Tomb Raider I-III Remastered im Test: Hüpfen, klettern, schießen, verzweifeln

Während der Nintendo Direct im September 2023 (→ zu unserer Zusammenfassung) wurde bekannt, dass Tomb Raider I-III Remastered auch für die geliebte Hybridkonsole erscheint! Am 14. Februar – dem Geburtstag von Lara Croft – veröffentlichte Aspyr Media die aufgearbeitete Version der Action-Adventure-Klassiker. Die Remaster-Collection ist digital im Nintendo eShop für 29,99 € erhältlich und nimmt etwa 6,8 GB eures Speicherplatzes ein.

Schaut euch nachfolgend gerne den Launch-Trailer an:

Deutschland. 24.10.1996

Eine neue Videospielprotagonistin namens Lara Croft betrat die Bühne der Videospielwelt und sollte einen kometenhaften Aufstieg vor sich haben, den keiner vorausahnen konnte. Doch dieser begann nicht etwa auf Sonys erster PlayStation, sondern auf dem deutlich weniger verbreiteten Sega Saturn. Vorausgegangen war ein Lizenzdeal zwischen Sega und Core, daher die sechswöchige Bevorzugung des Saturn-Lagers. Ob jetzt eine Konsolenversion oder die Heimcomputerfassung, die Fachpresse war sich einig: Hier wurde eine ganz neue Art von Adventure geschaffen, eine neue Stunde Null in der Rechnung der Videospielgeschichte. Na gut, zumindest fast. Bis zu diesem Zeitpunkt war es zumindest noch keinem Entwickler gelungen, einen derart stimmigen Genre-Mix zu kreieren, der Plattformabschnitte, Rätsel und
Actionsequenzen in einem Spiel mit einer bislang nie da gewesenen Selbstverständlichkeit verband.

Auch die Spielerschaft war über beide Ohren verzückt. Kein Wunder also, dass die kommenden Tomb Raider-Teile bis zu Tomb Raider – Die Chronik (damals die inzwischen fünfte Auskopplung der Lara Croft’schen Abenteuer) im Jahr 2000 im alljährlichen Turnus erschienen sind. Teil 4 (Tomb Raider – The Last Revelation) war der letzte, der je für eine Sega-Konsole (die oder der vollkommen unterbewertete Dreamcast) erschienen ist. Die Parts 2 und 3 waren aufgrund der schwachen Absatzzahlen des Saturn bereits nicht mehr wirtschaftlich interessant und wurden daher nicht umgesetzt.

Auf diesem Screenshot des Spiels Tomb Raider I-III Remastered sind schwingende Messersichel zu sehen.
Die Programmierer waren kreativ, es gibt viele verschiedene Fallen zu „entdecken“.

Spätestens nach dem fünften Serienteil machten sich starke Ermüdungs- und Abnutzungserscheinungen
breit. In der Folge wurden mehrere eher mittelmäßige Teile released, bevor die Serie mit einer Art Reboot-Trilogie von 2013 bis 2018 neue Kraft schöpfte und nach längerer Zeit wieder hervorragende Kritiken einheimste. Doch auch dieses letzte große Ausrufezeichen ist inzwischen schon wieder sechs Jahre her.

Höchste Zeit also, dass die Serienwurzeln ein aufgebohrtes Remaster der ersten drei Tomb Raider-Teile spendiert bekommen. Aspyr Media (unter anderem für diverse Call of Duty-Teile mitverantwortlich) ist für dieses Unterfangen federführend und argumentiert mit aufgebohrter Grafik sowie überarbeiteter Steuerung.

Tomb Raider I-III Remastered: Hält es, was es verspricht?

Und tatsächlich! Auch auf der im Vergleich zur direkten Konkurrenz schwächelnden Technik steckt eine ganze Menge “Wow!“ in Nintendos Hybridversion des Triple-Remasters. „Sollte ja auch kein Problem sein, bei 25 Jahre alter Software!“, mag nun manch einer laut denken. Dem ist grundsätzlich auch selbstverständlich zuzustimmen. Jedoch hat die jüngere Vergangenheit in Hinblick auf die zahlreichen Port-Releases (finde ich gut!) leider auch gezeigt, dass immer mal wieder grob geschlampt wurde (finde ich nicht so gut!) und teils exorbitante Schnitzer bei Framerate oder überhaupt einer stabilen Lauffähigkeit des Öfteren vorkamen (finde ich gar nicht gut!). Von daher muss jeder Port neu bewertet werden. Also kopfüber ins Abenteuer gestürzt und rein ins Vergnügen!

Grafische Pracht auf Knopfdruck

Es kommt immer häufiger in Mode, dass man Ingame in den Genuss der ursprünglichen Grafikpracht kommt. Im Falle der vorliegenden Trilogie fällt beim Hin- und Her-Switchen über den Minus-Button sofort auf, wie stark die neue Grafik überarbeitet wurde. Denn es wurden im Remaster nicht einfach nur schlicht die Pixel glattgebügelt, sondern sehr zur Freude kommen komplett neue Texturen und vor allem gut geratene Licht- und Schatteneffekte zum Einsatz.

