WRC 9: Fordernder Rallye-Spaß für unterwegs

Wer sich schon immer mal hinters (virtuelle) Lenkrad eines Rallyewagens klemmen wollte hat dazu in WRC 9 die Chance. Ob der Lizenz-Racer auf der Switch eine gute Figur macht und für wen sich der Kauf lohnt, verraten wir im Kurztest.

Motorsport ist nicht gleich Motorsport. Während etwa Formel 1 und MotoGP bis auf wenige Ausnahmen auf Rennkursen abgehalten werden, rasen die Piloten der Rallye-Meisterschaft WRC abseits von herkömmlichen Rennpisten über Stock und Stein. Das stellt Material und Fahrer auf besonders harte Prüfungen. Wer die TV-Übertragungen verfolgt, wird vermutlich auch die ikonischen Streckenansagen des Beifahrers – “über Kuppe”, “Haarnadelkurve, nicht schneiden” etc. – kennen. Die Herausforderung liegt darin, die Kontrolle übers Fahrzeug zu behalten, sich den Streckenverlauf gut einzuprägen und den Anweisungen des Co-Piloten zu folgen. Eine Knallhart-Prüfung wie es sie in kaum einer anderen Meisterschaft gibt. Doch schafft es WRC 9 diese authentisch zu vermitteln?

Rauf auf die Piste

Das Bild zeigt eine Drift-Situation in "WRC 9".
Jeder Kurs stellt den Spieler erneut auf die Probe

Statt viel Zeit mit dem Setup des Fahrzeugs, der Radaufhängung, Bremskraftverteilung oder dem Getriebe zu verbringen, starten wir direkt in die erste Wertungsprüfung – durch Schwedens Schnee und Eis. Neben Schweden stehen weitere Länder aus dem WRC-Kalender, darunter etwa Deutschland, Wales oder Neuseeland, zur Wahl. Neben aktuellen WRC-Boliden von Markenherstellern wie Ford, Toyota und Hyundai haben die Entwickler zusätzlich weitere Klassen (WRC 2/3) und legendäre Fahrzeuge ins Spiel integriert. Die Daten stammen aus der Saison 2020 – Ende vergangenen Jahres erschien der Titel bereits für Xbox, Playstation und PC.

So fährt sich WRC 9 – ziemlich gnadenlos

Die erste Etappe startet – wir beschleunigen und lauschen den Anweisungen unseres Co-Piloten. Bereits in den ersten Momenten auf der Strecke kommt Rallye-Feeling auf: Jeder noch so kleine Fahrfehler bedeutet bei normalen Spiel-Einstellungen den Abflug von der Strecke und einen empfindlichen Zeitverlust. Anders als bei der Formel 1 und anderen Serien, liefert man sich mit den restlichen Fahrern einen Wettkampf um die Bestzeit. Die Strecke ist dabei in unterschiedliche Sektoren eingeteilt, in denen die Zeit erfasst wird. Zudem bekommt der Spieler beim Neustart der Prüfung die Geisterversion seines vorherigen Anlaufs gezeigt. So lässt sich feststellen, welche Passagen man mit noch mehr Feingefühl absolvieren sollte.

Apropos Feingefühl: Davon bedarf es jede Menge, um den Boliden nahezu ohne Kratzer über die Ziellinie zu manövrieren. Natürlich möchte man als Einsteiger am liebsten direkt auf Augenhöhe mit den Großen rasen – die ersten Anläufe sind allerdings eher als Experimentierfeld zu verstehen, um die Steuerung zu verinnerlichen. Das richtige Timing bei Kurven abzupassen ist entscheidend. Nur wenn man rechtzeitig vom Gas geht, schießt man nicht über den Racetrack hinaus. Zu Beginn des Karrieremodus’ kann man sich auf der Trainingspiste mit einem Ford Fiesta R2 vorantasten und ein erstes Gefühl für den Rallyesport entwickeln. 

