Blood: Refreshed Supply im Test: Das Beste, was die Build-Engine zu bieten hat!

Nightdive Studios haben es schon wieder getan! Eine Shooter-Legende wurde aufwendig und
grandios neu in Szene gesetzt und mit einem 968 MB großem Remaster bedacht. Seit dem
4. Dezember 2025 ist Blood: Refreshed Supply für die Nintendo Switch 1 und 2 für 27,99 € digital im Nintendo eShop erhältlich.

Was bisher geschah

Es ist kein Geheimnis, dass in den 90er Jahren eine riesige Welle an zumeist qualitativ recht hochwertigen First-Person-Shootern den PC Markt überschwemmte und um die Gunst der Spieler buhlte. Die schiere Masse an Ballerbuden war erdrückend, vor allem, wenn man als finanziell benachteiligter Schüler abwägen musste, wo man das Geld für einen neuen Titel am besten investieren sollte. Zwar waren neue PC-Spiele in der Regel deutlich günstiger als ihre Konsolenpendants, aber eben auch nicht gerade geschenkt. Aber Halleluja und Gott sei Dank, gab es in Deutschland diese Probleme so gut wie gar nicht!

Hierzulande wurde nämlich quasi alles kurz nach oder sogar vor offiziellem Release seitens der damaligen BPjS wegindiziert, was aus der Egoperspektive gesteuert wurde und bei Drei nicht auf dem um gewalttätige Inhalte gestutzen Baum saß. Der nur noch aus dürren Zweigen bestand. Und dann meist dennoch gänzlich gefällt wurde. Blood hat es hierzulande noch nicht mal bis zu einer Veröffentlichung
geschafft, denn die fleißigen Hände der Sitte und des Anstands haben das Spiel bereits als Import-Fassung noch vor dem angepeilten Deutschland-Release im Juni 1997 indiziert.

Einfach toll, wie einem die Kaufentscheidung ungefragt derart erleichtert wurde! Doch genug des Sarkasmus, es stellt sich ja immer noch die Frage, ob wir nicht insgeheim tatsächlich hätten dankbar sein
sollen, wenn man sich die Qualität von Blood näher zu Gemüte führt.

Saftige Blutspende

Kurze Antwort: Nein. Hätten wir nicht. Denn mit Blood erschien damals ein Titel mit erfreulich düsterem wie frischem Setting, mitunter sehr kreativen Argumentationsverstärkern (wie die Voodoo-Puppe, die durch Nadelstiche die Gegner killt, aber auch der eigenen Gesundheit schadet) und dem wohl seinerzeit bestdurchdachten Levelaufbau. Hier wechseln sich düstere Schauplätze wie Wälder, Friedhöfe und verlassene Freizeitparks mit alltäglicheren Orten wie Bahnhöfe, Einkaufsläden, Hotels und Ähnlichem ab. Es ist an jeder Pixelecke spürbar, dass sich die Verantwortlichen hier wirklich viele Gedanken gemacht haben, wie sich abwechslungsreiche Szenarien die Klinke in die Hand geben können.

Nicht unerwähnt bleiben soll an dieser Stelle auch, dass alle aufeinanderfolgende Level innerhalb einer Episode (welche in der Regel aus sechs oder sieben Hauptabschnitten und einem zusätzlichen Bosskampflevel bestehen) an den jeweils vorherigen Level relativ nahtlos anknüpfen. So zerstört man am Ende des dritten Abschnitts der ersten Episode den Zug, der einen gerade waffenunterhaltsam transportiert, und landet im Folgelevel inmitten der staub- und aschehaltigen Überreste des Eisenkolosses. Schaut man sich an der Unglücksstelle etwas um, findet man den orangefarbenen Gefängnis-Overall von Dr. Richard Kimble (der dazugehörige Film Auf der Flucht ist einer der besten Thriller der 90er Jahre – unbedingt anschauen!).

Auf diesem Bild des Spiels Blood ist eine Ratte, eine Mistgabel und Blut zu sehen.
Schädlingsbekämpfung ist wichtig, ansonsten schwindet die Gesundheit

Solche Anlehnungen an die damals aktuelle Popkultur finden sich an vielen Stellen und lockern die morbide anmutende Grundstimmung immer wieder auf. Jason Voorhees, Freddy Krueger, Jack Torrence aus The Shining und viele mehr… sie alle sind als kleine Easter Eggs präsent, um mit uns dieses grandiose Schlachtfest zu feiern. Und was für eine lebenssaftgetränkte Party das hier ist!