Es lohnt sich, des Öfteren zwischen beiden Grafikmodi zu wechseln. Im Original sind deutlich Plattformen erkennbar, im Remaster können diese sehr leicht übersehen werden. Diese beschränken sich auch nicht nur auf sporadisch eingesetze Details, die mit der Lupe gesucht werden müssen, sondern sorgen für eine große Portion Eigenständigkeit und nehmen einen großen Teil im grafischen Bereich ein, was sehr positiv auffällt. Sogar ganze Levelabschnitte bestechen durch eine andere Atmosphäre. Dies wird bereits im Höhlenlevel des ersten Teils deutlich; im Original sind die Höhlen recht hell und stets gut ausgeleuchtet. Im Remaster kommt eine ganz andere, beklemmendere Atmosphäre durch eine drastisch reduzierte Helligkeit zum Tragen. Beides gut, beides begeistert! Ursprungsfassung oder aufwendig eingepflegte Effekte, hier kommt ein jeder auf seine Kosten. Schön zu sehen, wenn mit derart viel Liebe zum Spiel zu
Werke gegangen wird.

Tomb Raider I-III Remastered: Dann kann es ja losgehen!

Die Qual der Wahl hat der geneigte Spieler bereits vor dem eigentlichen Start, denn mit welchem Spiel soll denn angefangen werden? Drei Klassiker, die wiederbelebt werden und auch 2024 einen weiteren Frühling erleben wollen. Fangen wir doch einfach vorne an.

Auf diesem Screenshot (gerendert) des Spiels „Tomb Raider 2“ ist Lara Croft vor einer Häuserfassade zu sehen.
Ah, Venedig! Ein gerendeter Ladebildschirm (ja, die gibt es wieder!) stimmt auf einen der
ikonischsten Level der Saga ein.

Zu Beginn des ersten Teils wird unsere Protagonistin nach einer (für damalige Verhältnisse schicken) gerenderten Videosequenz ohne größere Umwege ins Spielgeschehen geworfen. Ein großes Höhlensystem mit typischen Bewohnern wie Fledermäusen und Wölfen eröffnet sich ihr. Hat da nicht gerade etwas gegrunzt? Schon nach wenigen Schritten lauert die erste Raubtierschar auf Lara, die per Knopfdruck ihre Pistolen aus den Hüftholstern befreit. Der zu Lara am nächsten stehende Gegner wird automatisch ins Visier genommen. Zack! Bumm! Peng! Ein paar saftige Schusssalven später liegen die ersten Wildtiere regungslos am Boden. Wie es für ein actionorientiertes Spiel der damaligen Zeit durchaus üblich war, mussten für die Standardwaffen keine Munition aufgenommen und auch nicht nachgeladen werden. Erst für spätere Knarren wie die Shotgun war das Auffinden von zusätzlichen Patronen so selten wie wertvoll. Also ist für die größeren Kaliber auch ein bedachterer Umgang sehr empfehlenswert.

Quantität statt Qualität?

Bisher klingt das doch alles wirklich sehr vielversprechend. Und ja, die kreativen Köpfe bei Aspyr Media und Crystal Dynamics haben sich in Punkto Grafik im Speziellen und der Präsentation im Allgemeinen wirklich viel Mühe gegeben. Auch die Soundkulisse überzeugt anstatt mit permanentem Gedudel im Hintergrund mit stimmigen, der Situation angepassten Klangeinwürfen. So herrscht über weite Teile eine stark reduzierte Audiowiedergabe, was aber hervorragend zum Geschehen passt. Die Levelstrukturen an sich bleiben ebenfalls unangetastet, also genau das, was man als Fan erwarten kann. Darf also bedenkenlos zugegriffen werden?

Auf diesem Screenshot des Spiels Tomb Raider I-III Remastered ist ein Optionsmenü auf grünem Hintergrund zu sehen.
Die Panzersteuerung macht ihrem Namen alle Ehre und ist sperrig wie eh und je!

Leider nicht so ganz. Denn als Spieler muss man sich dem Umstand bewusst sein, dass die damalige Steuerung trotz einer aktivierbaren moderneren Variante derart schlecht gealtert ist, dass es einem die Fußnägel hochklappt! Sollte man kein Die-Hard-Fan der allerersten Stunden sein und alle Jahre wieder die alten Teile auf Original-Hardware durchdaddeln (also sich die Gegebenheiten „antrainiert“ haben), macht sich sehr schnell Ernüchterung bis hin zu blankem Entsetzen breit. „Panzersteuerung“, ein Begriff, der einst für die klobige Steuerung der alten Resident Evil-Teile Verwendung fand, könnte hier passender nicht sein und wird sogar auch so im Optionsmenü „beworben“.

