Garden Story – Schöne Grafik, wenig dahinter? [Test]

Vorgestellt im Rahmen der Indie World-Präsentation von Nintendo im August 2020, hat Garden Story direkt mein Herz erobert. Ich kann euch nicht genau sagen, woran es lag, aber die niedliche Grafik und das mehr oder weniger interessant wirkende Gameplay haben mich einfach angesprochen. Nach der Vorstellung ließ der Release allerdings noch etwa ein Jahr auf sich warten, am 11. August 2021 war es dann endlich soweit. Erwerben könnt ihr den Titel über den Nintendo eShop.

Und seitdem sitze auch ich an diesem Test. Irgendwie ist das Spiel nicht so wirklich das, was ich erwartet hatte. Vielleicht fällt es mir auch deswegen so schwer, die richtigen Worte zu finden. Um mich kurz zu fassen: Aufgrund der wunderschönen Pixelgrafik und der durchaus gelungenen Musik versprüht der Titel durchaus einen gewissen Charme. Das sind allerdings die beiden größten Pluspunkte des Indie-Titels. Der Rest vom Gameplay gestaltet sich eher langweilig und eintönig, auch die auf den ersten Blick erwartete Lebenssimulation ist nicht wirklich vorhanden. Meine Meinung stellt sich also eher durchwachsen dar.

Garden Story – Die Story

Fangen wir mit der Story von Garden Story an. In dem Titel schlüpfen wir in die Rolle der lilafarbenen Traube Concord, welche in einem malerischen kleinen Städtchen lebt. Zumindest war es früher mal richtig pittoresk, mittlerweile hält eine ekelerregende Fäulnis überall Einzug. Diese bringt abstoßende Schleimmonster hervor, welche unsere Siedlung mehr und mehr belästigen.

Viel schlimmer allerdings ist Folgendes: Die Obststadt, in der wir leben, bringt keine weiteren Kinder hervor. Wir in unserer Rolle als Concord sind also im wahrsten Sinne des Wortes der letzte noch lebende Nachwuchs und dadurch auch der letzte Verteidiger. Das erklärt natürlich auch, warum das Kämpfen, wenn auch eher spielerisch, im Mittelpunkt steht. Diverse Waffen stehen uns zur Verfügung, um der Schleimarmee Einhalt zu gebieten – immer und immer wieder.

Das Gameplay

Ähnlich wie Stardew Valley oder auch Story of Seasons verfügt auch Garden Story über ein Wetter- und Zeitsystem. Ein Jahreszeitensystem gibt es allerdings nichts. Ein Tag besteht aus insgesamt vier Tageszeiten: Morgen, Mittag, Abend und schlussendlich die Nacht. Sobald wir uns ins Bett legen, bricht der nächste Morgen an.

Das Bild der Nintendo News zeigt die Steuerung des Spiels Garden Story.
Die Steuerung ist selbst für Kinder durchaus machbar

Aufgaben und das In-Game-Leben

Täglich erhalten wir bis zu drei Aufgaben. Es ist nicht zwingend notwendig, diese direkt zu erledigen, allerdings ist es im Verlauf des Spiels durchaus notwendig. Das Erfüllen der Aufgaben steigert das Level der Dörfer nach und nach. Ja, ich meine wirklich Dörfer, im Verlaufe der Handlung besuchen wir vier verschiedene Orte. Diese sind immer irgendwie saisonal geprägt. Richtig groß ist die anfänglich recht geschlossen wirkende Welt allerdings nicht, jedes Land umfasst etwa sechs bis sieben unterschiedliche Gebiete/Bereiche. Durch die Levelaufstiege bauen die Siedlungen immer weiter auf, wodurch die Händler unter anderem ihr Sortiment erweitern oder mehr Ressourcen verfügbar sind.

