
Am 28. Oktober 2025 veröffentlichte ININ Games das von Smallthing Studios entwickelte Simon the Sorcerer Origins unter anderem für die Nintendo Switch und Switch 2. Es ist sowohl im Einzelhandel als auch digital im Nintendo eShop erhältlich. Die digitale Variante nimmt lediglich 1,6 GB Speicherplatz auf eurer Konsole ein.
Es war einmal…
Gute Märchen beginnen fast allesamt mit einem solchen sprachlichen Auftakt. Und das kann bei phantastischen Videospielen paktisch 1:1 übernommen werden, schließlich bietet jedes aufgrund seiner teils abenteuerlich-surrealen Reisen genügend Anlass dazu. Wenn dann auch noch Zauberer mit von der Partie sind, ist der Drops eh schon gelutscht. Doch alles der Reihe nach.
…in blütenvoller Pracht…
Die frühen 90er Jahre schienen der ideale Nährboden für das „Point & Click Adventure“-Genre zu sein. Qualitativ hochwertige Software gab sich die Klinke in die Hand und Höchstwertungen etablierter Fachzeitschriften waren eher die Regel als die Ausnahme. Auch Simon the Sorcerer von 1993 wurde wohlwollend von der Presse aufgenommen und bot dem geneigten Spieler das vertraute Verben-Interface der Lucasfilm Games und clevere, teils abgedrehte Rätsel. Nach dem zweiten Teil (1995) machte der Techniktrend, alles Mögliche zukünftig in 3D zu verwursten, leider auch nicht vor dieser Spielereihe Halt. Machen wir es kurz: die ersten beiden Teile waren zwar keine Meilensteine (diese Ehre gebührte Monkey Island 1 und 2), aber sehr respektable und auch finanziell erfolgreiche Vertreter. Über die weiteren Fortsetzungen ab 2002 hüllen wir den Mantel des Schweigens, das war weder spielerisch noch finanziell der Rede wert.

…und mit ungeahnten Kräften…
Grundsätzlich ist die Story beim vorliegenden Prequel gut in den Spielfluss implementiert. Wer jetzt ausufernde Spoiler befürchtet, weil noch kein Teil der Serie ausführlich gezockt wurde (ja, auch solche Genre-Fans soll es geben!), für den gibt es Entwarnung: Es darf zwar verraten werden, dass es um einen sympathischen Vierbeiner und auch böse Vertreter der Zaubergunst geht, aber die toll geschriebene Geschichte soll an dieser Stelle nicht weiter offenbart werden. Nur so viel, es lohnt sich!
Simon the Sorcerer Origins bietet auch 2025 wieder eine tolle Storyline, die zwar ausladende Überraschungen außen vor lässt (quasi als Teil Null vor dem Erstlingswerk auch kaum verwunderlich), aber mitunter interessante Einblicke in die Hintergrundgeschichte des Protagonisten Simon bietet, den man durch die rund acht Stunden dauernde Story begleitet. Genre-Neulinge können getrost ein paar Stunden draufpacken, denn die Lösungen sind nicht immer so geraten, wie es zunächst scheint.
…jedoch nicht nur glänzendem Gold…
Von technischer Seite her macht Simon the Sorcerer Origins eine Menge richtig. Der Geist der ersten Teile wurde trotz grafischer Frischzellenkur gut eingefangen und bietet eine schön gestaltete, organische Spielwelt mit toll gestalteten Hintergrundgrafiken. Sicherlich wäre aber mehr drin gewesen, denn die Animationen wirken oftmals unbeholfen und recht unrund. Da wir uns aber in einer Art Comicwelt bewegen, fällt dieser Umstand nicht allzu schwer ins Gewicht. Der Rätselanspruch pendelt aber leider doch unverhältnismäßig stark; oftmals liegt die Lösung nach kurzem Überlegen und Kombinieren fast direkt vor der Nase, wechselt dann aber schnell zu einer harten Kopfnuss, nur um im Anschluss wieder in seichtes, teils nur knöcheltiefes Puzzle-Fahrwasser zurückzulenken. Es fehlt der berühmte rote Faden, der eine einigermaßen proportional ansteigende Schwierigkeitskurve vorgibt. Die Schwankungen kann man zwar auch als gewollt unvorhergesehen interpretieren, aber so wirklich überzeugend ist das nicht. Dafür
gerät die Balance einfach zu häufig ins Ungleichgewicht. Im Verlauf gibt es auch unterschiedliche
Zaubereien zu erlernen und anzuwenden, die die Spieltiefe aber nicht wirklich bereichern.

