Star Wars Outlaws im Test: Zwischen Sternen und Staub – Ein neues Kapitel für die Gesetzlosen der Galaxis

Ubisoft setzt nach der Nintendo Switch 1 die Unterstützung der Hardware von BIG-N auch mit der Switch 2 fort. Als ersten Titel hat sich der französische Entwickler mit Star Wars Outlaws für ein prestigeträchtiges Spiel entschieden. Am 4. September 2025 erschien der Titel dann letztlich auf der Switch 2 sowohl im Einzelhandel (Game-Key Card; → Amazon, MediaMarkt, Saturn, Otto) als auch digital im Nintendo eShop. Die digitale Variante nimmt etwa 19,4 GB Speicherplatz in Anspruch.

Dies ist ein Gast-Artikel von Dominik Christ, Redakteur des Big-N-Club e.V.

Es gibt Momente, in denen ein Franchise neue Wege gehen muss, um sich selbst wieder frisch anzufühlen. Star Wars Outlaws ist exakt so ein Versuch. Nach Jahren voller Jedi, Lichtschwerter und galaktischer Erlösungsmythen wagt sich Ubisoft an eine Ecke der weit, weit entfernten Galaxis, die bislang meist nur am Rande vorkam: Die Welt der Schmuggler, Kopfgeldjäger und kleinen Gauner. Das Ergebnis ist ein Open-World-Abenteuer, das versucht, die Magie des Star Wars-Universums mit der typischen Ubisoft-Formel zu verbinden – und dabei überraschend oft trifft, manchmal aber auch stolpert.

Wichtiger Hinweis: Dieser Test basiert auf der inhaltsgleichen PS5-Version. Mein Kollege Marcel Eidinger hat aber die Switch 2-Portierung ausführlich gespielt und berichtet am Ende des Artikels über die Technik auf der Nintendo-Konsole.

Keine Helden, nur Überlebende

Die Geschichte von Star Wars Outlaws spielt zwischen The Empire Strikes Back und Return of the Jedi – also in einer Zeit, in der das Imperium seine Macht fast ungebremst ausübt, die Rebellion geschwächt ist und das galaktische Verbrechen in den Schatten blüht. Protagonistin Kay Vess ist keine Heldin im klassischen Sinn, sondern eine Überlebenskünstlerin, die sich mit kleinen Tricks, schnellen Worten und gelegentlichen Gesetzesbrüchen über Wasser hält. Gemeinsam mit ihrem tierähnlichen Begleiter Nix schlägt sie sich durch die zwielichtigen Randgebiete der Galaxis und gerät in die Machtspiele der großen Syndikate – von den Pykes über das Hutten-Kartell bis hin zu neuen, eigens für das Spiel erschaffenen Fraktionen.

Das Besondere an der Geschichte ist ihr Fokus. Hier geht es nicht um das Schicksal der Galaxis, sondern um eine Frau, die versucht, in einem zerrissenen System zu bestehen. Outlaws erzählt keine große Heldensaga, sondern eine Aneinanderreihung kleiner, persönlicher Entscheidungen, die Kay in moralische Grauzonen führen. Es gibt keine klare Trennung zwischen Gut und Böse, sondern ständige Abwägungen: Verrät man einen Auftraggeber, um sich selbst zu retten? Hält man zu einer Fraktion, obwohl man weiß, dass sie andere verraten wird? Diese Ambivalenz steht der Serie gut.

In Cantinas deckt ihr euch mit neuen Aufträgen ein

Die Dialoge sind dabei meist gut geschrieben, auch wenn nicht alle Charaktere denselben Tiefgang erreichen. Kay selbst trägt das Spiel jedoch mit einer Mischung aus Sarkasmus, Verletzlichkeit und Selbstvertrauen, die an Figuren wie Han Solo oder Cassian Andor erinnert, ohne sie zu kopieren. Nix dient zum Glück nicht nur als Sidekick, sondern auch als cleveres Gameplay-Element, das in der Handlung verankert ist. Trotz kleinerer erzählerischer Durchhänger gelingt es Outlaws, eine glaubwürdige, in sich geschlossene Geschichte zu erzählen, die das Star Wars-Universum erweitert, ohne sich anzubiedern.

Weniger Karte, mehr Galaxis in Star Wars Outlaws

Die große Stärke von Outlaws liegt in seiner Welt. Ubisoft verzichtet hier auf die überladene Struktur früherer Open-World-Titel und setzt stattdessen auf Qualität über Quantität. Die Planeten, die man besucht, darunter der neue Wüstenmond Toshara, die raue Schmugglerwelt Akiva oder die frostige Stadtwelt Kijimi, sind nicht bloß Kulissen, sondern Schauplätze mit eigener Kultur, Ökonomie und Geschichte. Jede Umgebung vermittelt den Eindruck, wirklich bewohnt zu sein. Märkte, Cantinas, verlassene Außenposten und geheime Syndikatsverstecke sind voller Details, die Fans sofort erkennen werden, ohne dass es in reinen Fanservice ausartet.

