Nintendo im Zugzwang! [Meinungsmache]

Nintendo befindet sich im Zugzwang! Wir schreiben das Jahr 4 seit der Veröffentlichung der Nintendo Switch. Die Konsole verkauft sich wie geschnitten Brot und Spiele wie The Legend of Zelda: Breath of the Wild (→ zum Test) oder Super Mario Odyssey gehören einfach in die Sammlung jedes Switchers. Nintendo hat unweigerlich Erfolg mit dem, was sie mit der Switch erschaffen haben. Die Situation des Unternehmens ist bei weitem nicht so dramatisch, wie es im Internet so gerne dargestellt wird. Dennoch gibt es einige Schattenseiten, die leider immer wieder ins Auge fallen.

Neben der absolut mangelhaften Online-Erfahrung von Nintendos eigenen Titeln, bis hin zum berüchtigten Joy-Con Drift-Problem scheint Nintendo auch unablässig daran interessiert, ihre eingefleischten Fans zu verprellen.

Schauen wir uns mal ein paar Punkte genauer an, weshalb Nintendo sich jetzt im Zugzwang befindet und wie sie eine drohende Misere abwenden könnten.

Die Nintendo Switch Online-Mitgliedschaft

Nintendo bietet für die Nintendo Switch eine Online-Mitgliedschaft an. Diese kostet Geld, bringt aber nur wenige Vorteile. Möchte man Nintendos eigenen Spiele online zocken, ist diese Mitgliedschaft zwingend. Auch einige andere Spiele bauen darauf und so kommt man als aktiver Switch-Nutzer nur selten an dieser herum. Hin und wieder bietet das Unternehmen mal ein Spiel exklusiv zur Probe an, doch reizt das nur wenige Spieler. Die langsam wachsende Bibliothek aus emulierten NES- und SNES-Spielen lockt auch nur die Hardliner der alten Spielgenerationen hinter dem Ofen hervor, sofern diese nicht eh die Mini-Konsolen oder die Originale davon haben.

Wie könnte Nintendo hier punkten? Aktuell arbeiten sie offenbar an der Implementierung eines neuen Netzcodes, der die Verbindungen stabilisieren könnte. Ich bin technisch nicht bewandert genug, um mehr darüber zu sagen, aber das ist von vielen Fans bereits gefordert worden und scheint so langsam auch zu Nintendo durchgerungen zu sein.

Was jedoch weiterhin fleißig ignoriert wird, sind die Rufe nach einem N64- oder Gamecube-Emulator. Die Spiele sind vorhanden, keine Frage. Viele Fans würden sicher auch ein paar Euronen dafür hinblättern, ein paar ihrer beliebtesten Titel für diese Konsolen nun auf der Switch zu besitzen. Warum also hört Nintendo nicht zur Ausnahme mal auf die Fans und implementiert dies?

Vernachlässigung bekannter Franchises

In einem kürzlichen Interview mit Nintendos Präsident Shuntaro Furukawa sprach dieser davon, dass das Unternehmen stets auch daran interessiert sei, neue IPs zu generieren, die sich zu langfristigen Franchises ausbauen ließen (→ zum Artikel). Das ist ja schön und gut, aber was ist mit den etablierten IPs, die links liegen gelassen werden? F-Zero, Donkey Kong, Wario Ware, Wave Race, Star Fox, um nur einige zu nennen?

Die Rufe nach einigen dieser Titel sind laut, treffen jedoch nur auf taube Ohren. Stattdessen steht wieder irgendetwas mit Mario auf dem Line-Up.

Es gibt ja Gerüchte, dass Nintendo an einem Metroid Prime 4 arbeitet. Hat man davon je mehr als einen kurzen Teaser vor ein paar Jahren gesehen? Ständig tauchen News auf, dass das dafür verantwortliche Studio sämtliche Hochkaräter der Videospielindustrie einstellt, um den Titel zum absolut besten zu machen, was jemals das Licht der Welt erblicken wird, doch es gibt keinerlei sichtbare Beweise für die Existenz dieses Titels.

Zugzwang als Chance

Habt ihr schon von The Legend of Zelda: Breath of the Wild 2 gehört? Das schlägt in die gleiche Kerbe wie Metroid Prime 4. Es wurde kurz angekündigt und wird seitdem überwiegend totgeschwiegen. In einem Video erklärte ich bereits, dass das an sich nichts schlechtes sein muss, sofern man jedoch hin und wieder mal darauf aufmerksam macht und ein wenig vom tatsächlichen Spielfortschritt zeigt. Das gibt den Spielern das Gefühl, dass da tatsächlich was passiert und sie können sich weiter darauf freuen (→ zum Video).

