ManEater – gut gemeintes Menschen-fressen [Test]

ManEater erschien am 27. Mai 2020 für PC, X-Box und Playstation 4. Die Veröffentlichung für die Nintendo Switch fand am 25. Mai 2021 statt. Das Spiel wurde von Tripwire Interactive und Blindside Interactive entwickelt und ordnet sich dem Action-Adventure-RPG zu. Bevor ihr unseren Test zu diesem abgefahrenen Spiel durchlest, könnt ihr euch gerne unser Angespielt ansehen.

Die Story von ManEater

Gestartet wird zu Beginn direkt mal als die Krone der Schöpfung: Ich bin der Kingshark, ein ausgewachsener Tigerhai mit ordentlich Kohldampf und einem Modus operandi, der von seiner Mordlust lebt. Ein großer Hai, der sich durch kleine Fische oder auch saftige Menschen hindurchknabbert.

Das Turorial eröffnet mir ein vielseitiges Buffet und unterweist mich so in die wichtigsten Spielmechanismen.
Beendet wird der Fressrausch dann von Scaly Pete, dem hiesigen Hai-Jäger. Dessen Aufgabe ist es, meinen Hunger für immer zu stillen. Der gönnt einem nämlich gar nichts…
In einem rasanten Kampf zerlege ich die kleine Flotte, die Pete begleitet, reiße seine Leute aus Booten und von Jetskis, bis das anfängliche Finale folgt und er mich aus dem Wasser angelt.

Spoileralarm:

Vor lauter Freude schlitzt mir Petey nun meinen vollgefressenen Wanzt auf, so dass neben reichlich Innereien auch ein kleiner Haihappen zum Vorschein kommt. Dieser verbeißt sich im Arm des Jägers und amputiert diesen akkurat mit seinen kleinen messerscharfen Zähnen.
Das findet er natürlich nicht so gut und schüttelt den Babyhai ungestüm ab, so dass dieser im Wasser landet.
Das Gewässer ist dabei ein ruhiger Fluss und ich finde mich jetzt in dem Körper des unfreiwillig geborenen Sprösslings wieder.
Nun Beginnt das Spiel und ich habe vor, Mama zu rächen!

Das Gameplay

Im 19. Jahrhundert veröffentlichte Charles Darwin sein Buch „Origin oft he species“. Ein Werk, in dem er seine Naturforschungen, die er während seiner langen Exkursionen, rund um die Welt, festhielt. Reduziert wird sein Werk leider oftmals auf die Aussage „survival of the fittest“, oder frei übersetzt „der stärkere überlebt“.

Das Bild zeigt den "Evolutionen"-Bildschirm in "ManEater".
Lasse den Hai heranwachsen und sich weiterentwickeln

Die Entwicklung des Hais und dessen Weg durch das Spiel demonstrieren hingegen die darwinsche Interpretation. Diese sagt klar, dass der anpassungsfähigere überlebt und so schwimme ich durch ein Flussdelta, stetig auf der Suche nach etwas zu fressen. Barsche und andere Fische bieten die ersten Nahrungsquellen. Weiter gibt es Kisten zu finden, in denen auch DNA-Informationen zur Weiterentwicklung des Hais gefunden werden können.

Barrakudas und Alligatoren hingegen sind große Energie-Quellen, die taktisch bekämpft werden müssen.
Barrakudas sind dabei noch die freundlicheren Gegner, denn diesen muss ich überwiegend nur ausweichen oder deren Angriffe parieren, um dann selber zubeißen zu können. Außerdem verursachen deren Angriffe nur einen geringfügigen Schaden. Alligatoren müssen mit Vorsicht und vielen Bissen traktiert werden, ehe diese verzehrt werden können. Der Junghai hat sich hier also voll und ganz an seine Umwelt, deren Bewegung und Angriffslust anzupassen, sonst gibt es auf evolutionärer Ebene nur langsam eine Weiterentwicklung.