Das Spiel blutet Star Wars!

Die Welten sind nicht übermäßig groß, aber dicht. Statt hunderte Sammelobjekte oder bedeutungsloser Nebenquests konzentriert sich Star Wars Outlaws auf Aktivitäten, die thematisch zur Figur passen: Informationen beschaffen, Schulden eintreiben, Waren schmuggeln oder imperiale Patrouillen umgehen. Dabei spielt das Reputationssystem eine wichtige Rolle. Je nachdem, wie man sich gegenüber den Syndikaten verhält, öffnen sich bestimmte Wege oder verschließen sich andere. Wer sich beispielsweise mit den Hutten gutstellt, kann von deren Schutz profitieren, riskiert aber, bei anderen Fraktionen zur Zielscheibe zu werden.

Das Gefühl, ein Teil dieser Welt zu sein, ist eindrucksvoll. Wenn man in einer staubigen Cantina steht, während ein Droide in der Ecke die Band anstimmt und im Hintergrund Sturmtruppen patrouillieren, dann fühlt man sich sofort in die Filme zurückversetzt. Die Mischung aus vertrauten Designs, neuen Schauplätzen und glaubwürdigem Alltag ist eine der größten Leistungen des Spiels. Man spürt förmlich, dass das Universum lebt – es existiert auch ohne die Jedi und ohne den Krieg, und genau das macht seinen Reiz aus.

Blaster, Bluff und Balance – Ubisoft wagt den Spagat

Spielerisch kombiniert Star Wars Outlaws Elemente aus verschiedenen Ubisoft-Serien, ohne sich völlig von der bekannten Formel zu lösen. Das Kern-Gameplay besteht aus einer Mischung aus Schießen, Schleichen, Erkunden und kleineren Rollenspielelementen. Der Übergang zwischen diesen Aktivitäten ist fließend und sorgt für ein angenehmes Tempo. Infiltrationen von Syndikatsbasen erinnern an Assassin’s Creed, Schusswechsel an The Division, und die Art, wie man Informationen sammelt oder Aufträge übernimmt, kennt man stellenweise von Watch Dogs.

Kays Bewegungsfreiheit ist relativ groß. Sie kann klettern, schleichen, Gegner ablenken oder Nix losschicken, um Schalter zu betätigen, Gegenstände zu stehlen oder Feinde kurzzeitig zu verwirren. Das sorgt für dynamische Missionen, in denen man verschiedene Ansätze ausprobieren kann. Trotzdem bleibt das Missionsdesign in manchen Abschnitten erstaunlich konservativ. Viele Hauptmissionen folgen klaren Pfaden, mit vorhersehbaren Zielmarkierungen und wenigen echten Überraschungen. Ubisoft hat hier merklich versucht, ein Gleichgewicht zwischen Story-Inszenierung und spielerischer Freiheit zu finden – manchmal zu Lasten des kreativen Spielraums.

In diesem Bild sehen wir das Kampfgeschehen in Star Wars Outlaws.
Manchmal hilft nur die harte Tour!

Das Kampfsystem von Star Wars Outlaws ist solide, aber nicht revolutionär. Die Deckungsmechanik funktioniert zuverlässig, und der Blaster fühlt sich wuchtig an. Es gibt verschiedene Waffenmodifikationen und Gadgets, die taktische Tiefe bringen, doch wer die Kämpfe aus anderen Ubisoft-Spielen kennt, wird sich schnell zurechtfinden. Besonders gelungen sind jedoch die kleineren Raumschiff-Sequenzen. Kays Schiff, die Trailblazer, dient als Fortbewegungsmittel zwischen den Planeten und Schauplatz kleinerer Weltraumgefechte. Diese sind kurzweilig und atmosphärisch, ohne in Simulation abzurutschen.

Das Fortschrittssystem ist angenehm fokussiert. Statt zahlloser Talentbäume oder unübersichtlicher Upgrade-Menüs bietet Outlaws gezielte Verbesserungen: neue Gadgets, erweiterte Blasterfähigkeiten, verbesserte Nix-Kommandos. Diese Entscheidungen wirken bedeutungsvoll, weil sie direkt ins Gameplay greifen. Gleichzeitig bleibt Outlaws schlanker und weniger überladen als etwa Assassin’s Creed Valhalla oder Far Cry 6.

Trotzdem bleibt die Kritik, dass Ubisoft auch in Star Wars Outlaws gelegentlich auf Nummer sicher geht. Manche Missionen wiederholen sich strukturell, die KI reagiert vorhersehbar, und das Stealth-System kommuniziert nicht immer klar, wann man entdeckt wird. Outlaws will vieles gleichzeitig sein – Actionspiel, Schleichabenteuer, Story-getriebener Open-World-Titel – und nicht jeder dieser Aspekte erreicht dieselbe Tiefe.