Blood: Erst schießen, dann fragen

Diese Reihenfolge ist wichtig. Gerade bei Shootern, in denen ein flinker Finger am Abzug nicht bestraft, sondern belohnt wird. Außerdem kommt es in den allermeisten Spielen dieser Art immer mal wieder auf ein Aufeinandertreffen mit Zivilisten, die entweder befreit, zum Levelausgang eskortiert oder einfach nur verschont werden müssen. Ansonsten gilt das Level unter Umständen als gescheitert und man darf sein Glück erneut versuchen.

Blood: Refreshed Supply, so der vollständige Titel dieses Remasters – zukünftig der Übersicht halber als Blood abgekürzt – glorifiziert den flinken Finger in etwas größerem Umfang: die meist wild gestikulierenden Unbewaffneten können einfach niedergemäht oder in Flammen ummantelt
werden. Man spielt schließlich den Antihelden Caleb, dem das Leben anderer herzlich egal ist. Zwischen Freund oder Feind wird also nicht so wirklich unterschieden. Zwar zählen getötete Zivilisten nicht mit zum Kill-Count, aber einen Nachteil gibt es dadurch auch nicht. Also durchaus makaber, aber konsequent im Sinne des Titels.

Der eben erwähnte Kill-Count ist permanent in der linken Bildschirmecke sichtbar, ebenso wie die Anzahl entdeckter Secrets und die gespielte Zeit pro Abschnitt. Diese Anzeigen stören nicht weiter, da sich das Hauptgewusel zumeist in der Mitte des Screens abspielt und bieten eine gute Übersicht.

Auf diesem Bild des Spiels Blood ist ein kleiner dunkelgekleideter Mann mit Hut sehen.
Ein technisch korrekt dargestelltes Spiegelbild sucht ihr leider vergebens

Auf Wunsch kann jeder Zeit die Ego-Perspektive gegen die 2D-Kartenansicht getauscht werden. Und endlich, ENDLICH hat die Map auch mal ihre Daseinsberechtigung. Es wird nicht nur ein schlankes Gittermodell aus rot, gelb, grün und eventuell etwas grau geboten, sondern eine sehr übersichtliche Karte, die auch die Umgebungstexturen berücksichtigt und bei genauem Hinsehen auch das eine oder andere Secret offenbart, von denen es pro Level meist haufenweise gibt. Einige Abschnitte beherbergen an die 20 (!) Stück. Hier macht ab und an ein Blick auf die Karte wirklich Sinn. Hervorragend umgesetzt, übersichtlich und detailliert zugleich. Richtig gut!

Unterhaltsames Gebrabbel

Beim Durchschreiten des Spiels wird Caleb bei den ganzen bleihaltigen und dynamitreichen Unternehmungen nicht müde, sein fragwürdiges Vorgehen mit geschmacklosen One-Linern oder
wahnsinnigem Lachen zu garnieren. Wer Duke Nukem kennt, darf sich hier eine sprachlich düstere Version des Blondschopfs vorstellen. Auch die Gegner quasseln ganz gerne, die Zombies bringen nur ein monotones „Braiiins!“ hervor, die Kultisten reden… ja, was denn eigentlich? Tatsächlich wurde eine eigene Sprache namens Domus Durbentia für Blood geschrieben, die unter anderem auf Latein und Französisch basiert. Aha. Besonders abwechslungsreich gestaltet sich der verbale Austausch zwar nicht, aber bleibt fürs Ohr zumindest eher interessant als nervig.

Negativ hat sich aber leider die Musik in den Vordergrund gedrängt – oder vielmehr das oftmalige Fehlen dieser. Zwar dudelt hin und wieder eher belanglose Hintergrundmusik vor sich hin, aber beim erneuten Laden eines Spielstands ist sie wieder weg. Vom Winde verweht sozusagen. Technisch nicht sauber und in dieser Hinsicht gar fehlerhaft. Zum Glück holen die Soundeffekte und die Sprüche des Protagonisten die Kartoffeln wieder aus dem Feuer.

