Diablo II Resurrected – Warum die Hölle auf mich warten muss

Das bild zeigt Marius aus dem Intro von Diablo II Resurrected

Gut gelaunt beobachte ich, wie sich der Downloadbalken Pixel für Pixel dem unvermeidlichen Ende nähert. In wenigen Augenblicken ist es soweit und ich kann mich endlich wieder in das Abenteuer stürzen, welches bereits so viele Stunden meines Lebens in Anspruch genommen hat. Diablo II Resurrected veranstaltete an diesem Wochenende eine offene Beta für PC, PlayStation und Xbox, das konnte ich mir doch nicht nehmen lassen. Das Licht ist abgedunkelt, die Tastatur leuchtet, der Sound ist aufgedreht und die Frau in ihr Zimmer verfrachtet worden.

Auf geht’s in die Hölle… bzw. soweit, wie man die Beta-Tester lässt.

Rückblende – ein paar Monate früher

Gut gelaunt beobachte ich, wie sich der Downloadbalken Pixel für Pixel dem unvermeidlichen Ende nähert. In wenigen Augenblicken ist es soweit und ich kann mich endlich wieder in das Abenteuer stürzen, welches bereits so viele Stunden meines Lebens in Anspruch genommen hat. Durch einen Zufall – mir fiel meine Collector’s Edition von Diablo III beinahe auf den Kopf – entdeckte ich in eben dieser, dass dort ein Schädel Diablos mit einem als Seelenstein getarnter USB-Stick drin war. Auf dem Stick befindet sich Diablo II samt der Lord of Destruction Erweiterung.

Das Licht ist abgedunkelt, die Tastatur abgewischt (damals hatte ich noch kein leuchtendes Exemplar) und der Sound aufgedreht. Die Frau hält von solchen Spielen nichts und hat sich freiweillig zurückgezogen.

Die ersten Minuten fühlen sich an, als wäre ich in der Zeit zurückgereist. Altbackene Grafik, die sich nicht über 800×600 steigern lässt. 2D-Charaktermodelle aus der Steinzeit. Eine gruselige Handhabung der einfachsten Dinge, die heutzutage selbstverständlich sind, wie beispielsweise der Umgang mit Tränken oder der Identifizierung von Gegenständen, dem Levelsystem an sich und überhaupt habe ich es gerade einmal zwei Stunden ausgehalten, bis mir die Augen und mein Herz bluteten.

Diablo II sollte wohl begraben bleiben, dachte ich mir und deinstallierte es wieder, durchstieß Diablos Schädel wieder mit dem Seelenstein und stellte die Collector’s Edition an einen Platz, der weniger gefährlich für mein körperliches Wohl ist.

Zurück zur Gegenwart – Diablo II Resurrected Beta-Test

Diablo II Resurrected sieht wesentlich besser aus als das Original. Da der ursprüngliche Titel parallel mitläuft könnt ihr jederzeit mit einem Tastendruck zwischen alter und neuer Version wechseln. Das macht man genau einmal und streicht diese nutzlose Information aus seinem Gedächtnis, während man gleichzeitig nach all den vernünftigen Builds in der Erinnerungskammer kramt, die nach mittlerweile 21 Jahren ordentlich verschütt gegangen sind.

Wer einen guten Überblick darüber erhalten möchte, welche kleinen Veränderungen und Verbesserungen Blizzard vorgenommen hat, dem empfehle ich diesen Artikel und dieses Video.

Zu meiner eigenen Überraschung musste ich jedoch schon nach kurzer Zeit im Beta-Test eine erschreckende Feststellung machen:

Diablo II Resurrected ist ja schön und gut, aber es ist immer noch Diablo II. Und das sollte einfach weiterhin begraben bleiben. Genau so wenig, wie man seinen verstorbenen Großvater ausbuddelt, um ihn noch einmal in den Arm zu nehmen, sollte man seine Erinnerung an diesen Klassiker schänden. Das Spiel hat vor 20 Jahren Spaß gemacht, lasst es jetzt bitte in Frieden ruhen.

Versteht mich nicht falsch. Es gibt eine jüngere Generation, die nie in den Genuss des Originals gekommen ist. Denen gönne ich jede der unzähligen Minuten, die sie mit dem Titel verbringen werden, sofern sie sich an das unglaublich lahme Gameplay gewöhnen können. Für uns war das damals das höchste der Gefühl. Wir hatten doch nichts Besseres!

Aber das ist viele Mondzyklen her. Es gibt inzwischen wesentlich bessere Hack ‘n Slay-Titel, die eine Menge Spaß machen und die grundlegende Formel des Urgesteins Diablo und dessen Nachfolger konsequent positiv weiterentwickelt haben.

