Final Fantasy VII Rebirth im Test: Überragendes Abenteuer mit technischen Mängeln

Als Square Enix Final Fantasy VII Remake für die Nintendo Switch 2 ankündigte, staunten einige nicht schlecht. Doch als herauskam, dass auch Final Fantasy VII Rebirth sowie der dritte und finale Ableger des Remake-Projektes für die aktuelle Hybridkonsole erscheinen sollen, machte sich bei einer noch größeren Gruppe Ungläubigkeit breit. Es handelt sich hier schließlich um ein Spiel, welches erst vor zwei Jahren erschien – und das exklusiv für die PlayStation 5. So ganz verwunderlich ist der Release auf der Switch 2 allerdings nicht, denn ein fähiges und williges Entwicklerstudio kann einiges aus der vorgegebenen Technik herausholen. Und wenn nicht Square Enix, wer dann? Hiermit beleuchten wir das abgelieferte Ergebnis eingehend.

Final Fantasy VII Rebirth ist sowohl digital im Nintendo eShop als auch im Einzelhandel als Game-Key-Card erhältlich. Dies solltet ihr berücksichtigen, denn der Download fällt mit sage und schreibe 91,8 GB enorm groß aus.

Optionales Hintergrundwissen

Zunächst sei gesagt, dass ihr den ersten Remake-Titel nicht gespielt haben müsst, um Final Fantasy VII Rebirth genießen zu können – für das komplette Verständnis wäre es aber sicherlich von Vorteil. Im Startbildschirm des Spiels könnt ihr jedoch einen rund fünfminütigen Rückblick auf die Geschehnisse von Remake auswählen und euch so die Kernszenen zu Gemüte führen.

Sephiroth spielbar? Ein Traum!

Final Fantasy VII Rebirth an sich setzt die Story nach der Flucht aus Midgar fort. Als die Avalanche-Truppe in Kalm rastet, erzählt Cloud von seiner gemeinsamen Vergangenheit mit Sephiroth als SOLDAT und der damit einhergehende Sinneswandel von Sephiroth, nachdem er erfährt, dass er ein Versuchsobjekt des Shinra-Wissenschaftlers Professor Hoyo ist.

Hier werden wir Zeuge eines der ikonischsten Szenen der Videospielgeschichte: Sephiroth brennt Nibelheim, die Heimatstadt von Cloud, nieder und läuft durchs Feuer. Nach dem teils spielbaren Rückblick wird die Protagonisten-Gruppe wieder von Shinra-Truppen heimgesucht und muss die Stadt Kalm verlassen. Von dort setzen sie die Suche nach Sephiroth fort.

Ikonisch!

Final Fantasy VII Rebirth: Spannung bis zum Schluss

Die Geschichte des Titels ist mit zahlreichen Zwischensequenzen gespickt, die euch immer tiefer ins Geschehen ziehen. Die wieder einmal außerordentlich gut gelungene Inszenierung sorgt für Spaß, Ärger, Trauer und unermüdliche Motivation, um die Jagd nach Sephiroth abzuschließen. Dabei schreckt die Erzählung nicht vor diversen emotionalen und dramatischen Sequenzen zurück, die die Spannung bis zum Finale immer weiter aufbauen. Da die Charakterentwicklung seinesgleichen sucht und so eine enge Beziehung zu den Spielfiguren aufgebaut wird, können euch die Auswirkungen dieser Szenen mit großer Wucht treffen.

Gameplay Rebirth = Remake²

In Final Fantasy VII Rebirth erwartet euch im Kern das gleiche Gameplay wie bei Remake (→ zu unserem Testbericht), allerdings wurden einige Spielmechaniken hinzugefügt. Die actiongeladenen Kämpfe erhalten mit den Synchro-Aktionen und -Fertigkeiten mehr Tiefe. Die Synchro-Aktionen werden beim Blocken von gegnerischen Angriffen ausgeführt und kosten euch keinen ATB-Balken. Bei diesen können gemeinsam mit einem weiteren Gefährten im Kampf Aktionen ausgeführt werden – sowohl offensiv als auch defensiv oder anderweitig taktisch. Die Fertigkeiten hingegen benötigen ATB-Balken und sind starke Duo-Attacken, die euch einen Vorteil im Kampf bieten.

Das Bild zeigt ein Überblick der schönen Graslande in Final Fantasy VII Rebirth.
Das Weltendesign weiß zu begeistern

Gemeinsam zum Sieg

Weiterhin spielen die sogenannten Kodizes im Kampfgeschehen eine Rolle. Jeder Charakter in Final Fantasy VII Rebirth besitzt einen eigenen Kodex, mit dessen Hilfe durch Einsetzen von Waffenpunkten neue Fähigkeiten erlernt oder Charaktereigenschaften verbessert werden können. Um mehr Wissensknoten mit Fähigkeiten freizuschalten, ist die Verbundenheit und die Gruppenstufe von Bedeutung: Clouds Handeln beeinflusst die Verbundenheit mit den jeweiligen Gefährten; durch gewählte Gesprächsoptionen, überwinden von großen Herausforderungen und andere Einflüsse kann diese vertieft und die Gruppenstufe erhöht werden.