Von soundtechnischer Seite gibt es hingegen nichts zu meckern. Sogar die Originalsprecher der Ursprungs- sowie der voll lokalisierten deutschen Version sind wieder an Bord. Das darf für eine Spielerei, die ihren Ursprung vor über 30 Jahren hatte, lobend hervorgehoben werden. Denn ein Sprecherwechsel wird von der Fanbase oftmals eher negativ aufgenommen, schließlich sind einem die verstimmlichten Charaktere über die Zeit sehr ans Herz gewachsen.
…aber insgesamt mit versöhnlichem Ende!
An die früheren Erfolge kommt dieses Prequel nicht ran – das muss an dieser Stelle klar gesagt werden. Aber es bleibt genug Qualität und Eigenständigkeit übrig, um als würdiger Genre-Vertreter in die Annalen einzugehen. Auch die Steuerung geht auf Nintendos Hybriden gut von der Hand und bedarf nur kurzer Eingewöhnung. Sonderlich viele Befehle sind nicht vonnöten, um Simon sicher durch Dialoge, Inventare und die Spielwelt zu bugsieren. Alles funktioniert so wie es soll. Der Touchscreen ist eine willkommene Alternative, die Joysticks zu entlasten.
Als durchaus wichtig stellt sich die Schultertaste ZR heraus: Beim Gedrückthalten kann man unseren
Helden spürbar schneller über den Bildschirm gleiten lassen, was sich oftmals als sehr komfortabel herausstellt. Denn bei der normalen Laufgeschwindigkeit schlafen einem buchstäblich die Füße ein; das angedachte Normaltempo, mit dem sich Simon durch die Geschichte bewegt, erinnert eher an eine Schnecke als an einen Elfjährigen, der fest entschlossen der Aufgabe nachgeht, schnellstmöglich wieder nach Hause zurückzukehren.
Kleinere Schönheitsfehler und die leider immer wieder präsenten Schnitzer im Rätseldesign stehen einer zweckmäßigen, aber guten Story, lustigen Charakteren und atmosphärischen Stärken gegenüber. Sicherlich nicht als Referenz herhaltend, aber durch genug Eigenständigkeit samt spielspaßintensiven Stunden gesichertes oberes Tabellenfeld, sollte man sich auf Simons Reise einlassen. Empfehlenswert!

Fazit zu Simon the Sorcerer Origins
Pros:
- Viel Liebe zum Detail
- Atmosphärisch stark
- Etwas eigenwilliger, aber toller Grafikstil
- Originalsprecher
- Fast-Travel-Option
- Witzige Charaktere
Cons:
- Stark schwankende Rätselqualität
- Schwierigkeitsgrad teils schlecht ausbalanciert
- Gags zünden nicht immer

Hier wird das Rad nicht neu erfunden, aber Genrefans werden sich dennoch oder gerade deshalb mit Simon the Sorcerer: Origins wohlfühlen. Die Spielzeit hätte ruhig etwas höher ausfallen können und leider motiviert auch nichts so richtig zum wiederholten Durchspielen. Das ist aber eher ein Point & Click-typisches Problem.
Das Spiel ist für angemessene 24,99 € im Nintendo eShop zu haben (bis zum 05.01.26 zum Angebotspreis von 19,99 €) oder für um die 30 € als Retail-Version, die aber keine zusätzlichen Inhalte bietet.
Das Testmuster wurde uns von PR Hound zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!
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