Amnesia: Rebirth im Test: Ein denkwürdiges Spiel und Technik zum Vergessen

Amnesia: Rebirth wurde am 30. April 2026 für die Nintendo Switch 2 veröffentlicht und ist nur im Nintendo eShop für 29,99 € zu erwerben. Das Spiel ist ab 18 Jahren von der USK freigegeben worden und benötigt 19,9 GB Speicherplatz.

Ja, ist denn schon wieder Halloween?

Holla, schon wieder ein Horrortitel für Nintendos Hybriden? Und ob, und was für einer! Nachdem die Gruselgemeinde mit diversen Resident Evil Ablegern, Fatal Frame, Little Nightmares II und vielen weiteren Hochkarätern bereits bestens versorgt wurde, machten sich die schwedischen Entwickler von Frictional Games daran, mit Amnesia: Rebirth den dritten Teil der seit 2010 bestehenden Reihe für die Nintendo Switch 2 umzusetzen.

Nachdem schon die Vorgänger qualitativ ordentlich punkten konnten, ist dies für die Fangemeinde eine gute Nachricht,
denn soviel sei verraten: auch der neueste Ableger ist prinzipiell auch nicht von schlechten Eltern, aber alles der Reihe nach.

Schon der Startladebildschirm versprüht Atmosphäre

Exkurs: Horrorszenarien und architektonische Meisterleistungen

Einsam gelegene Herrenhäuser und ähnliche Szenarien sind für den Survivalhorror eine absolut sichere Bank und vielfache Basis für gewalthaltige Sauereien. Scheinbar hat man diese Art Schauplatz auch nie über, da üppige Villen quasi einen unerschöpflichen Vorrat an… nennen wir es mal bautechnischen Freiheiten bieten und somit einen riesigen Umfang an natürlichen und hanebüchenen Räumlichkeiten bereitstellen können. Dabei braucht es zu keiner Zeit auch nur den Hauch einer logischen Erklärung – auch der gemeine Zocker hinterfragt da so gut wie nix, da sich im Setting zumeist eh phantastische Lebewesen wie Zombies, deformierte Raubtiere und übermenschliche Riesenzweibeiner tummeln.

Warum dann beispielsweise den Keller hinterfragen? Und damit meine ich an dieser Stelle nicht den Pool samt Sauna (Moin, Resident Evil: Code Veronica!), welcher an sich in einem üppigen Anwesen nicht sonderlich überrascht, sondern die Geheimtüren, die den Zugang zu riesigen, hochmodernen Privatlaboratorien offenbaren oder gar ein eigenes U-Bahn System beherbergen. Und das wurde alles peu à peu unbemerkt (!!!) aufgebaut, geliefert und installiert? Über Monate oder gar Jahre hinweg? Jau, klar!
Spätestens seit SAW III wissen wir schließlich alle, dass man mir nichts, dir nichts, eine komplette Folteretage in einem ungenutzten Krankenhaustrakt nutzen und erbauen kann. Während der Bauherr im Bettchen liegt. Sterbenskrank. Musste an dieser Stelle mal angesprochen werden, hat mich schon immer gestört. Aber gut, wollen wir mal nicht so sein. Amnesia: Rebirth gibt sich da schon sehr viel unverbrauchter und für das Genre zumindest halbwegs kreativ.

Kein guter Start in den Tag…

Erfrischendes Setting und brennende Hitze

Nach einem Flugzeugabsturz erwacht unsere Spielfigur namens Anastasia Trianon (genannt Tasi) inmitten von Trümmern in der algerischen Wüste. Sie war Teil einer Archäologengruppe, die sich aber nicht mehr im Wrack befindet. Was genau mit ihnen geschehen ist, wird erst im weiteren Handlungsverlauf aufdeckt und soll an dieser Stelle nicht gespoilert werden. Denn das Ganze ist spannend inszeniert und bietet auch die ein- oder andere Überraschung. Ihr Ehemann spielt dabei eine nicht ganz unwesentliche Rolle…

Wir befinden uns in Amnesia: Rebirth also fernab jeglicher Zivilisation und haben wenig Hoffnung auf schnelle Rettung. Die gnadenlose Wüstensonne hilft dabei auch nicht wirklich. Und so ziehen wir ohne konkrete Erinnerungen (daher das titelgebende „Amnesia“) los, um uns zurecht zu finden. Schnell entdecken wir kleinere Höhlensysteme, wo uns die Sonne zwar nichts anhaben kann, wobei die nun partielle Dunkelheit unserem Zustand auch nicht gerade zuträglich ist. Verweilen wir zu lange in düsteren Umgebungen, so hat dies negativen Einfluss auf unseren Geist. Auch nicht gerade schön, gehört aber mit zum Spielkonzept. Auch das Beobachten von feindlichen Kreaturen im weiteren Spielverlauf hat ähnliche Auswirkungen.

Lichtquellen sind rar gesät

Nach Fanprotesten wurde aber der „Adventure Mode“ nachgereicht, in dem es primär ums Erkunden, Rätseln und die Story geht. Der Aufenthalt im Dunklen fällt nicht mehr negativ ins Gewicht. Sehr löblich, um auch einem breiteren Publikum somit eine weitestgehend stressfreie Spielerfahrung zu ermöglichen. Ansonsten bleibt das Spielerlebnis gleich, es gibt also keine abgeänderten Spielabschnitte.

