Encodya – Dystopie im sympathischen Duo!

Bei Encodya handelt es sich um ein Abenteuer-Puzzlespiel im klassischen Point&Click-Stil. Wir spielen eine Dystopie im fernen Berlin mit einem außergewöhnlichen Duo.
Als Entwickler zeichnen sich das Chaosmonger Studio und der Filmregisseur Nicola Piovesan verantwortlich, während Assemble Entertainment als Publisher fungiert. Der Titel ist ab sechs Jahren freigegeben, frisst ungefähr 4,2 GB eures Speichers und ist seit dem 5. November 2021 für 29,99 € im Nintendo eShop zu erwerben.

Schaut euch gerne einmal den Veröffentlichungstrailer an:

Encodya wirft euch in ein dystopisches Abenteuer

Wir finden uns im Jahre 2062 im sogenannten Neo-Berlin wieder. Unsere beiden Protagonisten könnten ungleicher nicht sein: Die kleine neunjährige Waise Tina und der große ungeschickte Roboterwächter Sam-53. Eine gefährliche Megalopolis, welche von finsteren und machtgierigen Konzernen regiert wird, und wir leben in ärmlichen Verhältnissen mitten drin – in einer Dachunterkunft. Dadurch, dass Tina ihre Eltern verloren hat, weiß sie sich im kalten deutsch-japanischen Großstatdtjungle zurechtzufinden. Damit ihre Sicherheit gewährt ist, beschützt sie ihr großer Roboterfreund, welcher genau dafür programmiert ist.

Eines Tages stößt Nina auf eine hinterlassene Nachricht ihres verstorbenen Vaters, der ihr mitteilt, dass er einen Plan zur Rettung der Welt hinterlassen hat. Und es ist unsere Aufgabe, an diesen Plan zu gelangen und ihn umzusetzen, um für ein besseres Leben vieler Menschen zu sorgen. Wie ihr euch sicher denken könnt, laufen die Interessen der Reichen und Mächtigen genau konträr. Aus diesem Grunde sind wir schon recht bald die Gejagten einer dystopischen Odyssey!

Das Bild zeigt Tina unter einem Regenschirm, den Sam hält. Sie stehen auf dem Bordstein in dem Spiel "Encodya".
Waise Tina und Roboter Sam sind ein ungleiches Duo

Simples Gameplay mit interessanten Elementen

Das Point&Click-Adventure ist ein interessantes Genre. Wer denkt da nicht sofort an die legendären Monkey Island-Spiele? Für Leute, die nicht wissen, was man darunter versteht: Dies sind Spiele, in denen man fast auschließlich verschiedene Elemente wie Personen, Gegenstände, Kulissen et cetera anklickt und sich oftmals auch auf diese Weise fortbewegt. In diesem Falle laufen wir autonom durch die Gebiete. Oftmals kombiniert man Elemente miteinander, legt diese in ein Inventar ab, um sie an einer vorgesehenen Stelle einzusetzen.
Und das ist gameplaytechnisch auch schon so ziemlich alles. Wir kämpfen nicht, fahren keine Fahrzeuge, klettern nicht durch die Gegend oder sonst was. Unsere Aktionen werden ausgeführt, nachdem wir gewisse Elemente anlicken – klingt simpel? Ist es auch.

Wir steuern unsere Figuren mit dem linken Analogstick, mit der R-Taste sprinten wir. Interagieren können wir mit der A-Taste – überspringen und abbrechen auf der B-Taste, mit X schauen wir uns unsere aktuellen Ziele an, auf ZL gelangen wir auf eine Karte samt Schnellreisepunkten, auf L wechseln wir zwischen Tina und Sam hin und her und auf ZR öffnen wir unsere Tasche mit all den gesammelten Gegenständen. Viel mehr tun wir nicht. Es gilt, viele Gegenstände zu finden und die Umgebung aufmerksam abzusuchen und mit vielen NPCs zu sprechen, um Informationen zu erhalten und Aktionen zu ermöglichen. Sollten wir einmal gewisse Gegenstände nicht finden oder wissen nicht weiter, so können wir Y drücken, damit Elemente wie Sammelbares oder interaktive Punkte hervorgehoben werden – eine nette Hilfe.
Immer wieder bauen wir aus mindestens zwei Gegenständen einen, was oftmals eine gute Portion Hirnschmalz abverlangt.

Das Bild zeigt ein Aufbewahrungslas in der Nahaufnahme und Tina und Sam im Hintergrund aus dem Spiel "Encodya".
Wir sammeln Gegenstände und kombinieren diese miteinander

Der Wechsel zwischen den beiden Protagonisten

Der Wechsel zwischen Tina und Sam ist nicht einfach nur ästhetischer Natur. Immer wieder gibt es Stellen, an die nur ein Teammitgleid herankommt. Beispielsweise müssen wir zu Anfang in ein kleines Loch greifen – dies schaffen wir nur mit den kleinen Händen von Tina. Sam hingegen gelangt beispielsweise an höhergelegene Orte. Derlei Vor- und Nachteile ziehen sich durch sämtliche Locations des Spiels, was die Zusammenarbeit authentischer und abwechslungsreicher gestaltet.

Alternativ können wir den Touchscreen aktivieren, doch fühlt sich dies recht hakelig an. Daher empfehle ich bei der normalen Tastenbelegung zu bleiben und via Tastensteuerung zu spielen. Insgesamt kann es leider etwas fummelig werden. Man merkt, dass Point&Click-Spiele eher mit Maus und Tastatur gespielt werden sollten. Einen praktischen Cursor lässt die Nintendo Switch leider vermissen, sodass das Manövrieren in Menüs etwas unkomfortabel ist.

