Metroid Prime 4: Beyond im Test: Ein alter Weg, der sich 2025 überraschend richtig anfühlt

Nach einer entscheidend langen Entwicklungszeit (erste Ankündigung 2017, Reboot 2019 mit Retro Studios am Ruder) ist Metroid Prime 4: Beyond seit dem 4. Dezember 2025 endlich da – und damit eine der größten Erwartungen in der Nintendo-Geschichte. Es ist sowohl als Retail-Version im Einzelhandel als auch digital im Nintendo eShop für Switch 1 und 2 erhältlich. Die digitale Version nimmt ca. 28,9 GB als Switch 1- und ca. 31,6 GB als Switch 2-Version auf dem Speicher eurer Konsole ein.

Dies ist ein Gast-Artikel von Dominik Christ, Redakteur des Big-N-Club e.V.

Die Prime-Serie hatte seit dem dritten Teil 2007 eine echte Lücke hinterlassen. Die Fanbase erhoffte sich ein würdiges Comeback der klassischen First-Person-Sci-Fi-Exploration, die einst Maßstäbe setzte. Die Wertungen, die sich inzwischen bei etwa 80 auf Metacritic bewegen, zeigen: Dieses Spiel spaltet – sowohl die Kritiker als auch die Community. Beyond bleibt in seiner DNA ein Metroid-Prime-Spiel, aber es ist kein unangefochtener Klassiker geworden. Vielmehr ein ambitionierter, teils widersprüchlicher Mix aus Altbewährtem und neuen Ideen, der in manchen Momenten brilliert und in anderen frustriert. Wenn man sich auf Samus‘ neuestes Abenteuer aber unvoreingenommen einlässt, können sowohl Fans der Reihe als auch Neulinge eine fantastische Zeit auf Viewros verbringen.

Die Areale sind spektakulär gestaltet und wecken den Entdeckergeist

Samus, Sternenpolitik und der Preis der Isolation

Die narrative Komponente von Metroid Prime 4: Beyond bewegt sich auf zwei Ebenen: Einerseits gibt es die klassische Metroid-Grundstimmung. Soll heißen, ihr seid Samus Aran, die galaktische Kopfgeldjägerin, auf der Suche nach Geheimnissen und Gefahren auf dem Planeten Viewros. Andererseits will der Titel mehr erzählen, mehr Charaktere einbinden, mehr Konversation bieten.

Hierin liegt wohl der Grund für die größten Debatten: Während manch einer die Erweiterung der Welt durch NPCs wie Ingenieur Myles MacKenzie kritisch sehen mag, da deren ständige Kommentare die sonst so dichte Atmosphäre unterbrechen und den Fokus weg von Einsamkeit und Entdeckung ziehen, werden andere die zusätzliche Tiefe zu schätzen wissen, die sie dem Gefüge geben. Es muss aber ganz klar gesagt werden, dass diese Komponente in der Vorberichterstattung viel zu sehr aufgeblasen wurde. Ihr werdet im finalen Spiel nicht so sehr abgelenkt bzw. aus dem Geschehen herausgerissen, wie es die Previews noch suggeriert haben.

Cutscenes sind toll inszeniert und oft unerwartet emotional

Wirklich großartige narrative Innovationen bietet der Titel nicht: Die Story bleibt funktional, bemüht sich um Kontext und Hintergrund, verheddert sich aber gelegentlich in Klischees und zu viel Begleitdialog – ein seltener Bruch mit dem gewohnten „Allein im All“-Gefühl, den traditionelle Fans mit gemischten Gefühlen betrachten könnten.