Open-Region und die Weltberichte

In Remake gab es lediglich Midgar zu entdecken; dies auch nicht sonderlich frei. In Final Fantasy VII Rebirth steht euch (fast) die ganze Welt offen. Nach und nach werden verschiedene Regionen bereist, die ziemlich offen erkundet werden können. Um dort nicht den Überblick über seine Aufgaben zu verlieren, tritt unser Freund Chadley auf den Plan. Neben dem aus dem ersten Ableger bekannten Kampfsimulator liefert er euch dank eines Tablets Weltberichte. Um möglichst viele Informationen zu sammeln, müssen Funktürme aktiviert werden, damit diese in seine Datenbank gespeist werden können. So könnt ihr Lebensquellen analysieren, Schatzverstecke finden, Esper-Schreine betreten, besondere Kampfplätze besuchen und die rätselhaften Protosubstanzen untersuchen. All diese Aktivitäten dienen der Entwicklung der Region, sodass beispielsweise weitere Nebenquests freigeschaltet werden.

Es gibt einige Dinge zu erledigen

Dank der erwähnten Tätigkeiten könnt ihr etliche Stunden in jeder Region verbringen, ohne Langeweile zu bekommen. Einige der Nebenquests bieten weitere Vertiefungen der Charakterverbindungen und zusätzliche Hintergrundgeschichten, die die Welt noch liebenswerter gestalten.

Um euch schneller in den Regionen fortbewegen zu können, reitet ihr auf einem Chocobo. Diesen Laufvogel findet ihr in fünf verschiedenen Varianten, sodass ihr nicht nur schneller laufen könnt, sondern – je nach Region – Berge erklimmen, durch die Luft gleiten oder im Wasser schwimmen. Ist euch auch diese Fortbewegungsart zu langsam, könnt ihr die Schnellreise benutzen – vorausgesetzt, ihr richtet die Chocobo-Haltestellen wieder her. Zudem können bereits besuchte Städte oder sonstige wichtige Orte direkt angewählt werden.

‚Blut der Königin‘ und Minispiele en masse in Final Fantasy VII Rebirth

Große Regionen bedeuten in Final Fantasy VII Rebirth auch eine große Varianz von Nebentätigkeiten. Dazu gehören hier auch etliche Minispiele, die mal mehr oder mal weniger Zeit in Anspruch nehmen. Die Qualität ist hier ebenso schwankend wie die Varianz, aber ein paar Exemplare stechen hier positiv hervor. Allem voran: ‚Blut der Königin‘. Square Enix hat es schon in vergangenen Hauptablegern verstanden, Kartenspiele mit Suchtpotenzial zu entwickeln; ‚Blut der Königin‘ ist hier keine Ausnahme und gehört sogar teilweise zur Hauptgeschichte. Bei dem Kartenspiel legen die Spieler abwechselnd Karten in die verschiedenen Reihen. Diese können aber nur auf Felder gelegt werden, die von einem eurer „Püppchen“ kontrolliert werden. Die Kontrolle kann durch eure Karten beeinflusst werden, welche auch eine bestimmte Anzahl an Siegpunkte besitzen.

Spaßig und süchtig machend

Ziel ist es, mehr Siegpunkte als der Gegner zu sammeln. Wichtig zu beachten ist, dass die Abrechnung jeder Reihe einzeln erfolgt. Das Spiel summiert die Siegpunkte der einzelnen Karten; es zählen allerdings lediglich die Siegpunkte des Spielers, welcher in der jeweiligen Reihe mehr Siegpunkte auslegen konnte. Durch die große Anzahl an Karten mit einer Vielzahl von verschiedenen Effekten bietet ‚Blut der Königin‘ eine große taktische Tiefe.

Können und Timing sind gefragt

Um taktisches Verständnis geht es auch in ‚Fort Kondor‘, einem Kampf-Minispiel in Final Fantasy VII Rebirth. Dies kann allerdings auch sehr frusten, da bei den höheren Missionen auch viel Timing reinspielt. In den Mogry-Häusern müsst ihr ein Fangspiel mit wilden und frechen Mogrys absolvieren, um anschließend mit Mogry-Medaillen seltene Gegenstände kaufen zu können.

Die alten Polygon-Charaktermodelle im Minispiel? Genial!

Beim Klavierspiel könnt ihr bekannte Musikstücke aus Final Fantasy VII nachspielen. Dies verlangt allerdings viel Fingerfertigkeit von euch, denn dort müsst ihr im Zusammenspiel beider Joysticks die Töne rhythmisch sauber treffen.