Auf diesem Bild des Spiels Blood ist eine Mistgabel und ein orangener Overall mit der Aufschrift Kimble zu sehen.
Dresscode? Check!

Blood: Reich an Gewalt, arm an Gameplay?

Dass es bei einem solchen Titel wie Blood nicht gerade zimperlich zugeht, sollte nicht überraschen. Da die verstörende, tief schwarzhumorige Ausrichtung zu einem großen Teil auch durch die (damals noch schockierenden, heutzutage comicartig-unterhaltsamen) Splatterorgien getragen wird, gab und gibt es auch keine ge- und beschnittene Fassung des Titels. Viel wäre nach zu beanstandenden Szenen auch nicht übrig geblieben, was man hätte spielen können, da auch viele der Umgebungstexturen nichts für Zartbesaitete sind. Und doch kann Blood so viel mehr. Mitunter so viel, wie man es einem Spiel diesen Titels gar nicht zugetraut hätte. Angefangen bei den obligaten Schlüsseln, die größtenteils zum Vorankommen vonnöten sind und zum Erreichen des Levelausgangs benötigt werden.

Hier gibt es nicht nur zwei (Wolfenstein, Quake) oder die genretypischen drei (DOOM, Duke Nukem 3D), sondern derer gleich sechs (!) verschiedene. Diese heißen inhaltskonsequent nicht „silberner Schlüssel“ oder „rote KeyCard“. Hier gibt es beispielsweise den Augen-, Dolch- oder Spinnenschlüssel. Die Immersion endet also nicht vor verschlossener Tür, sondern lässt den Spieler hindurchschreiten.

Die Verwendung oder gerade die Nichtverwendung der Schlüssel verdient an dieser Stelle aber eine gesonderte Erwähnung. Es gibt immer wieder Levelabschnitte, in denen man den scheinbar nötigen Schlüssel zum Weiterkommen gar nicht benötigt. Ab und zu können verschlossene Türen auch umgangen werden, indem man durch auffindbare Springstiefel ein offenes Fenster (ok, es wurde kaputt geschossen…) in vier Metern höher erreichen kann. Oder es ist ein gut versteckter Lüftungsschacht, der einen auch ohne Schlüssel weiterkommen und somit das Level erfolgreich beenden lässt. Ab und zu hat man auch einen Schlüssel, aber keine dazugehörige Tür. Dann heißt es: Geölte Augen und das Gebiet nach den teils knallhart versteckten Secrets durchsuchen. Da offenbart sich mit Sicherheit schließlich auch die passende Tür. Diese Art der Progression war anno 1997 so noch nicht gesehen und bot somit tatsächlich neue Lösungswege. Grandios einfach, aber einfach grandios!

Auf diesem Bild des Spiels Blood ist eine Schusswaffe und ein altes Telefon zu sehen.
Achtung, der kommt flach!

Die Bossgegner sind wieder klassisch und so wie man es erwarten würde gehalten: Aus allen Rohren feuern und das Arsenal leerballern. Zumindest an dieser Stelle gibt es keine Kompromisse. Der letzte Level einer jeden Episode ist eine (mal mehr, mal weniger) kreativ erbaute Bossarena. Und die Endgegner können ordentlich was einstecken! Am Ende der ersten Episode dachte ich zunächst, dass ich irgendwas übersehen habe. Denn der finale Widersacher (der im weiteren Spielverlauf übrigens als normaler Gegner wieder auftaucht) wollte trotz Dauerbeschuss einfach nicht das Zeitliche segnen… gefühlte 30.000 Hitpoints machten den Kampf extrem bleiintensiv, bis der Boss endlich fiel. In den weiteren Episoden finden neue Argumentationsverstärker den Weg ins Waffenarsenal, die wesentlich mehr Durchschlagskraft
besitzen. Ab da können die Bosse auch spürbar schneller gelegt werden. Ob das nun positiv oder
negativ ausgelegt wird, muss jeder selbst entscheiden.

