Pokémon-Legenden: Z-A im Test: Zwischen Grafikfrust und Abenteuerlust

Das während des Pokémon Days am 27. Februar 2024 für Nintendo Switch angekündigte Pokémon-Legenden: Z-A erschien am 16. Oktober 2025 sowohl für die Nintendo Switch als auch für den Nachfolger Switch 2. Es ist sowohl im Einzelhandel als auch digital im Nintendo eShop erhältlich. Die digitale Variante nimmt 6,0 GB des Speicherplatzes eurer Switch respektive 11,3 GB eurer Switch 2 ein.

Dies ist ein Gast-Artikel von Leonard Kaul, Redakteur des Big-N-Club e.V.

Knapp drei Jahre nach dem eher katastrophalen Start der Editionen Pokémon Karmesin und Purpur (→ zu unserem Testbericht)kommt mit Pokémon-Legenden: Z-A endlich wieder ein neues Spiel auf unsere Konsolen. Die Legenden-Spin-off-Reihe zeigt auch dieses Mal wieder einige kreative Neuerungen. Ob das allerdings reicht, die Schwächen der Vorgänger vergessen zu machen?

Thank you for travelling with Kalos-Bahn!

Nach rudimentärer Charaktererstellung reisen wir zum Start des Spiels mit der Bahn nach Illumina City. Die Metropole im Herzen der Kalos-Region ist klar an Paris angelehnt, der Prismaturm quasi aus allen Bereichen der Stadt sichtbar. Und damit kommen wir auch schon zur ersten großen Neuerung des Spiels: Statt euch durch Wälder, idyllische Städtchen und weitläufige Wiesen oder Berge zu kämpfen, spielt das komplette Spiel im Großstadtdschungel der aus Pokémon X und Y bekannten City.

In Illumina City spielt sich das Abenteuer ab

Damit wir uns in der Stadt auch ja nicht verlaufen, müssen wir einen mehrere Stunden langen, komplett linearen Einstieg über uns ergehen lassen. Mal eben in die Seitenstraße oder hinter ein Haus schauen? Nicht mit Zita!

Die Anführerin des Team MZ, dem wir uns mehr oder weniger freiwillig anschließen, führt uns sehr gründlich in die Grundkenntnisse von Pokémon-Legenden: Z-A ein. Während des Intros treffen wir immerhin einige bekannte Gesichter aus X und Y wieder. Azett zum Beispiel führt das Hotel, in dem wir übernachten dürfen, und Matière, die ehemalige Assistentin des Polizisten LeBelle, ist nun selbst eine Ermittlerin.

Wenn wir uns dann endlich frei in Illumina City bewegen dürfen, werden wir sehr schnell in die Ereignisse der Stadt reingezogen: Es gibt wilde Pokémon, die sich durch die rätselhafte Megamanie gegen ihren Willen zu Mega-Pokémon entwickeln; das Z-A Royale-Turnier, bei dem wir uns von Rang Z zu A hocharbeiten müssen; Wildsektoren, in denen wir wilde Pokémon fangen können; einige Nebenmissionen, bei denen wir durchaus gute Belohnungen sammeln können und außerdem Forschungsaufgaben für die Leiterin des lokalen Pokémon-Labors erledigen.

Die unendliche Geschichte

Als Tourist in Illumina City angekommen, werden wir vor dem Bahnhof von Zita, die gerade einen Werbespot für das Hotel Z dreht, aufgefordert, bei besagtem Werbespot mitzumachen. Während der Dreh von einer Videobotschaft unterbrochen wird, stiehlt ein Pokémon unsere Tasche. Um unsere Tasche zurückzubekommen, müssen wir nach einer kleinen Verfolgungsjagd unser Start-Pokémon auswählen und gegen den Dieb kämpfen.

Das Bild zeigt einen hitzigen Trainerkampf in Pokémon-Legenden: Z-A.
Im Kampf gegen andere Trainer geht es um nicht weniger als den Sieg!

Danach werden wir relativ schnell mit dem Z-A Royale vertraut gemacht: einem Wettbewerb in der Stadt, in welchem wir in nachts auftauchenden Kampfzonen gegen andere Trainer kämpfen müssen, um uns über Kämpfe und Herausforderungen für den nächsten Rangaufstieg zu qualifizieren. Die Herausforderungen bringen dabei zumindest ein klein wenig Abwechslung in den sonst sehr monotonen Ablauf, denn sie erfordern nicht nur das einfache Besiegen von anderen Trainern, sondern beispielsweise den Einsatz bestimmter Attacke-Typen. Schleicht man sich dabei an einen Gegner heran und attackiert dessen Pokémon aus dem Hinterhalt, überrumpelt man das gegnerische Taschenmonster und kann ohne Gegenwehr angreifen.

