Rise of the Tomb Raider: 20 Year Celebration im Test: Lara Croft auf den Spuren der Unsterblichkeit

Im Zuge der Nintendo Direct im Juni (→ zu unserer Zusammenfassung) gab es mit Rise of the Tomb Raider: 20 Year Celebration einen Überraschungs-Release, denn dieser wurde noch am gleichen Tag, den 9. Juni 2026, von Aspyr veröffentlicht. Der Titel ist für die Switch 2 ausschließlich digital im Nintendo eShop erhältlich. Sie schlägt mit 29,99 € zu Buche und nimmt etwa 18,5 GB Speicherplatz in Anspruch.

Dies ist ein Gast-Artikel von Dominik Christ, Redakteur des Big-N-Club e.V.

Mit der Neuauflage von Rise of the Tomb Raider landet eines der besten Action-Adventures der vergangenen Dekade erstmals auf einer Nintendo-Konsole. Nachdem Lara Crofts Reboot bereits 2013 eindrucksvoll bewiesen hatte, dass die ikonische Archäologin mehr ist als nur ein Relikt vergangener Tage, setzte Entwickler Crystal Dynamics mit dem Nachfolger in nahezu allen Bereichen noch einmal einen drauf. Größere Areale, komplexere Gräber, mehr Rollenspiel-Elemente und eine packende Geschichte machten Rise of the Tomb Raider für viele Fans zum Höhepunkt der modernen Trilogie. Die Umsetzung für Nintendo Switch 2 soll nun zeigen, dass der Titel auch unterwegs nichts von seiner Faszination verloren hat.

Der eisige Anfang erinnert an das allererste Tomb Raider von 1996

Nach den traumatischen Ereignissen auf Yamatai lässt Lara Croft die Vergangenheit nicht los. Entschlossen, die Forschungen ihres verstorbenen Vaters fortzuführen, begibt sie sich auf die Suche nach der sagenumwobenen Quelle der Unsterblichkeit. Ihre Reise führt sie zunächst nach Syrien und schließlich in die eisigen Weiten Sibiriens. Dort stößt sie nicht nur auf uralte Ruinen und längst vergessene Kulturen, sondern auch auf den geheimnisvollen Orden Trinity, der dieselben Ziele verfolgt und vor Gewalt nicht zurückschreckt.

Die Geschichte erzählt dabei weit mehr als eine klassische Schatzsuche. Lara kämpft gleichermaßen gegen äußere Feinde wie gegen ihre eigenen Zweifel. Immer wieder stellt das Spiel die Frage, wie weit man für die Wahrheit gehen darf und welchen Preis persönliche Besessenheit fordert. Unterstützt wird die Erzählung durch hervorragend inszenierte Zwischensequenzen und glaubwürdige Charaktere. Zwar bleibt der eigentliche Antagonist etwas blass, dennoch entwickelt die Handlung bis zum Finale eine starke Dynamik und motiviert kontinuierlich zum Weiterspielen.

Der Weg ist das eigentliche Abenteuer in Rise of the Tomb Raider

Spielerisch verbindet Rise of the Tomb Raider erneut mehrere Genres zu einem stimmigen Gesamtpaket. Klassische Kletterpassagen wechseln sich mit Schießereien, Stealth-Sequenzen, Erkundung und anspruchsvollen Rätseln ab. Gerade diese Mischung sorgt dafür, dass kaum Langeweile aufkommt.

Geklettert wird natürlich auch wieder!

Besonders gelungen ist die deutlich offenere Struktur im Vergleich zum Vorgänger. Mehrere große Hub-Gebiete laden dazu ein, vom Hauptpfad abzuweichen und versteckte Höhlen, optionale Gräber oder verlassene Lager zu entdecken. Wer gründlich sucht, findet wertvolle Ressourcen, neue Ausrüstung oder zusätzliche Hintergrundinformationen zur Spielwelt. Dabei entsteht nie das Gefühl künstlicher Beschäftigung – nahezu jede Nebenaktivität belohnt den Entdeckerdrang sinnvoll.

Ein zentrales Element bildet erneut das Crafting-System. Gesammelte Materialien lassen sich direkt unterwegs zu Brandpfeilen, Sprenggeschossen oder Medikits verarbeiten. Gleichzeitig können Waffen verbessert und neue Fähigkeiten freigeschaltet werden. Der Talentbaum unterteilt sich in mehrere Spezialisierungen und erlaubt es, Lara den eigenen Vorlieben entsprechend auszubauen. Ob lautlose Jägerin oder kampfstarke Überlebenskünstlerin – beide Spielweisen funktionieren überzeugend.

Die Kämpfe profitieren von der größeren Bewegungsfreiheit. Lara kann Gegner aus dem Hinterhalt ausschalten, Ablenkungen nutzen oder offensiv mit Pistole, Gewehr und Bogen vorgehen. Besonders der Bogen bleibt das Markenzeichen des Spiels und fühlt sich angenehm präzise an. Gleichzeitig zwingt Munitionknappheit gerade auf höheren Schwierigkeitsgraden dazu, Kämpfe sorgfältig zu planen.

Das erste größere Hub-Areal, in dem es Unmengen zu entdecken gibt!

Das eigentliche Highlight sind jedoch erneut die optionalen Herausforderungsgräber. Hier erinnern die Entwickler bewusst an die Wurzeln der Serie und präsentieren aufwendig gestaltete Rätselkammern, in denen physikalische Mechaniken, Klettereinlagen und logisches Denken gefragt sind. Viele dieser Gräber gehören zum Besten, was das Genre zu bieten hat, und belohnen erfolgreiche Spieler mit einzigartigen Fähigkeiten.

