Elderand im Test: Kann das Oldschool-Metroidvania überzeugen?

Dies ist ein Kurztest von Mr.JamesGames zu Elderand. Lasst ihm doch gerne ein Abo bei YouTube da!

Es ist mal wieder soweit, Freunde: Metroidvania-Time! Elden Ri… eh… Elderand lautete der Name des allerersten Vertreters dieses Genres, der 2023 auf meinem metaphorischen Schreibtisch landete. Entwickelt von Sinergia Games sowie Mantra UND… an dieser Stelle wurde euer Spieletester der Herzen hellhörig… gepublished von Graffiti Games, welche sich für mein Spiel des Jahres 2021 Blue Fire (→ zu unserem Testbericht), sowie für das spielerisch zwar anspruchslose, jedoch unglaublich spaßige und fantasievolle Turnip Boy commits Tax Evasion verantwortlich zeichneten. Und ja, schon klar, ein Publisher hat mit der Entwicklung seiner Spiele an sich erstmal nichts an der Brause, aber ein gutes Gespür bei der Auswahl seiner Titel kann man Graffiti nicht absprechen.

Offiziell erscheinen tut der Zauber heute, den 16. Februar 2023 für alle gängigen Plattformen. Ob sich Elderand in die Riege großartiger Graffiti Games-Releases einreihen kann, das schauen wir uns jetzt mal unterm Mikroskop an.

Das alte Lied der verworrenen Exposition

In einem sehr rudimentären Character Editor erstellen Wir unseren Recken und dann geht die Luzie auch schon los. Das Erste, was ins Auge sticht: Zumindest in der Pre-Release Version, die mir vorlag, fehlen in den deutschen Texten sämtliche Umlaute, was das Lesen zu einem lustigen Ratespiel für Drittklässler macht. Das Nächste, was auffällt: Wir befinden uns hier offensichtlich im Reich des unklar formulierten, gewollt mysteriös und poetisch klingenden Storytellings. Danke, Dark Souls. Du hast eine ganze Generation von Videospielautoren verdorben. Was ich verstanden habe: Wir spielen einen Söldner, der irgendwie auserwählt ist. Befinden tun wir uns auf einem Schiff und suchen ein ‚Land Jenseits der Reichweite der Vernunft‘, der Fiesemöp dieser Welt heißt Sserthris (sic!) der Tyrann des Sandes und es könnte alles ganz locker aus der Hüfte gehen, würde nicht plötzlich ein fliegender Blitzetyp auftauchen, um unser Schiff zu versenken.

Wir erwachen nun also schiffbrüchig an einem Strand (… echt jetzt?!) und müssen uns nun in diesem unvernünftigen Land behaupten. An dieser Stelle habe ich für mich entschieden: Die Geschichte von Elderand ist ungefähr so interessant wie der Wetterbericht von Reykjavik; aber jetzt mal unter uns Kegelschwestern: Wer ein Metroidvania für die Story spielt, der spielt auch ein Point & Click-Adventure fürs Kampfsystem. Am Gameplay soll es sich also entscheiden, ob sich Elderand seinen Platz im Olymp der Metroidvania-Götter verdienen wird. Hätte richtig gut sein können, aber… Mein erster Eindruck als jemand, der in seinem Leben schon Dutzende und Aberdutzende von Metroidvanias gezockt hat, war erstmal relativ positiv.

Das Bild zeigt das Setting in Elderand.

Das Movement hat ein gutes Tempo, die Steuerung ist sehr intuitiv, springen, anreifen, zwischen Nah- und Fernkampfwaffen switchen, heilen, alles geht gut von der Hand und die einzige Ausnahme stellt der gewöhnungsbedürftige Rückwärtsdash auf der A-Taste dar. Die Progression geht zackig voran, die Kämpfe werden schnell angenehm knackig, um nicht zu sagen hauchzart Dark Souls (→ zu unserem Testbericht) inspiriert, und das Trefferfeedback hat richtig Pfund. Es hätte echt gut werden können, aber dann taten sich leider mehr und mehr kleinere bis gravierende Macken im Gamedesign auf, die den Spielspaß leider beachtlich schmälerten und einfach nur ärgerlich daherkamen.