Der Himmel steh’ uns allen bei

Das Bild zeigt die Zauberin aus Diablo II Resurrected
Irgendwo am anderen Ende der Ebene, einen Tagesmarsch entfernt, in einer dunklen Ecke versteckt, steht ein Schamane und belebt gleich das ganze Dorf wieder. Ihr kennt das…

Diablo II ist an sich ein kaputtes Spiel voller Exploits, veralteter Mechaniken, Bugs und sonstiger Problemchen. Das hat sich mit Diablo II Resurrected nicht geändert, denn es im Endeffekt eine aufwändige Übermalung des Originals. Das ist, als würde ich eine abgelaufene Tafel Schokolade mit bunten Streuseln bestreuen, neu verpacken und wieder ins Regal stellen für den nächsten Käufer. Sie sieht zwar hübsch aus, schmeckt aber immer noch ranzig. Kürzlich stieß ich auch auf den Vergleich, dass Diablo II ein “als Videospiel getarnter Glücksspielautomat” sei und dem kann ich ebenfalls zustimmen. Bestimmte einzigartige Gegenstände werden einem quasi kistenweise hinterhergeworfen, während andere tatsächlich einzigartig sind. Dass das Spiel während der Beta außerdem so stark laggte, als würde ein Entwickler nach jedem Schlag erst einmal den Schaden auswürfeln müssen, bevor der Gegner getroffen wird, macht es nicht besser.

Doch selbst, wenn man darüber hinwegschauen kann und das Spiel, egal in welcher Version, mal wieder gerne zocken möchte, gibt es für mich noch einen anderen Grund, über den ich einfach nicht hinwegsehen kann: das aktuelle Drama um Activision Blizzard.

Viele von euch werden sicher davon gelesen oder gehört haben. Es ging durch sämtliche Medien, dass der Staat Kalifornien den Konzern wegen Diskriminierung, sexueller Belästigung und diverser anderer unangenehmer Dinge verklagt hat. Ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter meldeten sich zu Wort über die chauvinistischen, ekelerregenden Praktiken und den grässlichen Umgangston im Unternehmen, speziell von der Führungsriege her. Frauen würden wie Abschaum behandelt, hätten kaum Aufstiegschancen, eine Frau hat sich offenbar das Leben genommen. Die Liste ist lang und hässlich. Ich kann da nicht einfach drüber hinwegsehen.

Den Teufel austreiben

Das ist bei weitem kein Einzelfall oder ein Problem, welches nur bei Activision Blizzard herrschen würde. Vor einem Jahr ging ein ähnlicher Aufschrei über Ubisoft durch die Medien und über EA ist dies vermutlich einfach nur noch nicht bekannt geworden, aber die haben auch so schon keinen guten Ruf mehr. Ich muss dieses Verhalten jedoch auch nicht länger dulden, indem ich diesen Kreaturen mein Geld in den Rachen werfe.

Es tut mir um all jene Mitarbeiter Leid, die einen guten, ehrlichen Job machen und dort einfach nur ihr Spiel produzieren wollen. Viele schweigen aus Angst um ihren Job. Viele schweigen auch wegen ihres schlechten Gewissens, weil sie diese Schandtaten lange Zeit beobachtet und nichts dagegen unternommen haben. Ich möchte nicht in deren Haut stecken. Ich möchte aber auch, dass die richtigen Schuldigen gefunden und ihre Köpfe auf Pfähle vor dem Studio platziert werden. Das wird ein langer und hässlicher Kampf, denn die Täter haben meist viel Geld und gleichermaßen fähige wie widerliche Anwälte auf ihrer Seite, die aus Geld geltendes Recht machen können.

Bis zu diesem Problem ein positives, abschließendes Urteil gefällt wird und man von Blizzard wieder zufriedenstellende News hört, halte ich mich jedenfalls von diesem Unternehmen fern. Fällt mir glücklicherweise nicht schwer. WoW, Starcraft, Hearthstone und Overwatch interessieren mich nicht. Diablo III ist ausgelutscht und die Chancen stehen gut, dass es wieder bergauf geht, bis Diablo IV veröffentlicht wird. Und wenn nicht, ist das auch kein Verlust für mich.

Ich halte einfach das gute alte Original in Ehren, wie ich es in meiner Erinnerung habe. Da hatte ich noch Spaß bei.

Wie findet ihr Diablo II Resurrected? Habt ihr die Beta ebenfalls angespielt? Freut ihr euch auf den Titel? Und wie denkt ihr über die aktuellen Ereignisse rund um Activision Blizzard? Schreibt uns eure Meinung in die Kommentare.

Über Roger Hogh 731 Artikel
Baujahr 1987, begann bereits als Zwerg mit einem Sega Master System II zu zocken, der einzigen Nicht-Nintendo-Konsole, die er je besessen hat. Begeisterter Fan von guten Metroidvanias und The Legend of Zelda. Überwiegend Einzelspieler, aber man findet ihn gerne mal bei einer Runde Smash Bros, natürlich als Link.

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