Gegnervielfalt auf den zweiten Blick in Blood

Auch in den regulären Spielabschnitten gibt es eine ausreichende Anzahl an verschiedenen Gegnern. Zunächst lassen die ständig wiederkehrenden Zombies, die Sektenmitglieder und einige wenige Flugtierchen eher für eine abwechslungsarme Veranstaltung vermuten. Aber nach und nach gesellen sich Unterwasserabschnitte und deutlich stärkere Gegnertypen hinzu, so dass sich doch eine recht beachtliche Crew an Kanonenfutter dem Spieler in den Weg stellt. Zumeist sind die Schießbudenfiguren (besonders helle verhält sich hier keiner) mit unterschiedlichen Waffen ausgestattet, was der Vielfalt ebenfalls zuträglich ist. Gepaart mit dem insgesamt recht hohen Schwierigkeitsgrad wird ein durchgehend knackiges Spielerlebnis geboten.

Nichts für Anfänger

Sofern man sich nicht wirklich viel zutraut oder lieber im Park spazieren geht, kann auf dem ersten Difficulty-Setting nicht viel passieren. Aber schon auf Stufe zwei von sechs wird das Ganze stellenweise recht knifflig. Die Gegner haben scheinbar literweise Zielwasser gesoffen, und stellten zwei bis drei Gegner gleichzeitig zunächst keine große Herausforderung dar, sieht das jetzt schon ganz anders aus. Etwas mehr Balancing hätte dem Programm in dieser Hinsicht gut getan. Denn spätestens ab Stufe drei wird’s richtig fies. Die Gegner steigen auch von der Anzahl spürbar an und bescheren von nun an fast schon eine Soulslike-Erfahrung. Ständiges Sterben und Neuspielen sind an der Tagesordnung. Gelegenheitsspieler sind hoffnungslos überfordert und nur die Speerspitze der Zockergemeinde wird die höchsten Settings erfolgreich meistern. Da kommen einem die zahlreichen Secrets mit ordentlich Munition, Gesundheit oder weiteren Gimmicks wie transportable Medikits gerade recht.

Auf diesem Bild des Spiels Blood ist ein hundeähnlicher, brauner Gegner liegend zu sehen.
Mach’ sitz und platz!

Viel Spiel für viel Geld

Blood ist ein über alle Maßen herausragendes Produkt, so viel sollte deutlich geworden sein. Leider aber auch ein für ein Remaster sehr teures. Mit 27,99 € ist der reguläre Preis im Nintendo eShop üppig ausgefallen und für ein Retrogame nicht von schlechten Eltern. Der Umfang ist aber mit fünf Episoden plus zwei vollwertigen Bonus-Episoden (entstammend der früheren Mission Packs, also physischen DLCs, die gerade wie wild winken!) extrem ausladend und in Kombination mit den vielen Verstecken und dem belohnenden Leveldesign einfach riesig. Wer alles entdecken will, ist locker 50+ Stunden beschäftigt und sollte schon ab dem dritten Level mehr Zeit zum Spielen einplanen. Zum Glück lässt die jederzeit verfügbare Speicher- und Ladefunktion so gut wie keine Wünsche offen. Ein grandioses Spiel zum zwar hohen, aber dennoch angemessenen Preis.

Fazit zu Blood

Pros:

  • fetter Umfang
  • derbe Waffen
  • fette Gegner und derber Antagonist
  • fette Atmosphäre
  • derbes Leveldesign
  • fetter Humor
  • ALLES DERBE UND FETT!
  • und natürlich: Nightdive Studios!

Cons:

  • Hoher Preis (27,99€ im eShop)
  • Soundprobleme
  • Gegner-Balancing

Mit Blood macht kein Genrefan auch nur ansatzweise irgendwas falsch. Nach jahrzehntelanger Indizierung endlich frei auf dem deutschen Markt erhältlich, stellt Blood: Refleshed Supply die mit Abstand beste Version des Spiels. Die Profis der Nightdive Studios liefern wie gewohnt voll ab und verwöhnen die Spielerschaft mit einem flüssigen und intensiven Spielerlebnis der Extraklasse. Unverständliche Soundbugs sind zwar ärgerlich, schmälern den Gesamteindruck aber nur gering.

Für dieses Spiel kann nur eine uneingeschränkte Kaufempfehlung ausgesprochen werden, die uneingeschränkter kaum hätte sein können. Mistgabel poliert, die Läufe geölt und der höllischen Brut im feinsten 90er Jahre B-Horrorfilmflair den Garaus machen hätte unterhaltsamer nicht ausfallen können!

Das Testmuster wurde uns von UberStrategist zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!

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