Mario Strikers zu chaotisch? – Ein Erklärungsversuch

Am morgigen Freitag, dem 10. Juni 2022 ist es endlich soweit: Nach 15 quälend langen Jahren erscheint mit Mario Strikers: Battle League Football der dritte Teil dieser fulminanten Reihe! Am letzten Wochenende bot Nintendo für Interessierte am Samstag und Sonntag zu drei Tageszeiten für jeweils eine Stunde mit dem First Kick-Event eine zeitlich begrenzte Demo an.
Während mein persönlicher Ersteindruck sehr positiv ist, machten sich immer mehr Stimmen im World Wide Web breit, die das ganze Spielgeschehen als viel zu hektisch deklarierten. Mario Strikers zu chaotisch? – Dieser Frage mag ich in diesem Beitrag einmal auf den Grund gehen und versuchen, euch Blickwinkel zu bieten, welche ihr zuvor eventuell noch nicht erschlossen habt.

Ihr könnt den actiongeladenen Titel bereits im Nintendo eShop vorbestellen.

Dieses Bild zeigt Donkey Kong über Kopf an einer Liane schwingen. Mario Strikers zu chaotisch?
Für nicht wenige steht hier so einiges Kopf…

Mario Strikers zu chaotisch? – Aber wir hatten doch kaum Zeit

Der erste Punkt, den ich anführen mag, dreht sich um die Natur dieser Demo. Der Konzern aus Kyōto bot uns keine Testversion, die wir rauf und runter spielen können, sondern begrenzte das Spektakel zeitlich stark. Theoretisch hätte man das Event auch die vollen zwei Tage laufen lassen können. Ich vermute mal, dass man die Attraktivität der Demo durch die kurzen Phasen in gezielter FOMO-Manier (Fear Of Missing Out) steigern wollte.

Dies bedeutete für die passionierte Spielerschaft aber auch, dass sehr wenig Zeit vorhanden war, um sich einen wirklich ausführlichen Eindruck zu verschaffen. Haben wir wenig Zeit, kann uns ein neues Spiel mit vielen neuen Möglichkeiten schlichtweg überfordern. Im Endeffekt könnte Nintendo sich mit dieser Herangehensweise eher selbst aus ökonomischer Sicht geschadet haben.

Der Titel ist definitiv chaotischer als seine beiden Vorgänger, daher ist das Game in doppelter Weise erst einmal verwirrend. Warum in doppelter Weise? Nun, für Kenner der Reihe verwundert die neue Komplexität und neue Spieler sind diese generell in Mario-Sportspielen einfach nicht gewohnt. Was bleibt, ist vielerorts Überforderung.

Sich in wenigen Stunden, wenn man aufgrund der festgelegten Zeiträume überhaupt mehrere spielen konnte, soweit reinzufuchsen, dass man sagen kann: „So, nun bin ich gut darin, ich habe mich daran gewöhnt“, ist sehr unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher ist da eher: „Mario Strikers zu chaotisch!“.

Dieses Bild zeigt Yoshi über Kopf in der Luft über einem großen Yoshi-Ei. Mario Strikers zu chaotisch.
Da hat sich Nintendo selbst ein Ei gelegt… Mario Strikers zu chaotisch!

Die Komplexität ist deutlich gestiegen

Die gestiegene Komplexität habe ich im vorherigen Abschnitt bereits erwähnt. Hier mag ich einmal erklären, was diesen Titel denn überhaupt komplexer macht und warum dies gut sein kann. In Mario Strikers: Battle League Football bekommen wir neue Möglichkeiten. Wir können nun Fouls aufladen, Pässe mit fein dosierter Intensität in den Lauf passen, es gibt verschiedene Werte bei den Charakter-Attributen, wodurch sich jeder Charakter merklich anders spielt etc. Dazu kommt die Tatsache, dass wir viele Aktionen nun perfekt timen können und sollen, um verschiedene Boosts zu erhalten. Durch die Item-Blöcke und die Superkugeln muss zudem stets abgewägt werden, was genau wir priorisieren. Außerdem straft das Spiel Aktionenspam stark ab, beispielsweise wenn wir zu oft ausweichen oder zu viel sprinten. Die anschließende Erschöpfung macht uns träge.

Natürlich gestalten all diese Aspekte das Geschehen komplexer, einfach weil es mehr zu bedenken und zu lernen/meistern gilt. Doch kann dies auch stets eine super Chance sein, die Langzeitmotivation zu steigern, da man über einen längeren Zeitraum hinweg immer besser und besser wird. Dies passt allgemein gut zum Online-Fokus samt den Fußballclubs und den geplanten Saisons. Dies „kann“ lediglich nur so sein, da es auch Spielertypen gibt, die erst gar nicht in diesen „Genuss“ kommen, da sie diese Hürde nicht bereit sind zu überspringen und sich bereits vorher demotiviert abwenden.

Dieses Bild zeigt Bowser mit gespreizten Armen in Nahaufnahme. Mario Strikers zu chaotisch.
Wer nimmt die Hürde der Komplexität in Angriff?

Koop-Zwang turnte viele ab, inklusive mich

Durch den Umstand, dass wir lediglich im Koop mit einem Partner aus dem Internet spielen konnten, war eine Kommunikation einfach nicht möglich. Es trafen Spielende zusammen, welche sich auf einem ganz unterschiedlichen Level befanden, was die bereits gesammelte Erfahrung und das Verständnis des Spiels anging. Nicht selten ärgerte man sich über Alleingänge oder überraschende Aktionen des eigenen Partners, sodass Spielzüge richtig in die Hose gingen.

