wissen mit verschiedenen Geischtsausdrücken zu gefallen und die Landschaft ist malerisch gestaltet. Technisch weiß der Titel ebenso zu gefallen – allerdings mit Abstrichen: die Auflösung könnte stellenweise höher ausfallen; manche Szenerien fallen etwas verwaschen aus. Auch die Framerate fällt an manchen Stellen negativ auf; kleinere Einbrüche der Bildwiederholungsrate sind aber eher die Seltenheit.

Das Spiel liefert malerische Landschaften

Äußerst positiv fällt der Soundtrack aus: allein die Titelmusik weiß mit ihrer schönen Melodie die Gehörgänge zu umschmeicheln und zieht euch direkt tief ins Geschehen. Generell überzeugt die Musik mit ihrer orchestralen Ausrichtung und sorgt für eine atmosphärisch passende Immersion. Die Komponisten Yuto Moritani und Tomohiro Nakamachi, die bislang eher in der Anime-Szene bekannt waren, haben in The Adventures of Elliot: The Millennium Tales eine überragende Leistung erbracht.

Fazit zu The Adventures of Elliot: The Millennium Tales

Pros:

  • Mitreißende Geschichte
  • Gameplay mit großem Suchtpotenzial
  • Einige Zelda-Einflüsse, die optimal eingesetzt werden
  • Herausragender Soundtrack

Cons:

  • Erkundung wird teils vorweggenommen
  • Geringe Gegnervarianz
  • Technik/Performance mit kleinen Schwächen

The Adventures of Elliot: The Millennium Tales ist ein hervorragendes erstes Action-Adventure von Team Asano. Die Geschichte ist spannend und weiß mit Twists und Emotionalität zu überzeugen. Das Gameplay geht schnell in Fleisch und Blut über, hat Suchtpotenzial, ist aber trotzdem nicht leicht zu meistern. Der Soundtrack weiß mit schönen Klängen zu überzeugen und lässt euch perfekt in das Abenteuer von Elliot eintauchen.

Wehrmutstropfen ist die teils vorweggenommene Erkundung der Welt durch Marker auf der Karte sowie die geringe Gegnervarianz. Die generellen Einstellungsmöglichkeiten sind gut, hätten aber an der einen oder anderen Stelle noch konsequenter ausfallen können. Die Technik und Performance sind solide und sorgen für einen rundum gelungenen Gesamteindruck. Für Fans von Action-Adventures à la The Legend of Zelda ein Muss!

Das Testmuster wurde uns von Square Enix zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!

Über Marcel Eidinger 1861 Artikel
Marcel ist im Jahr 1986 geboren, dem Jahr, wo seine Lieblings-Spielereihe ihren Ursprung hat: The Legend of Zelda. Mit seinen nun mehr als 30 Jahren Lebens- und ca. 25 Jahren Nintendo-Erfahrung versucht er euch mit Liebe und Leidenschaft auf dem Laufenden zu halten!

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