Auch das allgemeine Leveldesign überzeugt. Ob verschneite Wälder, vereiste Höhlen oder uralte Tempelanlagen – jedes Gebiet besitzt einen eigenen Charakter und steckt voller kleiner Details. Sammelobjekte, Dokumente und Relikte liefern zusätzliche Hintergrundinformationen und vertiefen die ohnehin glaubwürdige Spielwelt.

Beeindruckende Kulissen, flüssige Performance

Technisch präsentiert sich Rise of the Tomb Raider auf Nintendo Switch 2 erfreulich souverän. Bereits das Original gehörte seinerzeit zu den grafischen Vorzeigetiteln, und auch heute beeindruckt das Spiel noch mit atmosphärischen Landschaften, detaillierten Charaktermodellen und hervorragender Beleuchtung.

Die Switch-2-Version profitiert sichtbar von der moderneren Hardware. Texturen wirken scharf, die Sichtweite überzeugt und gerade Schnee-, Wasser- und Partikeleffekte sorgen immer wieder für beeindruckende Momente. Besonders in den weitläufigen Außenarealen entsteht eine dichte Atmosphäre, wenn Wind den Schnee über die Landschaft treibt oder Sonnenstrahlen durch dichte Wälder brechen.

Die Geschicklichkeitspassagen sind spektakulär inszeniert, spielen sich aber sehr seicht

Auch die Performance hinterlässt einen positiven Eindruck. Sowohl im TV-Modus als auch im Handheld-Betrieb läuft das Abenteuer über weite Strecken flüssig. Kleinere Einbrüche bleiben selten und haben keinen nennenswerten Einfluss auf das Spielgefühl. Die Ladezeiten fallen angenehm kurz aus und unterbrechen den Spielfluss kaum.

Akustisch gehört Rise of the Tomb Raider ebenfalls weiterhin zur Spitzenklasse. Der orchestrale Soundtrack unterstreicht die emotionale Reise ebenso gekonnt wie die großen Actionsequenzen. Hinzu kommen überzeugende Umgebungsgeräusche, die eisige Wildnis lebendig wirken lassen. Die deutsche Synchronisation zählt nach wie vor zu den stärkeren Vertonungen des Genres. Lara wirkt glaubwürdig, emotional und entwickelt sich im Laufe der Geschichte spürbar weiter.

Auch die Steuerung wurde sauber auf die Nintendo Switch 2 übertragen. Sämtliche Aktionen gehen präzise von der Hand, wodurch sowohl Plattformpassagen als auch Kämpfe jederzeit kontrollierbar bleiben. Gerade im Handheld-Modus entfaltet das Spiel dabei seinen besonderen Reiz, da sich eine Produktion dieser Größenordnung nun komfortabel unterwegs erleben lässt.

Natürlich merkt man dem Titel trotz aller technischen Verbesserungen sein Alter in einigen Bereichen an. Manche Animationen wirken inzwischen etwas steifer, einzelne Gesichtsmodelle erreichen nicht mehr ganz das Niveau aktueller AAA-Produktionen und einige Schießereien verlaufen nach einem vertrauten Muster. Der hervorragenden Gesamtqualität tut dies jedoch kaum Abbruch.

Die Setpieces sind ein optisches Highlight des Spiels!

Fazit zu Rise of the Tomb Raider: 20 Year Celebration

Pros:

  • Abwechslungsreiches Gameplay aus Erkundung, Rätseln, Stealth und Action
  • Hervorragend designte optionale Gräber mit cleveren Rätseln
  • Atmosphärische Inszenierung mit packender Story und starker Präsentation
  • Gelungene Switch-2-Umsetzung mit flüssiger Performance und kurzer Ladezeit

Cons:

  • Rollenspiel- und Crafting-Elemente bieten wenig echte Innovation gegenüber dem Vorgänger
  • Antagonist bleibt über weite Strecken etwas blass
  • Einige Animationen wirken inzwischen sichtbar veraltet
  • Schießereien folgen stellenweise einem bekannten Muster

Rise of the Tomb Raider hat über die Jahre kaum etwas von seiner Klasse eingebüßt. Die spannende Geschichte, abwechslungsreiche Spielmechanik und hervorragend gestalteten Gräber ergeben noch immer eines der besten Action-Adventures überhaupt. Die Nintendo-Switch-2-Version liefert eine technisch gelungene Umsetzung, die sowohl auf dem Fernseher als auch unterwegs überzeugt und den Titel einer neuen Spielerschaft zugänglich macht.

Wer Lara Crofts moderne Abenteuer bislang verpasst hat, erhält hier einen nahezu zeitlosen Genreklassiker. Aber auch Veteranen finden genügend Gründe für eine Rückkehr nach Sibirien – schließlich altern exzellentes Leveldesign, clevere Rätsel und stimmungsvolle Erkundung deutlich langsamer als reine Grafikpracht. Rise of the Tomb Raider bleibt deshalb auch auf Nintendo Switch 2 eine klare Empfehlung und zählt weiterhin zu den stärksten Vertretern seines Genres.

Das Testmuster wurde uns von Sandbox Strategies zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!

Über Marcel Eidinger 1861 Artikel
Marcel ist im Jahr 1986 geboren, dem Jahr, wo seine Lieblings-Spielereihe ihren Ursprung hat: The Legend of Zelda. Mit seinen nun mehr als 30 Jahren Lebens- und ca. 25 Jahren Nintendo-Erfahrung versucht er euch mit Liebe und Leidenschaft auf dem Laufenden zu halten!

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