Mario Tennis Fever im Test: Fast-Ass auf der Switch 2

Während der Nintendo Direct im September 2025 (→ zur Zusammenfassung) angekündigt, erschien am 12. Februar 2026 Mario Tennis Fever, der neueste Ableger der spektakulären Tennis-Reihe im Pilzkönigreich. Es ist sowohl im Einzelhandel als auch digital im Nintendo eShop erhältlich. Die digitale Version nimmt ca. 7,4 GB auf dem Speicher eurer Konsole ein.

Dies ist ein Gast-Artikel von Kilian Pfeiffer, Redakteur des Big-N-Club e.V.

Na, habt ihr das Fieber auch schon gespürt? Seit vergangenem Jahr glühen weltweit die Joy-Con der Nintendo Switch 2, und ein Titel steht seit Kurzem ganz oben auf der Wunschliste, wenn es um den bekannten Klempner geht: Mario Tennis Fever. Nintendo hat sich zum 40. Jubiläum von Super Mario nicht lumpen lassen und schickt seine Ikone zusammen mit der versammelten Pilzkönigreich-Prominenz zurück auf den Court.

Es ist mittlerweile der neunte große Aufschlag der Serie, die 1995 so skurril auf dem Virtual Boy begann. Okay, Mario war zuvor auch schon mal auf dem NES auf dem Tennis-Court, damals allerdings nur als Schiedsrichter. Vergesst alles, was ihr über den Vorgänger Mario Tennis Aces wisst. Während Aces fast schon wie ein simulationslastiges Kampfspiel rüberkam, drückt Entwickler Camelot in Fever das Gaspedal voll durch und kehrt zu den chaotischen, spaßigen Arcade-Wurzeln zurück, die viele seit der GameCube-Ära so lieben.

Bowser und Mario in einem intensiven Doppel

Pixar zum Mitspielen

Fangen wir mal beim Offensichtlichen an: der Optik. Wer Mario Tennis Fever das erste Mal in nativer 4K-Auflösung auf seinem Fernseher sieht, dem klappt zunächst einmal die Kinnlade runter. Dass die Nintendo Switch 2 ein echtes Kraftpaket ist, wissen wir, aber Camelot kitzelt hier Details raus, die wir in einem Sportspiel so noch nicht gesehen haben. Auf dem Mushroom Court wiegen sich die Grashalme im Wind der Ballwechsel. Die Charaktermodelle sehen fast schon nach einem interaktiven Pixar-Film aus. Man erkennt die feinen Gewebestrukturen in Marios Tennis-Dress, sieht die Schweißperlen und die Gesichtsausdrücke der Helden fangen die Anstrengung langer Rallies perfekt ein.

Grafisch überzeugt der Titel somit auf ganzer Linie. Besonders beeindruckend: die kunterbunten Effekte während der Fever-Shot-Sequenzen, wenn das Spiel kurz in Zeitlupe schaltet und die Kamera ganz nah heranzoomt. Und das Beste? Trotz all der Effekt-Gewitter läuft das Ganze mit absolut stabilen 60 Bildern pro Sekunde, egal ob ihr am TV zockt oder im Handheld-Modus unterwegs seid. Dank der neuen SSD-Optimierung gehören nervige Ladezeiten zudem der Vergangenheit an. Ihr klickt auf „Start“ und seid quasi sofort auf dem Platz.

Fever-System: Taktik trifft Chaos

Aber gute Grafik ist ja nur die halbe Miete, wie spielt es sich denn nun? Das Herzstück ist das namengebende Fever-System, und das wirft die riskante Schlägerbruch-Mechanik von Mario Tennis Aces komplett über den Haufen. Statt Ressourcen-Management geht es jetzt um taktische Vielfalt durch insgesamt 30 verschiedene Fever Rackets. Während ihr den Ball hin und her drescht, füllt sich eure Fever-Anzeige. Wer riskanter spielt und Schläge länger auflädt, bekommt schneller den Super-Modus. Ist die Leiste voll, zündet ihr per Tastendruck euren Fever Shot, der die Spezialfähigkeit eures ausgerüsteten Schlägers aktiviert.

Peach entfesselt einen feurigen Spezialschlag namens „Flame Shot“

Und hier kommt der Wahnsinn ins Spiel: Jedes der 30 Rackets macht etwas anderes. Der Eisschläger verwandelt den gegnerischen Boden in eine spiegelglatte Eisfläche, auf der jeder Richtungswechsel zum Rutsch-Abenteuer wird. Das Shadow-Racket erschafft einen kurzzeitigen Doppelgänger von euch, was besonders defensiven Spielern hilft, das gesamte Feld abzudecken. Oder wie wäre es mit dem Bullet Bill-Racket? Damit wird der Tennisball zum pfeilschnellen Geschoss, das kaum noch zu parieren ist. Wer es fies mag, nimmt den Pokey-Schläger und beschwört eine stachelige Kaktus-Barriere direkt ans Netz. Aber Vorsicht: Nintendo hat ein durchaus geniales Konter-System eingebaut! Wenn ihr einen gegnerischen Fever-Shot volley zurückspielt, bevor er auf dem Platz aufkommt, neutralisiert ihr den Effekt nicht nur, ihr reflektiert ihn manchmal sogar direkt zum Absender zurück. Das sorgt für Nervenkitzel pur am Netz, wie man ihn sonst nur aus Mario Kart kurz vor der Ziellinie kennt.