Weiterentwicklung des Menschenfressers

Die Verästelungen des Flusses haben, meiner Meinung nach, gewisse Metroidvania-Anleihen, was das mehrfache Passieren von Gegenden, aber auch die Suche nach versteckten Gebieten, Tunneln usw. angeht.
Im Spielverlauf und nach Entwicklung des Tieres, sowie dessen Fähigkeiten, werden die Gewässer tiefer und die natürlichen Feinde größer, stärker und schneller. Außerdem gibt es nach zu vielen weggesnackten Menschenopfern auch in jedem Abschnitt die Konfrontation mit dem hiesigen Hai-Jäger, der dann die Alarmglocken läutet und sich samt seiner Entourage auf den Weg macht, um mich zu einem Sushi zu verarbeiten.

Das Bild zeigt die Karte in "ManEater".
So findet man sich immer zurecht

Um meinen Hai zu entwickeln, muss ich ihn fressen lassen. Also wirklich viel fressen lassen. Eigentlich wird die ganze Zeit über gefressen, was auf Dauer sehr repetitiv ist und auch eintönig wird, aber wer bin ich, um das zu beurteilen?
Ok, laut Google fressen Haie alle vier bis sieben Tage und ausgewachsene Tigerhaie sind tatsächlich dazu fähig, ganze Rinderhälften zu verschlingen, aber das hier ist ja ein Spiel und da muss ich mich halt den Gegebenheiten anpassen. Verdammter Darwin…

Wenn dann reichlich diniert wurde und entsprechende Hormone zur Weiterentwicklung generiert wurden, ist es an der Zeit, eine Ruhehöhle zu finden. Diese dienen zur Weiterentwicklung und zur Modifizierung der eigenen Fähigkeiten. Das geht recht fix und lässt anfänglich auch nur das zu, was uns das Spiel erlaubt. Beziehungsweise das, wozu wir evolutionsmäßig bereit zu sind.

Die Performance

ManEater findet natürlich im Wasser statt und somit habe ich Bewegungsmöglichkeiten in alle Richtungen, teilweise sogar an Land, wobei mir da auch schnell die Luft wegbleibt und ich nach einigen Sekunden verende.
Ob flache oder tiefe Gewässer: das Gefühl, dort hindurch zu gleiten ist majestätisch. Ich bin der Hai und bewege mich wie einer, fresse, schwimme, kämpfe und fresse, schwimme, kämpfe. Benutze meinen Sonar, Orte andere Lebewesen und fresse, schwimme, kämpfe immer weiter.

Insgesamt fühlt sich das alles richtig gut an, zumindest in den ersten zwei bis drei Spielstunden. Denn so gut es sich auch anfühlt, den Job des Prädatoren zu übernehmen, umso mehr merke ich, dass gerade die Steuerung in Kämpfen zu leichten Orientierungsschwierigkeiten führen kann. Insbesondere dann, wenn ich gestoßen werde und sich dadurch meine Position verändert. Das mag in gewisser Weise authentisch sein, macht mir aber beim zwanzigsten Riffhai keinen Spaß mehr.

Klar, das Sonar zeigt mir von Beginn an, wer sich in meiner Nähe aufhält, so dass ich abwägen kann, welchen Weg ich nehme oder welchen Konflikte ich lieber vermeide. Da die Anzahl der Gegner zunimmt, fungiert das Sonar später im Spiel eher als taktischer Ratgeber, über den ich einen zielführenden Weg ermitteln kann, der mit weniger Feinkontakt stattfindet.

Kurzweiliger Spielspaß

Das nichtlineare Gameplay und das metroidvania-artige Leveldesign von ManEater lassen mich zwar gut im Spiel ankommen und die Fähigkeiten, sowie Aufgaben – aus dem Wasser stoßen, fressen, kämpfen, collectibles finden, die Umgebung erkunden usw. – bleiben immer überschaubar. Nur merke ich im fünften Areal, dass mich die Lust verlässt. Ich kann keine neuen Impulse entdecken, die mich weiter an das Spiel fesseln.