Dieses Missionsprinzip kennt man aus diversen anderen Spielen. Ich finde den Hintergedanken auch recht interessant. Aufgaben oder auch Missionen erledigen zum Wohl der Gemeinschaft würde uns allen auch in der Realität mal ganz gut tun. Ein großes ABER habe ich dennoch. Die Aufträge sind extrem renundant, bereits am fünften Tag (vielleicht leicht übertrieben) hat man alle schon einmal gehört. Erschlage eine gewisse Anzahl von Schleimen, repariere das Geländer und so weiter, ständig wiederholt sich alles. Das macht die In-Game-Tage ziemlich langweilig.

Ein weiteres Problem, welches mich zugegebenermaßen sehr viele Nerven gekostet hat, ist die Bewegungsgeschwindigkeit von Concord. Unser Avatar ist so ein absolut grauenhafter Schnarchzapfen, das ist wirklich nicht mehr feierlich. Das sorgt schlussendlich dafür, dass man bei manchen Missionen gar keinen Bock mehr hat, sich auf den weiten Weg zu machen. Immerhin wird im weiteren Spielverlauf ein Schnellreisesystem hinzugefügt, zudem können wir irgendwann das Tempo unseres Helden erhöhen.

Das Bild der Nintendo News zeigt einige Quests aus dem Spiel Garden Story.
Mal ein Beispiel für die anfänglichen Quests

Das Kampfsystem

Ein weiteres wichtiges Element von Garden Story ist das Kampfsystem. Wobei das Wort System nach mehr klingt, als es dann wirklich bietet. Interessanterweise gibt es einige Anlehnungen an Dark Souls, die man so im ersten Moment nicht erwarten würde. Aber sie sind da: Concord kann nur dann ausweichen und angreifen, wenn wir über genug Ausdauer verfügen. Im Verlaufe der Story kommen weitere Balken mit Gesundheitspunkten (HP) und eine Staminaleiste hinzu, wodurch das Kämpfen wenigstens etwas komfortabler wird.

Dennoch gibt es noch zwei weitere, problematische Punkte. In jedem normalen Action-, Run-and-Gun- oder auch Rollenspiel treffen wir auf jede Menge unterschiedliche Gegner. Das fehlt allerdings in Garden Story vollständig, da wir egal in welchem Kampf immer gegen die gleichen, schleimigen Nervensägen antreten. Des Weiteren sind unsere Attacken nicht sonderlich präzise, wir schlagen ständig daneben, obwohl wir eigentlich genau so schlagen, wie davor auch. Zudem sind die Schleime oftmals sehr passiv, sie bewegen sich durch die Kampfarea; ohne Strategie oder einem erkennbaren Weg.

Diverse uninspirierte Waffen

Um das Kampfsystem etwas interessanter zu gestalten, gibt es diverse Arten von Waffen. In jedem Dorf können wir neues Equipment, darunter auch Werkzeuge, erwerben, was die Illusion erzeugt, viel Auswahl zu haben. Aber es ist nur eine Illusion, nicht mehr. Prinzipiell sind die meisten Waffen in Garden Story vom Aufbau und der Funktionsweise her identisch, sie weisen auch alle ähnliche Probleme auf. Das einzige etwas einzigartige Werkzeug ist die Sichel.

Probleme bei den Waffen sind unter anderem die nicht ausreichende Reichweite, die fehlende Geschwindigkeit, der mickrige Schaden oder einer Kombination aller drei Probleme.

Das Bild der Nintendo News zeigt eine Szene aus dem Spiel Garden Story.
Rechts, links, oben, unten… mehr kann die Steuerung nicht so wirklich

Die Dungeons

Ganz à la The Legend of Zelda hat auch Garden Story einige Dungeons zu bieten. Das Abschließen des Haupt-Dungeons eines jeden Gebiets, inklusiv des Besiegens des Bosses, treibt die Haupthandlung weiter voran. Die Dungeon selbst haben, ähnlich wie auch der Rest des Titels, nicht wirklich viel zu bieten und gestalten sich ebenfalls sehr repetitiv.