Auf dem Weg durch die Stadt durchqueren wir auch grün umzäunte Gebiete – die sogenannten Wildsektoren. In diesen für Pokémon-Trainer wichtigen Gebieten sind die wilden Pokémon zu Hause und können durch Anschleichen oder nach einem kurzen Kampf gefangen werden. Da wir uns in einer Stadt bewegen, sind die Areale verständlicherweise nicht so riesig wie noch in Pokémon-Legenden: Arceus (→ zu unserem Testbericht) – allerdings hat man als angehender allerbester Trainer der Welt so einigen Spaß beim Fangen der Monster. Manche von ihnen ignorieren uns einfach völlig, andere greifen uns direkt an, wiederum andere ergreifen die Flucht, wenn wir uns nähern. Es gibt auch wieder die größeren und stärkeren Alpha-Pokémon. Diese erkennt man an den leuchtend roten Augen und einer besonders starken Aggressivität.

Geduckt kommt man besser an ängstliche Pokémon ran

Nach einigen Rangaufstiegen tauchen erstmals die Megamanie-Pokémon auf. Das sind wilde Pokémon, die unfreiwillig eine Mega-Entwicklung durchführen und durch eine Niederlage im Kampf gegen uns besänftigt werden müssen. Die weitere Handlung des Spiels soll hier nicht weiter gespoilert werden, dennoch sei gesagt, dass Pokémon-Legenden: Z-A nicht durch eine besonders spannende Geschichte oder verrückte Charakterentwicklungen punktet. Das war aber noch nie Ziel der Reihe. Die traditionell zweckmäßige Handlung führt uns häufig zum nächsten Missionsziel und ist Beiwerk zum Sammeln und Kämpfen.

Welcome to the City, we got fun and games!

Frei nach Axl Rose stürzen wir uns in den verwinkelten Großstadtdschungel in immer neue Abenteuer. Währenddessen lädt das Spiel uns praktisch an jeder Ecke dazu ein, irgendetwas noch zwischen der Hauptstory zu erledigen. Hier mal auf ein Dach klettern, dort mal ein Gerüst hochkraxeln, an der nächsten Ecke ein paar Mega-Splitter sammeln und dann gibt es ja noch Cafés, verwinkelte Gassen zwischen den Häusern und versteckte Bereiche, in die man nur kommt, wenn man sich an bestimmten Stellen von den Dächern stürzt. Die meisten optionalen Nebenmissionen sind leider viel zu einfach gestrickt und mit wenigen Ausnahmen beschränken sie sich auf einen Kampf vor Ort oder das Zeigen eines bestimmten Pokémons. Einige Missionen, wie die der Bithoras, die eine Bootstour machen wollen, oder des hilfebedürftigen kränkelnden Pokémons, erzählen aber auch eine süße Geschichte. Dank vieler Schnellreisepunkte kommen wir auch ohne Fahrrad und fliegende Pokémon schnell durch die Stadt.

Das Bild zeigt eine platte Hauswand in Pokémon-Legenden: Z-A.
Diese Wand ist alles, nur nicht hübsch

Langweilig war das Fangen und Entwickeln der Taschenmonster für Fans der Reihe ja ohnehin noch nie und Pokémon-Legenden: Z-A bietet den Spielern viele zusätzliche Möglichkeiten, Zeit in Illumina City zu verbringen, bleibt dabei aber der Spielereihe treu und wird nicht zu einem neuen Cyberpunk oder GTA.

Ein bisschen hätten sich die Entwickler dort aber ruhig abschauen können, denn damit kommen wir zum ersten großen Kritikpunkt am Spiel: Außer den wirklich absolut für die Story notwendigen Gebäuden kann man kein einziges Haus betreten. Keine Cafés oder Restaurants, keine Boutiquen, keine Supermärkte, keine Item-Läden. Alles wird nur über ein Menü von der Tür aus abgewickelt. Mehr als die schlecht modellierten Fenster und die platten Hausfronten kriegt man von der Stadt also nicht zu sehen. Dabei hätte man gerade damit dem Spiel so viel Charme verleihen können, so dass viele Spieler vielleicht über weitere Kritikpunkte hinweggesehen hätten.

Hauste drauf, brauchste keine Taktik

Das neu eingeführte Kampfsystem weicht beinahe vollständig von vorherigen Pokémon-Spielen ab. Pokémon-Legenden: Z-A versucht sich an einem Echtzeit-Kampfsystem, in dem wir uns frei bewegen können und unseren Taschenmonstern aktiv Befehle geben. Die Attacken laden sich mit der Zeit wieder auf, wobei stärkere Attacken meist eine höhere Aufladezeit haben als schwächere, man kann sogar die landschaftlichen Hindernisse nutzen, um Attacken auszuweichen.

Hektische Action im Kampf gegen ein Megamanie-Pokémon!

Nochmal eine Schippe drauf setzen die als Bosskämpfe inszenierten Konfrontationen mit den Megamanie-Pokémon. Während wir hier Energiekugeln für die eigene Mega-Entwicklung sammeln, müssen wir auch noch den Attacken des gegnerischen Pokémon ausweichen. Schnell noch einen Angriffsbefehl erteilen, dann per Hechtrolle der nahenden Giftlache ausweichen – das sieht schon ziemlich cool aus. Frustrierend ist allerdings, dass unsere Pokémon uns blindlings folgen, wenn wir gerade keinen Angriffsbefehl geben. Das führt häufig dazu, dass die eigenen Pokémon blind in die Attacken reinlaufen, denen man gerade ausgewichen ist, oder auch mal hinter einer Mauer oder unter einer Brücke festhängen.