ManEater hat mich halt ausselektiert, ich bin eindeutig mental zu schwach dafür, um es durchzuspielen.
Und das, obwohl der Port auf der Switch echt gut gelungen ist. Grafisch ist es am Fernseher, wie auch im Handheldmodus, schön anzusehen und natürlich gibt es Unterschiede, zu XBox, PlayStation 4 und PC. Das wissen aber auch die meisten Switch-Spieler und freuen sich mehr über ein cooles Gameplay, als sich über grafische Unterschiede zu beklagen. Es gab keine Aussetzer, egal, welche Dynamik das Spiel hatte. Kein Ruckeln, kein Haken und die Steuerung lief auch sehr flüssig.

Das Bild zeigt einen blutigen Kampf in "ManEater".
Die Devise lautet: Fressen, fressen, fressen!

Je nach Bereich, war es beispielsweise an Land oft sehr mühsam, sich voran zu bewegen – was auch an der Natur der Sache liegt. Die Stöße aus dem Wasser, brauchten auch etwas Geschick und Übung, ehe sie gelangen. Und wenn ich am Ende eines Röhrensystems nicht aus dem hochstehenden Ende kam, war der Gedanke daran, den gesamten Röhrenbereich wieder passieren zu müssen, um in den richtigen Spielbereich zu kommen, schon etwas frustrierend.
Das Timing und die Präzision in Kämpfen waren auch regelmäßig unpräzise und schwerer zu navigieren, was im Sudden Death auch sehr mies ist. Vor allem, wenn ich die bessere Position hatte, der Schnappangriff aber nicht saß. Und das, obwohl alles so aussah wie zuvor in den Kämpfen, mich dann aber der Fressfeind erwischte und ich das zeitliche segnete.
Besonders gegen anspruchsvollere/schwerere Gegner waren solche Situationen sehr demotivierend.

Fazit zu ManEater

Pros:

  • Eine schöne Spielerfahrung, eines der größten Meeresraubtiere steuern zu können
  • Witzige Kommentare aus dem Off
  • Ein gutes Tutorial, das die Rachegefühle entfacht, um sich motiviert dem Anfang des Spiels zu widmen
  • Eine vom Spiel vorgegebene Lern- und Entwicklungskurve
  • Leveln statt Bosskämpfe – es ist problemlos möglich, mehrere Areale zu erkunden und sein Level zu steigern
  • Ein gutes und übersichtliches Menü
  • Eine große Karte

Cons:

  • Repetitiver Spielablauf und sich wiederholende Aufgaben in den jeweiligen Bereichen
  • Sich wiederholende Kommentierung beim Sprecher aus dem Off
  • Teilweise langwierige/unverständliche/eindimensionale Weiterentwicklungsmöglichkeiten
  • hakelige, unpräzise Steuerung in wichtigen Situationen (Kämpfe)
  • zu Beginn starke natürliche Feinde (Alligatoren)
  • ich habe Mama nicht gerächt
Das Bild zeigt meine Wertung zu "Little Big Workshop".

Innerhalb der Videospielgeschichte konnte ich immer wieder beobachten, wie sich Titel darüber weiterentwickelten, dass deren Charakter plötzlich anfingen, in Gewässer zu gehen, in diesen zu schwimmen und im Idealfall sogar tauchen zu können.

Die Welt wurde dadurch offener, die Möglichkeit, die sich anboten, größer.
Mit ManEater habe ich hier ein Spiel gespielt, das die Erlebniswelt fast ausschließlich im Wasser stattfinden lässt.
Was ich darüber denke, habt ihr hiermit nun erfahren.

Das Testmuster wurde uns von Koch Media zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!

Über Manuel Korell 3 Artikel
Im Orwell-Jahr 1984 geboren, gab es ca. 1992 den klassischen Gameboy samt Super Mario und Tetris. Der Beginn der Gaming-Sozialisation war somit geebnet und wurde dank eines Amiga 2000 im darauf folgenden Jahr intensiviert. Damals wie heute besteht eine große Begeisterung für jedwede Art von Pixelverarbeitung. Ob Indie oder AAA spielt keine Rolle, solange das Spiel fesselt wird alles gleichermaßen wertschätzend gespielt und auch gerne weiter empfohlen.

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