Gerade in einem neuen Spiel, in das man sich eingewöhnen muss, braucht man Ruhe und Ordnung. Der Koop-Zwang verhinderte einen schnellen Lerneffekt allerdings leider sehr effektiv. Man verstand häufig auch nicht, wer genau man nun war, da die Charaktere, die man selbst auswählte, nicht immer die waren, die man dann übernahm, wenn man den Spieler wechselte. Da half es auch nicht, mit einem physisch anwesenden Freund im Koop zu spielen, weil selbst dann noch ein dritter Mitspieler übers Internet integriert werden musste. Selbst wenn dies nicht der Fall gewesen wäre, ist der Koop-Modus für den Anfang einfach zu viel des Guten.

Dieses Bild zeigt Donkey Kong mit leicht verwirrtem Blick. Mario Strikers zu chaotisch.
Ungefähr mein Blick, als ich sah, dass ich zum Koop gezwungen werde…

Mario Strikers zu chaotisch? Auf dem Bildschirm ist einfach mehr los

Die Änderungen bezüglich der Items und der Hyperschüsse erschwerten die Übersichtlichkeit zudem weiterhin. Man erhält nun nicht automatisch Items, wenn man schwer gefoult wird oder einen schönen Torschuss hinlegt, sondern über das Einsammeln verschiedener Item-Blöcke. Außerdem ist es notwendig, eine Superkugel zu ergattern, um einen Hyperschuss ausführen zu können. Es befinden sich also schlichtweg mehr Elemente auf dem Spielfeld und man muss mehr abwägen, welche Pfade man nun genau läuft. Dabei dann noch stets darauf zu achten, vor einem Angriff auf einem kleineren Spielfeld als sonst auszuweichen, ist dann schon eine Kunst für sich.

Hinzu kommen die Kreise um die Charaktere, welche sich füllen, um einen Indikator für das perfekte Timing verschiedener Manöver zu implementieren. Ebenso sehen wir die Aufladeleiste unserer Fouls. Kurzum: Viele Elemente und Einblendungen lassen unerfahrende Geister erst einmal verzweifelt den Bildschirm absuchen.

Dieses Bild zeigt Rosalina in der Luft schwebend, während im Hintergrund ein Feuerwerk knallt. Mario Strikers zu chaotisch.
Boom, boom, peng, kawuusch! Mario Strikers zu chaotisch!

Leute, vergesst nicht den Gewöhnungseffekt

Ich denke, dass viele Leute hier einerseits etwas vorschnell urteilen. Andererseits ist eben auch nur diese suboptimale Basis als Urteil vorhanden. Ich kann schon verstehen, dass nicht Wenige abgeneigt vom Spielgeschehen und eventuell sogar richtig enttäuscht sind.
Allerdings vernehme ich zunehmend Stimmen, welche mittlerweile deutlich zufriedener sind, weil sie alleine – also ohne Koop-Zwang – spielen konnten.

Und deshalb schreibe ich: Leute, beruhigt euch erst mal. An vieles kann man sich gewöhnen. Auch an neue Videospiele, die eventuell erst mal überladen wirken mögen. Wer kennt es beispielsweise nicht aus der Super Smash Bros.-Reihe, wenn man mit 4–8 Leuten und dann noch mit Items zockt. Oder von mir aus auch aus Mario Kart 8 Deluxe (→ zu unserem Test), mit all den Items und Fahrern, die einem um die Ohren fliegen.

Dieses Bild zeigt Luigi am tanzen. Sein Mund steht offen und seine beiden Zeigefinger zeigen nach oben und unten. Mario Strikers zu chaotisch.
Ihr könnt euch bestimmt noch besser eingrooven! Mario Strikers zu chaotisch!

Mario Strikers zu chaotisch? – Abschließende Worte

Ich freue mich (Stand jetzt), dass wir endlich mal einen anspruchsvollen Sporttitel von Nintendo kredenzt bekommen, welcher abverlangt, sich tief in die Materie einzuarbeiten. Der Trend ging bei anderen Mario-Sportserien eher in die entgegengesetzte Richtung. Solltet ihr zu denen gehören, die ebenfalls nach der Demo missmutig geworden sind: Ich kann mir gut vorstellen, dass ihr euch noch besser einfindet… eben mit der Zeit.
Ich jedenfalls spürte nach bereits ein bis zwei Stunden eine deutliche Steigerung und das, obwohl ich nicht mal alleine spielen konnte, ergo: nicht die volle Kontrolle hatte.

Schaut doch für einige Tipps gerne einmal in Nintendos heute hochgeladenen Trailer hinein:

Mario Strikers zu chaotisch? Konnten euch diese Blickwinkel etwas beruhigen oder sogar umstimmen? Schreibt uns gerne eure Gedanken in die Kommentare!

Über Justin Aengenheyster 324 Artikel
Im Jahr 1992 erschien Mortal Kombat... und ich. Wir beide sind auf unsere Weise brutal. Ich für meinen Teil fahre brutal auf Videospiele ab und beschäftige mich gnadenlos mit verschiedenen Themen, um Gleichgesinnte zu informieren. Als treues Nintendokind befasse ich mich am liebsten auch mit Nintendospielen.

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