Denn schon die ersten Sprungpassagen erweisen sich als dermaßen frickelig, dass man trotz eines ansonsten geduldigen Gemütes ziemlich auf die Probe gestellt wird. Kurz gesagt: die Sprungpassagen (und davon gibt es eine ganze Menge!) machen wenig bis keinen Spaß. Leider sind auch die Schießereien betroffen, denn bei mehreren Gegnern gleichzeitig wird es schnell unübersichtlich. Ständig springt die Zielerfassung hin und her und zu allem Überfluss stellt sich die Steuerung in den allermeisten Fällen als zu träge heraus. So fängt man sich trotz gekonnter Ausweichrollen schnell einen Angriff rücklings ein. Von der absolut zickigen Unterwassersteuerung möchte ich eigentlich gar nicht erst anfangen. So oft, wie mir Lara abgesoffen ist, möchte ich hier die Fusion aus Frust, miserabler Kameraführung gepaart mit der bereits erwähnten Furchtbar-Steuerung anführen. Andere Theorie: Mrs. Croft ersäuft freiwillig, um mir weitere Sprungpassagen aus der Hölle zu ersparen. Klingt auch logisch, kann aber leider nicht bewiesen werden.

Auf diesem Screenshot des Spiels Tomb Raider I-III Remastered ist Lara Croft vor mehreren Plattformen zu sehen.
Die Spaßbefreitheit der zahlreichen Sprungpassagen lässt sich irgendwie erahnen…

Heutige Comfort-Standards, wie automatisches Speichern oder eine (zuschaltbare) Minimap fehlen ebenfalls komplett, das sei aber nur am Rande erwähnt. Es „darf“ nach dem Ableben also fast immer ein gutes Stück bis zur alten Stelle erneut gespielt werden, sollte man das Speichern im Optionsmenü mal wieder vergessen haben.

Dabei hätte alles so schön sein können…

Leider bricht die total sperrige und nach heutigen Maßstäben arg verkorkste Steuerung der Trilogie das Genick. Zwar geht die moderne Steuerungsvariante ein ganzes Stück besser von der Hand, aber so richtig flüssig fühlt sich das Ganze zu keiner Zeit an. Allerdings darf bei der Bewertung auch nicht außer Acht gelassen werden, für wen die Überarbeitung des inzwischen bald drei Jahrzehnte alten Serienanfangs programmiert wurde: zu einem (großen) Teil für die Ursprungsfans, so wie bei jedem Remaster, ganz klar. Durch die rosarote Fanbrille können selbst die groben Schnitzer verziehen werden.

Auf diesem Screenshot von Tomb Raider I-III Remastered sind Lara Croft und ein durchsichtiger blauer Kristall zu sehen.
Zumindest ist man nicht mehr auf die Speicherkristalle angewiesen (Tomb Raider 3).

Aber die Programme sollen eben auch eine Spielerschaft ansprechen, die mit der neuen Trilogie (gemeint sind Tomb Raider (2013), Rise of the Tomb Raider (2015) und Shadow of the Tomb Raider (2018)) erste Berührungspunkte zum weiblichen Indiana Jones-Pendant erlebt haben und sich jetzt neugierig in die ersten Gehversuche von Lara stürzen möchten. Natürlich darf dabei kein Adventure nach heutigen Standards erwartet werden. Aber zumindest gut spielbar sollte es sein. Und so dürften die allermeisten Neulinge den im eShop ausgegebenen 29,99€ hinterher trauern.

Selten war eine stark eingeschränkte Kaufempfehlung auch zeitgleich ein Aufruf: UNBEDINGT Probespielen – denn wenn man mit der Steuerung auf Dauer einfach nicht warm wird, nutzen einem auch die großzügige Spiellänge und die liebevolle Inszenierung nichts.

Fazit zu Tomb Raider I-III Remastered

Pros:

  • Großer Umfang (insgesamt locker 50+ Stunden)
  • Alle Erweiterungen vorhanden
  • Optional tolle grafische Überarbeitung
  • Eine Liebeserklärung an alle Nostalgiker

Cons:

  • Eine Liebeserklärung NUR an alle Nostalgiker
  • Störrische, aus der Zeit gefallene Steuerung
  • Oftmals ungünstige Kamera
  • Keine Autosafe-Funktion
  • Wichtige Gameplay-Elemente wenig spaßig (Springen, Feuergefechte)

Für Lara-Fans und Adventure-Enthusiasten eine großartige Chance, die alten Klassiker in neuem Gewand und unterwegs erleben zu können! Für alle anderen vermutlich ein – für ein Remaster – recht teurer Reinfall, denn die Bedienung ist alles andere als einsteigerfreundlich, trotz leicht überarbeiteter Alternativsteuerung. Ein zweischneidiges Schwert, wie es spaltender kaum sein könnte. Diejenigen unter Euch, die mit den offensichtlichen Makeln leben können, dürfen locker 1,5 Punkte auf die Endwertung draufschlagen. Denn die werden sicherlich nicht enttäuscht sein.

Das Testmuster wurde uns von Sandbox Stragies zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!

Über Marcel Eidinger 1844 Artikel
Marcel ist im Jahr 1986 geboren, dem Jahr, wo seine Lieblings-Spielereihe ihren Ursprung hat: The Legend of Zelda. Mit seinen nun mehr als 30 Jahren Lebens- und ca. 25 Jahren Nintendo-Erfahrung versucht er euch mit Liebe und Leidenschaft auf dem Laufenden zu halten!

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