Und so könnt ihr in den fast 30 verschiedenen Minispielen sehr viel Zeit versenken, ohne auch nur einen Zehntelprozent Story-Fortschritt zu erlangen. Wie erwähnt variiert die Qualität, jedoch sind Komplettausfälle eher die Ausnahme.

Technik, die (bedingt) begeistert

Eingangs erwähnte ich die Skepsis mancher Videospieler, ob ein Final Fantasy VII Rebirth überhaupt zufriedenstellend auf der Nintendo Switch 2 laufen würde. In der überwiegenden Spielzeit sieht das Spiel wirklich gut aus und macht auch leistungstechnik viel Spaß. Doch es gibt auch einige Kompromisse, die Square Enix eingehen musste, damit der Titel überhaupt so gut läuft, wie es sich nun darstellt.

Haarsträubende Texturen

Der größte Kompromiss wird sicherlich die Render-Distanz gewesen sein, denn es fallen am laufenden Band Pop-ins auf, die den Gesamteindruck schmälern. Auch dürfen die entschärften Wassereffekte und die teils absurd niedrige Texturauflösung nicht unerwähnt bleiben. Hier und da fällt weiterhin auf, dass an der Anzahl der Objekte gespart wurde.

Bei den Charaktermodellen fällt das für Switch 2 typische Render-Problem der Haare auf, ansonsten können die Charaktermodelle grafisch mit den der anderen Plattformversionen mithalten.

Pop-Ins am laufenden Band

Die Bildschirmauflösung visiert im Dock-Modus 1080p an, im Handheld-Modus werden etwas mehr als 720p erreicht; bei größtenteils stabilen 30 fps. Belichtung und Schatten reißen keine Bäume aus, stellt sich jedoch zufriedenstellend dar. Generell ist die erreichte Leistung beeindruckend und sorgt für eine befriedigende Immersion – andersrum: die negativen Aspekte sorgen nur bedingt dafür, dass man aus dem Spielgeschehen gerissen wird.

Der Ausgleich zu den technischen Mängeln bietet wiederholt der Soundtrack des Spiels. Wie schon bei Remake bringen die gewählten Neuarrangements und die neuen Musikstücke gleichermaßen die Stimmung der Szenarien perfekt rüber und sorgen so für eine tiefe Immersion. Vor allem die Tracks während der Bosskämpfe wissen zu überzeugen, motivieren ungemein und treiben den Spieler zu Höchstleistungen – auch in kritischen Situationen!

Ein weiterer positiver technischer Aspekt bezüglich der Immersion ist die genutzte HD-Vibration 2. Unterschiedlichste Vibrationsmuster sorgen für ein enormes Gefühl, welches weitere Sinne des Spielers addressiert und so das Geschehene real erlebbar macht.

Fazit zu Final Fantasy VII Rebirth

Pros:

  • Mehr Spieltiefe im Kampfgeschehen
  • Motivierendes Erkunden der Regionen
  • Überragende Inszenierung sorgt für starke Bindung zum Spiel und den Charakteren
  • Überragender Soundtrack trägt zur tiefen Immersion bei
  • Vielzahl an Nebentätigkeiten und Minispielen sorgen für viel Abwechslung…

Cons:

  • … können allerdings auch erschlagen
  • Einige technische Unzulänglichkeiten können das Spielerlebnis schmälern

Final Fantasy VII Rebirth auf der Nintendo Switch 2 ist ein herausragendes Spiel, welches vor allem durch seine bombastische Inszenierung begeistert. Dank der Charakterentwicklungen und des Soundtracks fällt die Immersion überragend aus. Die hinzugefügten Spielmechaniken sorgen für mehr Tiefe; das Open-Region-Format bringt dank der vielen Nebentätigkeiten viel Abwechslung, auch wenn diese mit Spielfortschritt immer mehr überfordern können.

Dann hilft nur der Fokus auf das Hauptgeschehen, was auf voller Linie überzeugen kann. Ein Kritikpunkt, der doch größer als erwartet ausfällt ist der technische Aspekt, denn Pop-ins und niedrig aufgelöste Texturen können das Spielerlebnis schmälern. Doch diese Schwächen ändern nichts am ansonsten durchweg positiven Gesamteindruck!

Das Testmuster wurde uns von Square Enix zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!

Über Marcel Eidinger 1858 Artikel
Marcel ist im Jahr 1986 geboren, dem Jahr, wo seine Lieblings-Spielereihe ihren Ursprung hat: The Legend of Zelda. Mit seinen nun mehr als 30 Jahren Lebens- und ca. 25 Jahren Nintendo-Erfahrung versucht er euch mit Liebe und Leidenschaft auf dem Laufenden zu halten!

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