Klassiker trifft auf neue Wege, aber nicht ohne Stolpersteine

Gameplay ist das Herzstück jedes Prime-Teils, und Metroid Prime 4: Beyond liefert hier ein echtes Herz-Kreislauf-Training: Klassische First-Person-Exploration trifft auf klare, direkte Shooter-Momente, optionale Rätsel und ausgedehnte Erkundung. Zu loben ist Samus’ Steuerung: Die Bewegungsfreiheit, Zielgenauigkeit und der nahtlose Wechsel zwischen Kampf, Scannen und Puzzle-Interaktion fühlen sich vertraut und solide an, selbst wenn einige Bestandteile aus früheren Teilen 1:1 übernommen wurden. Auch die Implementierung der verschiedenen Steuerungsschemata ist vorbildlich – ihr könnt die Joy-Con als Pointer benutzen, wie damals auf der Nintendo Wii, oder auf eine klassische Controllerbedienung setzen, wo ihr zusätzlich per Gyrosensor euer Fadenkreuz noch etwas nachjustieren dürft. Exzellent ist auch das Maus-Feature auf der Switch 2, wodurch ihr das Spiel fast wie einen PC-Shooter erleben könnt. Großartig: Ihr dürft jederzeit (ohne dafür eigens ins Menü zu gehen) fließend zwischen dem Maus-Modus und den anderen Steuerungsarten hin und her wechseln – so könnt ihr je nach Situation blitzschnell entscheiden, wie ihr Samus‘ Waffenarm in diesem Moment am geschicktesten bewegt.

Das Bild zeigt die Hubwelt in Metroid Prime 4: Beyond.
Willkommen in der Wüste!

Metroid Prime 4: Beyond versucht, das klassische Prime-Gameplay auszubauen: Statt rein geschlossener Areale gibt es eine große Hub-Welt namens Sol Valley. Das ist ein Wüstenareal, in dem ihr zwischen den Hauptlevels unterwegs seid. Dazu kommt mit der Vi-O-La ein Motorrad, mit dem ihr die langen Strecken überbrückt, sowie neue psychische Fähigkeiten, die Samus’ Arsenal erweitern. Klingt nach frischer Luft? Für manche ja. Für andere wurde mit der Wüste ein Element eingeführt, das sich wie unmotivierte Streckung anfühlt: zu viel Rückkehr, zu wenig Fokus, zu wenig Tempo, insbesondere wenn kein Fast-Travel zur Verfügung steht. Viele Spieler dürften den Wüstenhub als „Längenfüller“ empfinden, der eher nervt, als wirklich zum Erkunden einzuladen. Bei genauer Betrachtung wird jedoch klar, dass die sandigen Weiten doch nicht ganz so leer sind, wie es zunächst erscheint.

Die Puzzles und optionalen Rätsel sind solide, aber selten brillant. Manche Fans könnten bemängeln, dass Metroid Prime 4: Beyond eher Shooter-Action betont als die klassische, atmosphärische Erkundung – ein Punkt, der seit Metroid Prime 1 als Markenzeichen der Serie gilt. Viele Kämpfe fühlen sich gut an, aber gelegentlich repetitiv, und Boss-Begegnungen schwanken zwischen spannend und mechanisch vorhersehbar. Dennoch gibt es Momente, in denen die Mischung perfekt aufgeht – besonders in Dungeons, die clever mit Raum, Geheimnissen und Story-Enthüllungen spielen.

Zu euren neuen Psy-Fähigkeiten zählt ein ferngesteuerter Schuss

Technisch wie stilistisch herausragend

Das größte visuelle Pfund von Metroid Prime 4: Beyond ist nicht seine reine Darstellung, sondern sein konsequentes, stimmungsgetragenes Artdesign. Jeder Planet, jeder Korridor und jede Ruine erzählen Geschichten, ohne zwingend ein einziges Wort zu verlieren. Die Umgebungen wirken fremd und glaubwürdig zugleich: Organische Alien-Strukturen treffen auf kalte High Tech-Architektur, verwitterte Technologie verschmilzt mit lebendiger Flora und erzeugt genau jene melancholische Sci-Fi-Ästhetik, für welche die Serie seit jeher steht. Besonders stark ist das Spiel immer dann, wenn es Stille zulässt – wenn nur das entfernte Summen unbekannter Maschinen, das Echo eigener Schritte oder ein schwaches Leuchten in der Dunkelheit den Raum füllen. Licht und Farbe werden gezielt eingesetzt, um Orientierung, Bedrohung oder Neugier zu erzeugen, ohne jemals aufdringlich zu wirken. Samus selbst bleibt visuell bewusst isoliert: Klein im Bild, verloren in riesigen Arealen, was das Gefühl von Einsamkeit und Entdeckung verstärkt. Metroid Prime 4: Beyond beweist eindrucksvoll, dass gutes Artdesign zeitlos ist und Atmosphäre nicht aus Effekten entsteht, sondern aus visueller Identität und künstlerischer Konsequenz.