Was jetzt erst einmal sehr stressig und fordernd klingt, verkommt außerhalb der Megamanie-Begegnungen leider schnell zu wildem Button-Mashing, weil die meisten Trainer-Kämpfe eh viel zu leicht und nach wenigen Attacken bereits vorbei sind.

Manche wilde Pokémon, insbesondere die stärkeren Alpha-Pokémon, greifen unseren Charakter auch direkt an. Hier ist Vorsicht geboten. Wird der eigene Held zu oft getroffen, wird er ohnmächtig und wacht im nächsten Pokémon-Center wieder auf. Insgesamt macht das neue Kampfsystem allerdings eine recht gute Figur und verleiht dem Spiel einen neuen Anstrich.

Reden wir über das Phanpy im Raum!

Als leiderprobter Fan der Pokémon-Spiele hat man sich mittlerweile an die unterdurchschnittliche GameCube-Grafik und das lieblose Welt-Design der letzten Spiele gewöhnen können, verteidigen sollte man sie deswegen nicht. Eine Metropole an Paris anzulehnen und dann Cafés, Shopping-Läden und Häuser nicht designen zu wollen, grenzt schon an Dreistigkeit. Bewohner der Stadt sind rar gesät, bleiben an Ort und Stelle stehen und tragen nicht unbedingt zum lebendigen Stadtbild bei.

Die Entwicklungen der Pokémon werden sehr schön dargestellt!

Selbst in der Switch 2-Version des Spiels sind die Texturen grundsätzlich matschig und niedrig aufgelöst. Es gibt keine hochwertigen Schatten, kaum Lichteffekte und eine schlechte Beleuchtung. Auch die Tag-Nacht-Wechsel bieten da keinen wirklichen Unterschied. Das ist, genau wie die unvertonten Dialoge, keine zeitgemäße Präsentation eines der größten Spiele-Franchises.

Immerhin sind die Pokémon und wichtigen Charaktere einigermaßen gut designed.

Wenn man über die optische Präsentation etwas Positives sagen kann, dann, dass das Spiel selbst in den anspruchsvollen Megamanie-Kämpfen jederzeit flüssig läuft. Das sollte aber eigentlich eine Grundvoraussetzung sein!

Die akustische Untermalung hingegen gefällt gut. Moderne Versionen bekannter Pokémon-Melodien sowie neue, dynamische Stücke, die auch gern mal an EDM erinnern, untermalen das Geschehen sehr gut und sorgen für einen zusätzlichen Kick.

Fazit zu Pokémon-Legenden: Z-A

Pros:

  • Fängt den Charme der sechsten Generation (X und Y) wieder ein
  • Dynamisches Echtzeit-Kampfsystem mit großartig inszenierten Bosskämpfen
  • Illumina City lädt zur Entdeckungsreise ein
  • Toller, dynamisch anspruchsvoller Soundtrack

Cons:

  • Unterirdische visuelle Präsentation
  • Fehlende Vertonung der Dialoge
  • Nervig langatmige, tutorial-ähnliche Handlung, die erst viel zu spät an Fahrt aufnimmt
  • Häufig eintöniges Missionsdesign

Wie jedes Mal habe ich mich auch dieses Mal gefragt, ob ich mir ein Pokémon-Spiel nochmal antun möchte. Dass das Spiel vor Erscheinen bereits um 20 Euro reduziert im Versandhandel zu erstehen war, sollte eigentlich Warnung genug sein. Trotzdem habe ich mich dafür entschieden und bin zumindest leicht positiv überrascht.

Das Spiel kann, wenn man die schlechte Darstellung ignoriert, wirklich Spaß machen. Die Echtzeitkämpfe bringen frischen Wind in die Reihe, es lohnt sich immer, eine weitere Abzweigung zu nehmen und wieder etwas Neues zu entdecken. Es sind einige gute Ansätze zu erkennen, auch wenn diese häufig beinahe stümperhaft umgesetzt sind. Trotzdem ertappe ich mich immer wieder dabei, dass mir das Spiel gefällt und zum Weiterspielen animiert.

Vielleicht schafft es Game Freak mit dem nächsten Spiel endlich mal, die optische Präsentation an die vorhandene Konsole anzupassen. Die Hoffnung stirbt bekanntermaßen zuletzt.

Das Testmuster wurde uns von Nintendo zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!

Über Marcel Eidinger 1922 Artikel
Marcel ist im Jahr 1986 geboren, dem Jahr, wo seine Lieblings-Spielereihe ihren Ursprung hat: The Legend of Zelda. Mit seinen nun mehr als 30 Jahren Lebens- und ca. 25 Jahren Nintendo-Erfahrung versucht er euch mit Liebe und Leidenschaft auf dem Laufenden zu halten!

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