Elderands suboptimales Gamedesign

Wo fange ich an? Erstmal lassen sich Schwertschwung-Animationen nicht abbrechen, ihr seid währenddessen locked auf der Stelle und könnt Euch weder bewegen, noch ausweichen, was besonders mit langsamen Großschwertern und Äxten fatal ausgehen kann. Aber nicht nur bietet ihr währenddessen viel Angriffsfläche für Treffer, auch kann sich der Gegner millimeterweit außerhalb eures Radius begeben und eure Schläge gehen ins Leere. Der nächste Punkt wäre das Ausweichen. Ihr verfügt wie erwähnt über einen Rückwärtsdash, teilweise schwierig zu timen, was wiederum Punkt 1 geschuldet ist. In Kombination mit dem linken Analogstick wird er zu einem klassichen Vorwärtsdash, der im Kampf sehr nützlich sein könnte, wäre da nicht unser guter, alter Freund, der Kollisionsschaden. Ihr könnt nicht taktisch am Gegner vorbeidashen und von hinten angreifen, Ihr rasselt mittenrein und kassiert Damage. Durch die Kombination all dieser Faktoren bekommen besonders die frühen Bosskämpfe den faden Beigeschmack unfairer Fummeligkeit.

Eine Eigenart von Elderand aber hat regelrechtes Ragequit-Potential. Obwohl man sich vielerorts an der bewährten Formel von From Software bedient hat, wurde auf ein nicht zu unterschätzendes Detail verzichtet. An Speicherorten füllen sich Eure Heiltränke nicht auf. Das ist besonders am Anfang, wo die Schnellreise noch nicht freigeschaltet ist, maximal frustig, denn in der Regel habt Ihr, wenn Ihr euch erfolgreich durch ein Biom bis zum Boss durchgekämpft habt, einen, mehrere, oder eben alle eure Tränke aufgebraucht und steht nun vor zwei Optionen: Den Boss ohne Heilung legen, wovon ich abraten würde, oder sehr weit zurück zu einem der spärlich gesähten Händlern zu latschen, euch mit Tränken auszustatten und dann möglichst ohne großartigen Schaden zum Boss zurückzurushen. Auch wenn sich mit wachsender Anzahl von Skills, besonders dem Luftdash Besserung einstellt, drücken all diese Probleme den Gesamteindruck aufs Mittelmaß hinunter.

Das Bild zeigt einen Bosskampf in Elderand.
Auf Bosse solltet ihr gut vorbereitet sein

Elderand: Artstyle on Fleek

Optisch wird dem geneigten Retro-Fan hier Einiges geboten. Die 16-Bit-Optik kommt richtig crisp daher, geizt nicht mit Details, und baut schöne flüssige Bewegungen mit ein, die in der echten 16-Bit-Zeit nicht möglich gewesen wären. Alles wirkt wie aus einem Guss und versprüht den wohlig warmen Charm der goldenen Ãra der 2D-Genres. Besonders hervorzuheben wäre der tolle orchestrale Soundtrack, der mit auffallend vielen choralen Elementen richtig gut reingeht. Hier gibt’s nichts zu meckern.

Fazit zu Elderand

Pros:

  • Tolle Optik
  • Toller Soundtrack
  • Schnelles Gameplay

Cons:

  • Frustige Spielelemente
  • Sperriger Einstieg
  • uninspirierte Story

Wenn Ihr bis hierher gekommen seid, könnte sich euch eventuell der Eindruck aufgedrängt haben, ich hätte Spaß am Verriss. Dem ist aber tatsächlich nicht der Fall. Das letzte Jahr hat mir mit Infernax und Astalon zwei der tollsten Retro-Metroidvanias aller Zeiten spendiert und ich hatte mir nichts mehr gewünscht, als den nächsten Meilenstein auf meiner Switch wegzusuchten.

Leider haben viele kleine Ärgernisse und Gamedesign-Sünden die Wertung nach unten gezogen und Elderand für mich streckenweise zur echten Qual werden lassen. Veteranen, die neuen Stoff brauchen, können hier einen Blick riskieren, solange sie hier nicht zu viel erwarten. Alle anderen sollten nach Möglichkeit Probe spielen, ob sie sich auf das Spielerlebnis einlassen können.

Das Testmuster wurde uns von Graffiti Games zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!

Über Marcel Eidinger 1846 Artikel
Marcel ist im Jahr 1986 geboren, dem Jahr, wo seine Lieblings-Spielereihe ihren Ursprung hat: The Legend of Zelda. Mit seinen nun mehr als 30 Jahren Lebens- und ca. 25 Jahren Nintendo-Erfahrung versucht er euch mit Liebe und Leidenschaft auf dem Laufenden zu halten!

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