Grundlegend gibt es zwei Möglichkeiten: entweder müssen wir alle Monster im Raum töten oder wir irgendwelche Kisten auf Schalter schieben. Das war es dann auch schon. Wer sich Bosskämpfe schwierig machen will, der kann einfach hingehen und vorher seine Gesundheit und die Ausdauer nicht auffüllen. Dann ist der Kampf zumindest zu Beginn teilweise recht intensiv. Ansonsten regelt ein Schluck Tau Concords gesundheitliche Probleme.

Der Schwierigkeitsgrad von Garden Story

Aufgrund der niedrigen Gegnervarianz und der fehlenden Angriffsschemen wird das Spiel immer leichter. Wir in der Rolle von Concord werden stärker, die Gegner allerdings nicht, da sie sich nicht verändern. Ich finde das nicht sonderlich gut, schließlich erwartet man von einem Spiel einen Anstieg der Schwierigkeit und nicht einen Abfall. Selbst wenn man beim immer gleichen Gegnertypen bleibt, kann man diese mit der Zeit intelligenter und taktischer werden lassen.

Die Performance

Das Bild der Nintendo News zeigt eine Szene aus dem Spiel Garden Story.

Die Performance von Garden Story auf der Nintendo Switch würde ich ganz passabel nennen. Zwar hatte ich einige kleinere Lags und auch die Bildwiederholungsrate ist nicht immer ganz stabil, aber alles in allem habe ich schon deutlich schlimmeres erlebt. Das könnte aber auch daran liegen, dass Garden Story absolut redundant ist und daher im Hintergrund sicherlich nicht so viel Leistung erfordert, wie manche andere Titel.

Mein Fazit zu Garden Story

Pros:

  • Zuckersüße Grafik
  • Charmanter Protagonist
  • Entspannte Musik
  • Lange Spielzeit, wenn man alle Dörfe auf das Maximallevel bringen will
  • Einfache Steuerung, welche auch Kinder intuitiv meistern werden
  • Hintergrundstory greift kritische Themen auf

Cons:

  • Langweiliges, sich wiederholendes Gameplay mit wenig Tiefgang
  • Sich sändig wiederholende Aufgaben
  • Zehn Stunden Spielzeit, wenn man streng der Handlung folgt
  • Teilweise fehlen Ressourcen für tägliche Aufgaben
  • Concord bewegt sich sehr langsam
  • Unzureichende Schwierigkeitskurve (sie sinkt, anstatt zu steigen)
  • Wenig Gegnertypen
  • Keine richtige Kampfstrategien bei den Gegnern

Garden Story macht aufgrund seiner niedlichen Pixelgrafik und dem charmanten Protagonisten anfänglich einiges her. Sobald man allerdings versucht, ins Gameplay einzutauchen, merkt man, dass leider wenig dahinter steckt. Der Titel ist sehr einfach gehalten, zeichnet sich durch repetitive Aufgaben aus und auch das Kampfsystem wirkt nicht ganz rund. Für 20 € würde ich eher weniger eine Kaufempfehlung aussprechen, rabattiert kann man allerdings durchaus mal über einen Kauf nachdenken.

Das Testmuster wurde uns von Stride PR zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!

Über Caren Koch 1470 Artikel
Geboren im Jahre 1997 bin ich wirklich froh darüber, mich noch ein echtes 90er-Unikat nennen zu können.Geboren und aufgewachsen bin ich im Saarland, wohne und arbeite auch immer noch hier. In meinem Job als chemisch technischer Assistent habe ich sehr viel mit Zahlen und Rechnen zu tun, das Zocken ist daher ein nette Abwechslung für mich.Meine erste Konsole war eine NES. Ich besitze auch heute noch eine und liebe sie abgöttisch. Neben der NES habe ich noch zwei Nintendo 3DS-Systeme und natürlich eine Nintendo Switch. Meistens Spiele ich Jump`n`Run und Strategiespiele, bin aber allem gegenüber offen. Was ich nicht so mag sind Horror- und Actionspiele, wobei es auch hier natürlich Ausnahmen gibt. Auf der Switch ist mein aktuelles Lieblingsspiel Monsters 2, wobei ich auch für eine Partie Overcooked 2 mit meiner Schwester immer zu haben bin.

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