Licht und Schatten in Amnesia: Rebirth

Eben noch wurde die erbarmungslose Sonne bemeckert, ist es kurze Zeit später die überwiegende Dunkelheit, die dem Spieler von Amnesia: Rebirth zu schaffen macht. Atmosphärisch wird hier viel geboten und hinterlässt (zumindest im normalen Spielmodus) einen permanent unwohligen Eindruck… aber so soll es bei einem gepfefferten Horrorerlebnis schließlich auch sein. Wer sich im stressigen Fortschreiten zusätzlich die Mühe macht, die zahlreichen Skizzen, Zeichnungen und Notizen anzuschauen und zu lesen, wird mit vielen Puzzleteilchen belohnt, die die Hintergrundgeschichte näher beleuchten.

Doch leider ist nicht alles Gold, was glänzt: Denn so schön ausgearbeitet die Spielmechaniken auch sind und so stimmungsvoll sich die Umgebung auch gibt, technisch wäre weit mehr drin gewesen. Die Steuerung spricht soweit gut an und geht nach kurzer Eingewöhnungszeit auch zügig von der Hand. Leider liegt das Problem am Switch 2-Port an sich, denn es werden durchgehend 30 fps geboten, die unerklärlicherweise auch noch des Öfteren spürbar unterboten werden. Ruckler sind also an der Tagesordnung, was gerade in Hinblick auf die Immersion sehr ärgerlich ist.

Wir erinnern uns: Der Erstrelease war 2020, also ist der Titel schon recht betagt. Da die Grafik zwar grundsolide ist, aber schon vor sechs Jahren nicht auf Hochglanz poliert wurde, sind diese Ruckeleinlagen umso unverständlicher. Mit mehr Mühe hätte man diese Unzulänglichkeiten sicherlich in den Griff bekommen können. Zumal die Texturen in Amnesia: Rebirth gering aufgelöst und der ganze Look eher verwaschen ist; das aber nur am Rande.

Auf diesem Bild des Spiels Amnesia: Rebirth ist eine Zeichnung mit einem Mädchen zu
sehen.
Stimmungsvolle Bleistiftzeichnungen geben mehr von der Hintergrundgeschichte preis

Uneingeschränkte Kaufentscheidung? Ein klares Jein!

Die Amnesia-Reihe hat ihre ganz eigene Nische inmitten der reichhaltigen Palette an Survival-Horrorspielen gefunden. Und diese Eigenständigkeit funktioniert in sehr großen Teilen auch ganz hervorragend! Pacing, Story und im vorliegenden Teil auch eine charakterstarke Frau als glaubwürdige Protagonistin bilden ein stabiles Fundament. Auch Rätselinteressierte kommen auf
ihre Kosten, da sich die Knobeleinlagen nicht nur auf „Finde Schlüssel hier, verwende ihn da“ beschränken. Im weiteren Spielverlauf wollen auch Teleporter (ja, wir reisen auch in eine andere Dimension!) und Fahrzeuge repariert werden. Nichts, was einen vor unlösbare Adventure Kopfnüsse stellt, aber dennoch abwechslungsreich und mit einem Mindestmaß an Anspruch.

Wäre da nicht die technisch schludrige Umsetzung auf Nintendos Konsole. Mit ihrer Power wäre deutlich mehr möglich gewesen und so wird man den Eindruck nicht los, dass sich hier schlichtweg nicht allzu viel Mühe bei der Portierung gegeben wurde. Es bleibt zwar alles relativ spielbar, aber ein „Schade!“ bleibt immer im Hinterkopf. Wer sich nur ab 60 fps aufwärts wohlfühlen kann und für den alles darunter eine gefühlte Diashow ist, der sollte die Switch 2-Fassung lieber links liegen lassen. Allerdings kompensiert das starke Spielerlebnis viel, auch einige spannende Gameplay-Elemente sind erfrischend und in dieser Form bislang selten verwendet worden.

Gerümpel: Ein Sinnbild der Switch 2-Version

Fazit zu Amnesia: Rebirth

Pros:

  • Unverbrauchtes Setting
  • Adventure Modus
  • Spannende Hintergrundstory
  • Einfühlsame, glaubhafte Protagonistin
  • Viele interessante Spielmechaniken
  • Echter Horror anstatt inflationäre Jump-Scares

Cons:

  • Häufiges Rucken
  • Keine Maussteuerung
  • Insgesamt hingeschluderter Port
  • Es hätte alles so schön sein können!

Machen wir es kurz – Amnesia: Rebirth an sich ist top, und macht auch technisch eine gute Figur! Nur eben leider nicht auf der Switch 2, denn die zerschießt alles.

Ob man im Handheld- oder Dock-Modus spielt: es ruckelt leider immer wieder und die Milchglasoptik macht’s nicht besser.
So schwer es auch fällt, aber zockt das Spiel lieber auf einer anderen Plattform und erlebt dort ein richtig gutes Horrorspiel!

Das Testmuster wurde uns von Abylight Studios zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!

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