Die Technik von Star Wars Outlaws

Nachdem CD Project Red direkt zum Launch der Switch 2 mit Cyberpunk 2077 Ultimate Edition (→ zu unserem Testbericht) einen beeindruckenden Port für die Hybridkonsole veröffentlichte, schauten alle gespannt auf Ubisoft, wie sie die technischen Möglichkeiten der Switch 2 nutzen werden, um ihren ersten Port – Star Wars Outlaws – zu präsentieren. Und um das Ergebnis vorwegzunehmen: Ja, sie haben abgeliefert. Die Core-Features – DLSS und Raytracing – werden hier genutzt, um eine beeindruckende Performance zu schaffen. Die Render-Auflösung beträgt im Dock-Modus 720p und im Handheld-Modus 540p, welche dank DLSS auf 1440p respektive 1080p hochskaliert werden.

Es wird eine Bildwiederholungsrate von 30fps angestrebt, welche in den meisten Fällen stabil gehalten werden kann. In manchen Zwischensequenzen kann es zu Einbrüchen der Framerate kommen und die Draw Distance wurde im Handheld-Modus erhöht, um die Performance halten zu können. Dies bedeutet, dass der Detailgrad im Dock-Modus besser ist und Objekte in größerer Distanz geladen werden als im mobilen Modus der Switch 2. Seit Release des Spiels hat Ubisoft bereits drei Patches ausgeliefert (Stand: Anfang November), welche die bereits beeindruckende technische Leistung nochmals erhöht haben. So fällt die Performance seitdem noch stabiler aus, es wurden einige Texturfehler behoben sowie die generelle Qualität von Assets und Texturen verbessert.

Dank weiterer Anpassungen und Fehlerbehebungen fällt die allgemeine Spielerfahrung noch deutlich positiver aus als sie ohnehin schon zum Start auf der Switch 2 war. Die Schattendarstellung und Beleuchtung der Szenen schaffen eine immersive Atmosphäre, die einen noch tiefer ins Geschehen eintauchen lässt. Dass die Performance teils auf dem gleichen Niveau der Xbox Series S ist oder sogar besser, zeigt, wie fähig die in der Switch 2 verbauten Komponenten sind. Ubisoft zeigt mit Star Wars Outlaws früh im Zyklus, zu welchen Ergebnissen die Konsole imstande ist, wenn man vernünftigen Optimierungsaufwand beim Portieren eines Titels für Nintendos neue Hybridkonsole betreibt. Gerne mehr davon!

Fazit zu Star Wars Outlaws

Pros:

  • Starke Atmosphäre 
  • Fokussierte Open World 
  • Überzeugendes Heldenduo
  • Durchdachtes Fortschrittssystem

Cons:

  • Stealth bleibt rudimentär 
  • Missionen manchmal zu linear
  • Wiederholungen im späteren Spielverlauf
  • Ubisoft-DNA scheint immer noch durch

Im direkten Vergleich zu anderen Ubisoft-Produktionen fühlt sich Star Wars Outlaws entschlackt und zielgerichtet an. Es ist spürbar, dass das Studio aus der Kritik der letzten Jahre gelernt hat. Die Missionen sind kürzer, die Welt organischer, die Progression nachvollziehbarer. Natürlich bleibt die Ubisoft-DNA sichtbar – es gibt vertraute Mechaniken, repetitive Aufgaben und eine gewisse Sicherheit im Design.

Doch der Star Wars-Rahmen verleiht dem Ganzen eine emotionale Tiefe, die man in vielen anderen Open-World-Spielen des Publishers vergeblich sucht. Am Ende bleibt Star Wars Outlaws kein Meilenstein, aber ein starkes, atmosphärisches Abenteuer, das Mut beweist, einen anderen Ton anzuschlagen. Es ist ein Spiel über Menschen und Wesen, die in einer weit entfernten Galaxis voller Regeln ihren eigenen Weg gehen. Wer sich darauf einlässt, erlebt eines der immersivsten Star Wars-Erlebnisse der letzten Jahre. Es ist ein Ubisoft-Spiel, ja – aber eines, das zeigt, dass selbst ein alter Schmuggler noch neue Tricks lernen kann.

Das Testmuster wurde uns von Ubisoft zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!

Über Marcel Eidinger 1919 Artikel
Marcel ist im Jahr 1986 geboren, dem Jahr, wo seine Lieblings-Spielereihe ihren Ursprung hat: The Legend of Zelda. Mit seinen nun mehr als 30 Jahren Lebens- und ca. 25 Jahren Nintendo-Erfahrung versucht er euch mit Liebe und Leidenschaft auf dem Laufenden zu halten!

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*