Wer rastet, der rostet: Energie ist alles in Mario Tennis Fever

Neu ist auch das Energie-System. Ja, richtig gehört, eure Tennis-Helden haben jetzt Lebenspunkte. Wenn ihr in Hindernisse rennt oder von fiesen Fever-Effekten getroffen werdet, sinkt euer Balken. Geht die Energie auf Null, werdet ihr im Einzel massiv verlangsamt. Im Doppel ist es noch krasser: Da werdet ihr für kurze Zeit auf die Bank geschickt und euer Partner muss den Court ganz allein verteidigen. Das Management eurer Gesundheit fügt dem eigentlich simplen Arcade-Spaß eine spannende strategische Ebene hinzu, die besonders in den hitzigen Online-Matches für Drama sorgt.

Riesiger Roster: Von Legenden und Babys

Apropos Vielfalt: Der Charakter-Roster ist mit 38 Athleten der größte in der gesamten Seriengeschichte. Camelot hat tief in der Kiste gekramt und neben den üblichen Verdächtigen wie Mario, Peach und Luigi auch echt skurrile Neuzugänge wie die Piranha-Pflanze, die im Topf antritt, dabei. Das Highlight für viele Fans dürfte aber das Debüt von Baby Waluigi sein, der zusammen mit Baby Wario das Feld der Nachwuchs-Fieslinge komplettiert.

Das Bild zeigt Donkey Kong mit den Baby-Charakteren in Mario Tennis Fever.
Donkey Kong und die neuen Baby-Charaktere

Jeder Charakter gehört zu einer Klasse: Power-Typen wie Bowser oder Donkey Kong hauen euch die Bälle mit Schallgeschwindigkeit um die Ohren, während Speed-Charaktere wie Yoshi oder Toad jeden noch so weit entfernten Winkel erreichen. Tricky-Spieler wie Boo oder Rosalina hingegen setzen auf extremen Drall, bei dem die Flugbahn des Balls mehr Kurven hat als eine Bergstraße. Die Langzeitmotivation wird dadurch hochgehalten, da ihr am Anfang nur 18 Recken zur Wahl habt. Den Rest müsst ihr euch verdienen. Kamek kriegt ihr schon nach dem ersten Match, aber für andere Schwergewichte müsst ihr schon mal stolze 50 Matches absolvieren.

Mario Tennis Fever: Solo zum Profi

Für alle, die lieber allein zocken, hat Camelot einen Abenteuermodus reingepackt, der eine ziemlich abgedrehte Story erzählt. Mario und seine Freunde wollen eigentlich nur eine goldene Frucht finden, um die kranke Prinzessin Daisy zu retten. Doch Wario und Waluigi vermasseln es natürlich, und bäm: Die ganze Truppe wird durch einen Fluch in Babys verwandelt und verliert alle Tennis-Skills. Ihr startet also als Baby Mario und Baby Luigi an der Mushroom Tennis Academy und müsst unter der harten, aber fairen Anleitung von Coach Toad alles von der Pike auf neu lernen.

Zugegeben, die ersten zwei Stunden fühlen sich ein bisschen wie ein glorifiziertes Tutorial an, bei dem ihr ständig Minispiele für Topspins oder Lobs machen müsst. Aber danach zieht das Tempo etwas an, auch wenn das Spielvergnügen in diesem Modus überschaubar bleibt. Ihr erkundet eine Weltkarte mit Ruinen, Sümpfen und Wäldern und müsst euch auch in Bosskämpfen beweisen. Gegen einen riesigen Ice Chomp oder einen elektrisch aufgeladenen Lightning Cheep Cheep anzutreten, der Fever Rackets gefressen hat, ist mal eine ganz andere Art von Tennis und macht richtig Laune. Mit etwa sieben Stunden Spielzeit ist das Abenteuer zwar nicht das längste, aber für zwischendurch absolut charmant.

Waluigi tritt auf dem „Waluigi Pinball“-Court gegen Birdo an

Wenn ihr auf Herausforderungen steht, solltet ihr euch die Trial Towers anschauen. In drei Türmen müsst ihr euch durch je zehn Stockwerke kämpfen. Jedes Level hat andere Regeln und fiese Gegner-Konstellationen. Das Coole daran: Es spielt sich wie ein kleines Roguelike. Ihr habt nur drei Versuche. Wer öfter scheitert, fliegt raus und muss den Turm ganz von vorne beginnen. Wer danach noch nicht genug hat, kann sich an einer Liste von 100 individuellen Prüfungen versuchen. Das dauert durchaus seine Zeit und ist für Perfektionisten, die alles sehen wollen, definitiv ein Muss.