Das Bild zeigt Tina und Sam und unten eine Leiste mit den Gegenständen aus der Tasche.
Gegenstände packen wir in unsere Tasche und greifen darauf zu

Encodya bietet toll ausgearbeitete Orte und Charaktere

Man merkt dem Entwicklerstudio von Encodya an, dass sie viel Mühe in sämtliche Locations samt all den Rätseln gesteckt haben. Wer auf ein Cyberpunk-Setting steht, der wird sich im Japano-Berlin der Zukunft eventuell wohlfühlen. Überall finden sich kleine Details, Klischees futuristischer Großstädte und nette Referenzen. Die Soundkullisse und das Treiben generell schaffen eine gelungene Atmosphäre. Überall finden sich NPCs, mit denen wir interessante Gespräche führen. Interessant deshalb, weil sie gut geschrieben und vor allem gut vertont sind. Während die Sprachausgabe in Englisch mit tollen Sprechern punktet, bietet Encodya ganze neun verschiedene Sprachen für die Texte. Die Dialoge bieten oftmals mehrere Antwortoptionen an – wir bestimmen häufig also, wie ein Gespräch abläuft.

Das Bild zeigt Tina und Sam in einem japanisch-deutschen Imbiss vor einer Theke mit Koch dahinter.
Tempura mit bayerischem Bier? Na klar!

Pacing mit Schwächen

Nicht selten kann es vorkommen, dass man nicht weiter weiß und man dann längere Zeit am rätseln ist. Es ist nicht immer leicht, genau die passende Kombination für die Lösung eines Rätsels zu finden, selbst wenn man alle Gegenstände gefunden hat. Hier läuft es gerne mal auf Trial&Error hinaus. Auch alle Gegenstände zu finden, muss erst mal geschafft werden – diese mit Y besonders hervorzuheben, fühlt sich da nicht so befriedigend an.
Durch die Nachdenkzeit leidet das Pacing des Spiels, welches in der Story ebenfalls einige Schwächen aufweist. Die Geschichte von Encodya kommt nur sehr langsam in Gang, ist aber durchaus charmant und spannend inszeniert. Die Idee an sich gewinnt nun allerdings keine Innovationspreise.

Das Bild zeigt einen weißen Schriftzug samt darunterliegender Übersetzung auf schwarzem Hintergrund.
Das können auch gerne mal sehr viele Minuten sein…

Encodya und dessen größte Stärke

Welches Element in Encodya definitiv am meisten zu überzeugen weiß, ist das Zusammenspiel aus Tina und Sam. Man merkt, dass die beiden füreinander geschaffen sind. Tina ist für ihre neun Jahre und der erzwungenen relativen Selbstständigkeit ziemlich auf Zack und gerne mal frech, während Sam als Roboter natürlich extrem rational und höflich ist. Diese beiden Extreme ergänzen sich recht gut, wodurch ein schönes Band zwischen den beiden entsteht. Umso erfreulicher ist es da, dass dies auch im Gameplay deutlich wird. NPCs reagieren total unterschiedlich auf die beiden, weshalb man immer wieder mal zwischen den beiden Charakteren wechseln sollte und dies häufig auch verlangt ist.

Das Bild zeigt Sam in der Nahaufnahme. Er informiert über das Wetter.
Kuck kuck! – Beide können nicht ohne den anderen

Fazit zu Encodya

Pros:

  • Toll ausgearbeitetes Setting und Charaktere
  • Gut geschriebene Dialoge
  • Logische aber teils knifflige Rätsel
  • Gelungene Sprachausgabe
  • Schöne Optik (auf Pixellook umschaltbar) und guter Sound
  • Schönes Zusammenspiel zwischen Mädchen und Roboter
  • Ergänzendes Gameplay

Cons:

  • Längere Ladezeiten
  • Teils fummelige, unpraktische Steuerung
  • Schleppendes Pacing bei Gameplay und Story
  • Frustpotenzial bei Rätseln
Das Bild zeigt meine Wertung zu "Little Big Workshop".

Falls ihr auf Point&Click-Adventures steht und dem Cyberpunksetting zugewandt seid, könnte Encodya eine passende dystopische Reise für euch sein. Das liebenswürdige Teamwork zwischen Tina und Sam dürfte einige Herzen höher schlagen lassen. Leider können Spiel- und Storyfluss nicht vollends überzeugen und halten den Titel hinter dessen Potenzial zurück.

Nichtsdestotrotz wartet hier ein originelles Abenteuer auf euch, das mit Humor und originellen Ideen sowie tollen Locations punktet und euch in ein originelles Setting samt verrückter Charaktere entführt.

Wer auf Point-And-Click-Adventures steht, kann sich auch gerne das kürzlich von uns getestete Dexter Stardust: Adventures in Outer Space ansehen (→ zu unserem Test)

Das Testmuster wurde uns von Assemble Entertainment zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!

Über Justin Aengenheyster 328 Artikel
Im Jahr 1992 erschien Mortal Kombat... und ich. Wir beide sind auf unsere Weise brutal. Ich für meinen Teil fahre brutal auf Videospiele ab und beschäftige mich gnadenlos mit verschiedenen Themen, um Gleichgesinnte zu informieren. Als treues Nintendokind befasse ich mich am liebsten auch mit Nintendospielen.

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