Auf einer rein technischen Ebene kann man den Retro Studios nur gratulieren: Das vierte Metroid Prime ist zweifelsohne eines der beeindruckendsten Nintendo- Games aller Zeiten. Auf der Switch 2 habt ihr auf dem Fernseher die Wahl zwischen einem 4K-Modus in 60fps oder stolze 120 fps bei Full HD – zu betonen ist in diesem Zusammenhang, dass der Performance Mode nicht einfach nur die Framerate auf gut Glück entriegelt, sondern das Frame Target bis auf ganz wenige Ausnahmen auch wirklich hält – das schaffen viele Titel nicht mal auf der PS5 oder Xbox Series X! Referenzniveau haben außerdem die Gesichtsanimationen der NPCs.

Bossfights dürfen nicht fehlen!

So realistische Figuren in einem First-Party-Titel von Big-N zu sehen, ist wahrlich surreal! Auch Effekte sowie die Beleuchtung, wenn auch komplett vorgerendert, wissen in Metroid Prime 4: Beyond zu überzeugen. Lediglich so manche Textur sollte man vielleicht nicht allzu genau unter die Lupe nehmen. Ganz großes Lob verdient darüber hinaus die HDR-Implementierung. Wer einen guten Fernseher hat, sollte HDR unbedingt einschalten – aber vorher natürlich sichergehen, dass alles korrekt kalibriert ist. Ebenfalls tadellos ist das gesamte Sounddesign inklusive des Soundtracks. Auf der Switch 1 müsst ihr natürlich einiges an Bildschärfe einbüßen und 120 fps sind systembedingt auch vom Tisch – unterm Strich bekommt ihr aber die volle Prime-4-Erfahrung in einer absolut zufriedenstellenden Optik, und das mit meist sehr stabilen 60 Frames – großen Respekt an die Retro Studios!

Fazit zu Metroid Prime 4: Beyond

Pros:

  • Dichte Atmosphäre und starkes Artdesign
  • Klassisches Metroid-Prime-Gameplay in Reinform
  • ⁠Hervorragende Steuerung und gutes Spielgefühl
  • ⁠Starke Einzelmomente in Dungeons und Bosskämpfen

Cons:

  • Zu konservativ in seinen Grundideen
  • Offene Hub-Areale bremsen das Tempo
  • ⁠⁠NPC-Präsenz untergräbt die klassische Einsamkeit
  • ⁠Viel Backtracking und eingeschränktes Fast-Traveling

Metroid Prime 4: Beyond ist kein makelloser Triumph, sondern ein ehrgeiziges, widersprüchliches, aber im Kern solides Spiel. Es steht wie kaum ein anderes in der Debatte zwischen klassischem Gameplay und modernen Erwartungen. Man merkt dem Spiel die schwierige Entwicklungsgeschichte an vielen Stellen an. Einige Elemente wie die NPC-Begleitung, der große Wüsten-Hub oder das Backtracking polarisieren stark. Andere – die Steuerung, die dichten Dungeons, die Grafik und das Level-Design in den Highlight-Bereichen – erscheinen vertraut und äußerst befriedigend. Und genau hier liegt seine Stärke: Beyond ist nicht perfekt, aber es liefert wieder dieses ganz bestimmte Gefühl, das viele zeitgemäße First-Person-Action-Adventure-Spiele längst vergessen haben.

In einer Zeit, in der epische Open Worlds dominieren und Komfort-Features zum Standard geworden sind, wirkt die zugegebenermaßen inzwischen veraltete Metroid-Prime-Formel anno 2025 erstaunlich frisch – gerade, weil es Spiele dieser Art heute kaum noch gibt. Dieses klassische Prime-Erlebnis mit Fokus auf Atmosphäre, Entdeckung und kontrollierter Erzählung fühlt sich selbst nach all den Jahren noch besonders an. Wer Samus’ Rückkehr voller Hoffnung begegnet, wird hier viel finden, was Freude bereitet – und vielleicht auch einiges, das einen nachdenklich zurücklässt. Aber eins steht fest: Metroid Prime 4: Beyond bleibt ein Gespräch wert und ist ein Spiel, das man erlebt haben muss, um es wirklich beurteilen zu können.

Das Testmuster wurde uns von Nintendo zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!

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