Wenn die Welt verrücktspielt

Ein echter Party-Garant ist der Modus Mix It Up, in dem Camelot die „Wunder-Effekte“ aus Super Mario Bros. Wonder integriert hat. Auf dem Wonder Court sammelt ihr Wunder-Samen und plötzlich spielt die Welt verrückt: Die Schwerkraft ändert sich, der Ball wird gigantisch groß oder das Feld fängt buchstäblich an zu tanzen. Auch der Pinball Match Court ist der Wahnsinn. Hier verwandelt sich der Platz in einen riesigen Flipper-Automaten mit Bumpern, Flippern und Extrabällen, die über das Feld schießen. In der Schlägerfabrik wiederum schießen Kanonen ständig neue Fever Rackets auf den Platz, was euch zwingt, mitten im Ballwechsel eure Strategie anzupassen, je nachdem, was ihr gerade aufgeschnappt habt.

Mario sammelt eine Wunder-Saat ein, während er ausweicht

Der finale Check

Was wäre ein Mario-Spiel ohne den passenden Sound? Camelots Haus-Komponist Motoi Sakuraba, den viele vielleicht von Dark Souls oder der Tales-Serie kennen, hat wieder ganze Arbeit geleistet. Der Soundtrack ist ein energiegeladener Mix aus treibendem Jazz-Rock und orchestralen Fanfaren, die für die Switch 2 größtenteils mit echten Instrumenten eingespielt wurden. Ein kleines Streitthema für manche: die sprechende Blume – Plauderblume genannt – aus Wonder, die demnächst als eigene Figur veröffentlicht wird und die die hier als Live-Kommentar fungiert. Sie ist zwar anfangs recht lustig („Was für ein Sound!“, „Das war mal was!“), aber in Turnieren wiederholen sich ihre Sprüche so oft, dass mancher vielleicht genervt sein könnte.

Natürlich ist nicht alles Gold, was glänzt. Ein kleiner Wermutstropfen ist der Preis von 70 Euro, der für ein Arcade-Sportspiel ziemlich happig wirkt, vor allem wenn man bedenkt, dass einige Animationen und Sprach-Clips aus den Vorgängern übernommen wurden. Auch dass man im Online-Modus immer noch nicht gezielt mit Freunden gegen andere antreten kann, ist eine verpasste Chance. Aber dafür ist der lokale Mehrspieler-Modus ungeschlagen. Dank „GameShare“ braucht sogar nur einer von euch das Spiel, damit ihr lokal gegen bis zu drei Freunde antreten könnt, die ebenfalls eine Switch 2 oder eine kompatible Original-Switch besitzen. Das ist dann tatsächliches Nintendo-Feeling und sorgt für unvergessliche Abende auf der Couch. Grüße gehen raus an meinen Neffen, mit dem ich einige schöne Stunden im Mario-Tenniskosmos verbringen konnte.

Fazit zu Mario Tennis Fever

​Pros:

  • ​Grafische Brillanz: Native 4K-Auflösung und 60 FPS machen das Spiel zu einem echten Vorzeigetitel für die Nintendo Switch 2
  • ​Innovatives Fever-System: Die 30 verschiedenen Rackets bringen taktische Tiefe und lösen das frustrierende Schlägerbruch-System des Vorgängers ab
  • ​Enormer Umfang: Mit 38 Charakteren und kreativen Courts (Wonder-Effekte!) wird es so schnell nicht langweilig
  • ​Einsteigerfreundlich: Dank GameShare und intuitivem Swing-Modus der perfekte Party-Titel

Cons:

  • ​Hoher Preis: 70 Euro sind für ein Arcade-Sportspiel eine Ansage, besonders bei recycelten Animationen
  • ​Story-Modus mit Leerlauf: Der Einstieg zieht sich und wirkt über weite Strecken wie ein überlanges Tutorial
  • ​Online-Defizite: Immer noch keine gezielten Team-Matches mit Freunden gegen Fremde möglich.

Mario Tennis Fever ist das bisher rundeste und inhaltsreichste Sportpaket im Pilzkönigreich. Technisch ist es ein absolut brillanter Startschuss für die neue Hardware-Ära und zeigt, dass Tennis im Mario-Universum auch nach drei Jahrzehnten nichts von seiner Faszination eingebüßt hat.

Egal ob ihr blutige Anfänger seid, die nur mal kurz schwingen wollen – ja, der Swing-Modus mit Joy-Con 2 Bewegungssteuerung ist auch wieder dabei –, oder Profis, die jedes Fever Racket bis ins Detail meistern wollen. Jeder kommt auf seine Kosten. Das Spiel ist bunt, laut sowie chaotisch und vor allem macht es verdammt viel Spaß. Worauf wartet ihr noch? Rauf auf den Court und zeigt Bowser, wo der Hammer oder in diesem Fall der Schläger hängt.

Das Testmuster wurde uns von Nintendo zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!

Über Marcel Eidinger 1856 Artikel
Marcel ist im Jahr 1986 geboren, dem Jahr, wo seine Lieblings-Spielereihe ihren Ursprung hat: The Legend of Zelda. Mit seinen nun mehr als 30 Jahren Lebens- und ca. 25 Jahren Nintendo-Erfahrung versucht er euch mit Liebe und Leidenschaft auf dem Laufenden zu halten!

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