Zum 35-jährigen Bestehen des Zelda-Franchises gab es stattdessen nur die Entschuldigung „Ja, seid bitte versichert, wir arbeiten noch dran und können euch aktuell nichts vorweisen“. Das ist die falsche Aussage. Ihr könnt! Screenshots, eine grobe Idee, in welchem Zeitraum es stattfindet, irgendetwas zu einer neuen Fähigkeit, die Link vielleicht dieses Mal besitzen wird. Es gibt so viele einzelne kleine Details, die ihr verraten könntet, ohne gleich das ganze Spiel zu spoilern und den Leuten den Spaß wegzunehmen. Aber schweigt euch doch bitte nicht aus und „entschädigt“ die Fans mit The Legend of Zelda. Skyward Sword HD, dem einzigen Titel, nach dem mit Abstand die wenigsten Fans geschrien haben. Lest euch gerne durch, welche Wünsche und Vorstellungen wir bezüglich des Zelda-Jubiläums haben.

Hier zeigt sich das Problem Nintendos in vollem Ausmaß. Sie hören nicht zu. Gute Unternehmen führen ständig Marktanalysen in Form von Umfragen durch, um herauszufinden, welches ihrer Produkte gut ankommt und was genau daran das Gute ist. Das erschafft überhaupt erst den Zugzwang. Wenn man beim Schach nicht beobachtet, was der Gegenüber macht und analysiert, welche Züge er als nächstes machen könnte, um einen selbst in Bedrängnis zu bringen, spielt man völlig reaktiv und ist leichte Beute für den Gegner. Würde Nintendo einfach nur zuhören, worum langjährige Fans sie bitten – eine bessere Online-Erfahrung, ein verbessertes Switch-Modell mit mehr Leistung, funktionierende Joy-Con, Neuigkeiten zu den angekündigten Spielen, Twilight Princess HD und Windwaker HD für die Switch – und diese Punkte umsetzen, würden auch alteingesessene Fans ihnen wieder die Tür einrennen. Stattdessen habe ich das Gefühl, Nintendo versucht auf biegen und brechen einfach ein komplett neues Zielpublikum aufzubauen, wobei sie dem bestehenden Publikum vor die Stirn stoßen.

Fazit – ein Hoffnungsschimmer?

Es ist bekannt, dass auch schlechte Publicity besser ist als gar keine. Doch warum sich mit schlechter Publicity zufrieden geben, wenn man auf so leichte Weise an Goodwill gelangen kann? Findet doch einfach heraus, was gebraucht und gewünscht wird – und bietet es an. Das beendet den Zugzwang und öffnet die Herzen und Portemonnaies der Spieler.

Zum Glück hat sich Nintendo offiziell für eine Präsentation während der E3 2021 angemeldet. Das ist ein gutes Zeichen, dass sie zumindest etwas vorzuweisen haben, was ein möglichst großes Publikum erreichen soll. Ob es das lang vermutete verbesserte Switch-Modell wird oder vielleicht Gameplay-Szenen zu Metroid Prime 4 oder BOTW 2 – oder ob sie wieder versuchen, so einen absoluten Fehlschlag wie Wii Music als das nächste große Ding zu präsentieren – wird sich zeigen. Liebes Nintendo: seht den Zugzwang als Chance an. Hört auf die Spieler und vermasselt es diesmal nicht.

Das trifft natürlich nicht alles nur auf Nintendo zu und ich persönlich halte Nintendo auch weiterhin für ein vernünftiges Unternehmen, doch wird auch meine Geduld mit manchen dieser Aktionen auf die Probe gestellt.
Wie steht ihr zu dem Thema? Worüber seid ihr bei Nintendo aktuell enttäuscht, worauf würdet ihr euch freuen, wenn sie es einfach mal umsetzen würden? Oder seid ihr komplett mit Nintendos Verfahrensweise zufrieden?
Schreibt es in die Kommentare.

Über Roger Hogh 667 Artikel
Baujahr 1987, begann bereits als Zwerg mit einem Sega Master System II zu zocken, der einzigen Nicht-Nintendo-Konsole, die er je besessen hat. Begeisterter Fan von guten Metroidvanias und The Legend of Zelda. Überwiegend Einzelspieler, aber man findet ihn gerne mal bei einer Runde Smash Bros, natürlich als Link.

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