Darum macht es so viel Spaß

Das Bild zeigt eine scharfe Kurve in "WRC 9".
Jede Kurve kann über Sieg oder Niederlage entscheiden

Wenn man (viel) später den Dreh raus hat oder als WRC-Veteran ins Spiel gestartet ist, bringt jedes Rennen unglaublich viel Motivation. Diese besteht vor allem darin, sich bei seinen Lieblingskursen jede Kurve in sein Muskelgedächtnis einzuprägen und die Konkurrenz so einige Sekunden hinter sich zu lassen. Gerade bei den ersten Anläufen ist es besonders spannend zu entscheiden, ob man sich langsam vorantastet oder mit einem gewagten Slide durch die Kurve eine Zeit-Differenz auf das Fahrerfeld verschafft.

Durch unterschiedliche Tages-/Nachtzeiten, Witterungsbedingungen sowie verschiedene Bodenbeläge wie Schotter, Schnee oder Asphalt bietet das Spiel genügend Abwechslung und sorgt durch den Karrieremodus zusätzlich für Langzeitmotivation. Ärgerlich ist allerdings, dass die Physik manchmal nicht auf der Höhe der Zeit ist und ein leichtes Touchieren eines Steines das Fahrzeug wie eine Mondrakete abheben lässt. 

So sieht und hört es sich an

Das Bild zeigt eine weitere Kurve in "WRC 9".
Licht und Schatten: Die Fahrzeugmodelle sind top, die Umgebungsgrafik nicht immer

Der Fahrspaß ist für Rallye-Enthusiasten also schon einmal gegeben, doch können Grafik & Audio mithalten? Die Switch zeigt bei manchen Titeln ihr Grafikpotenzial – WRC 9 gehört eher nicht dazu. Gerade wenn man seine ersten Rallyes fährt, fällt teils starkes Kantenflimmern bei der Umgebungsgrafik auf. Besonders bei der Darstellung von Bäumen, deren Texturen verwaschen wirken und merkwürdig ins Bild reinpoppen. Nach einigen Spielminuten und voller Konzentration auf die nächste Haarnadelkurve rücken diese optischen Patzer allerdings schnell in den Hintergrund. 

Positiv ist hingegen die Darstellung der Rallye-Boliden, Details wie Sponsorenlogos und die Fahrermodelle im Cockpit hinterlassen einen guten Eindruck. Wenn man mit Vollgeschwindigkeit durch eine Pfütze rast, bleibt ein optisches Feedback ebenfalls nicht aus. Die verschiedenen Kamerasettings und die Cockpit-Ansicht fügen sich gut ein.

In puncto Audio schlägt sich WRC 9 solide. Die Strecken-Hinweise des (englischsprachigen) Co-Piloten sorgen für eine authentische Erfahrung. Weniger gut: Da der ein oder andere Crash nicht ausbleibt, hört man mit gewisser Regelmäßigkeit auch einen Aufprall-Sound. Dieser klingt wie aus der Konserve – hier hätten wir uns etwas mehr Liebe zum Detail gewünscht.

Fazit – Authentisches WRC-Feeling mit nur wenig Abstrichen

Pros:

  • Große Streckenvielfalt & Lizenz-Fuhrpark
  • Abwechslung durch unterschiedliche Witterungen bzw.Tages-/Nachtzeiten sowie Spielmodi
  • Gut umgesetztes Fahrmodell
  • Schicke 3D-Rallyewagen

Cons:

  • Teils flimmernde Umgebungsgrafik
  • Einige Sounds eher zweckmäßig

WRC 9 fährt sich super und bietet einen großen Umfang an Strecken und Lizenzautos. Rallye-Fans können bedenkenlos zuschlagen, interessierte Laien werden nach einiger Einarbeitung ebenfalls von der motivierenden Spielmechanik belohnt. Ist damit alles gesagt? Fast: Denn Kritiker dürften zu recht die Grafikpatzer bemängeln. Diese trüben den Spielspaß allerdings nicht allzu stark.

Lest euch hier unsere Berichterstattung zu WRC 9 durch. Weitere Informationen zum Titel findet ihr auf der offiziellen Webseite des Spiels.

Das Testmuster wurde uns von MSM.digital zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!

Über Marcel Eidinger 1248 Artikel
Marcel ist im Jahr 1986 geboren, dem Jahr, wo seine Lieblings-Spielereihe ihren Ursprung hat: The Legend of Zelda. Mit seinen nun mehr als 30 Jahren Lebens- und ca. 25 Jahren Nintendo-Erfahrung versucht er euch mit Liebe und Leidenschaft auf dem Laufenden zu halten!

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*