Hades – Es gibt kein Entkommen!

Hades ist der Gott der Unterwelt in der griechischen Mythologie. Er bewacht den gleichnamigen Ort und lässt niemals jemanden daraus entkommen. Zu blöd, dass er einen äußerst aufmüpfigen Sohn hat, der aus genau dieser Hölle abhauen möchte. Doch merkt euch eines: Es gibt kein Entkommen! Wer einmal mit Hades anfängt, wird sich nie wieder davon lösen können. Warum, erfahrt ihr in diesem Test!

Die Story von Hades

Hades und sein Sohn Zagreus, den ihr in diesem Spiel steuert, kommen nicht unbedingt gut miteinander aus. Der Vater hat alle Hände voll zu tun, die hereinströmenden Massen an Toten in ihre jeweilige Ebene der Unterwelt zu verfrachten, während Zagreus auf Arbeit und sowas keinen Bock hat. Also tut er, was viele Jugendliche im rebellischen Alter zumindest einmal in Erwägung ziehen – er haut ab. Er will an die Oberwelt und als Gott will er vor allem seine Verwandten auf dem Olymp kennen lernen.

Die Geschichte wird immer zwischen den einzelnen Fluchtversuchen durch kurze Dialoge mit den einzelnen NPCs weiter gesponnen. Relativ schnell findet Zagreus ausgerechnet durch den eloquenten Erzähler, den er ebenfalls hören kann, heraus, dass Nyx, die Inkarnation der Nacht, überhaupt nicht seine richtige Mutter ist. Diese heißt Persephone und ist offenbar aus der Unterwelt abgehauen, weil Zagreus die Geburt nicht überlebt hat. Warum er dennoch lebt und all diese kleinen, feinen Beziehungen untereinander erfahrt Ihr im Laufe der Zeit. Und Zeit sollte man mit sich bringen. Denn soviel sei gesagt: Natürlich versucht Zagreus nun, seine leibliche Mutter zu finden. Das wahre Ende erlebt ihr allerdings erst, wenn ihr es zehnmal geschafft habt, aus der Unterwelt zu entkommen. Doch wie eingangs schon erwähnt: Ihr, die ihr hier eintretet, lasset alle Hoffnung fahren! Es gibt kein Entkommen!

Beziehungen, Beziehungen, Beziehungen

Mal von der Hauptgeschichte abgesehen, gibt es noch einige tolle Geschichten in diesem fabelhaften Spiel. Nach jedem unfreiwilligen Ableben kehrt ihr über den Fluss Styx wieder im Haus des Hades ein. Dieser sitzt meistens griesgrämig auf seinem Thron und brütet über einem Stapel Akten. Allein dieser Anblick ist herrlich, doch seine schnippischen väterlichen Kommentare über die jämmerlichen Versuche seines aufmüpfigen Sohnes sind göttlich. Neben ihm wacht Kerberos, der dreiköpfige Schoßhund, welcher üblicherweise den letzten Ausgang aus der Unterwelt bewacht, sofern nötig.

Das Bild zeigt Hades auf seinem Thron, während Kerberos daneben sitzt und schläft
Alleine dafür, dass man Kerberos streicheln kann, gibt es Extrapunkte!

Euer Kampflehrer ist niemand geringeres als Achilles, ebenfalls ein bekannter Held aus der griechischen Mythologie. Ihr trefft ohnehin auf allerhand bekannte Namen, mit denen ihr interagieren und Freundschaften schließen könnt, wenn ihr ihnen ein Fläschchen Nektar oder Ambrosia reicht. Im Austausch erhaltet ihr von jedem ein Andenken, welches euch einen permanenten Buff gibt. Von manchen erhaltet ihr außerdem einen Begleiter, wenn ihr die Freundschaft auf ein außerordentliches Level steigert (hierfür wird das Ambrosia benötigt). Dazu später mehr.

Das Bild zeigt die Andenkensammlung des Spiels "Hades"
Ihr seht, mir fehlen immer noch zwei Begleiter

Wer sich mit den Geschichten der Götter und Helden auskennt, wird erkennen, wie gut sich SuperGiant Games daran orientiert haben, ohne jedoch ihre Kreativität einzubüßen. Als Beispiel nehmen wir hier Orpheus und Eurydike. Er ist ein bekannter Sänger und Musiker, sie war seine Muse. Als sie starb, folgte er ihr in die Unterwelt und bat Hades darum, sie beide wieder ziehen zu lassen. Da man beide an unterschiedlichen Orten im Spiel anfindet weiß man, dass das nicht so ganz nach Plan verlief. Orpheus sitzt im Haus des Hades als Hofmusikant – und singt nicht, weil er seine Muse verloren und somit keinerlei Motivation mehr hat. Eurydike hat es sich im Asphodeliengrund gemütlich gemacht und ist äußerst schlecht auf Orpheus und seinen missglückten Rettungsversuch zu sprechen.

Die ganzen kleinen Dialoge ziehen total in den Bann und machen alle Charaktere dort liebenswürdig und lebendig. So auch das Hausmädchen (engl. Maid) Dusa, welches lediglich der fliegende Kopf einer Gorgone ist. Sie ist liebenswürdig, eifrig und hält alles in Schuss – und ist offenbar in Zagreus verliebt. Mal vom Wortspiel abgesehen, gibt es kaum einen knuffigeren Charakter.

Doch genug geschwafelt, wie spielt sich Hades denn nun?

Das Gameplay

Hades ist ein Roguelike (genauer gesagt Roguelite, aber wir wollen nicht pingelig sein) Dungeon-Crawler in einer isometrischen Perspektive. Ihr habt einen Übungsraum, in dem eure Waffen und eure Andenken aufbewahrt sind. In der Mitte steht Skelly, ein Skelett, welches irgendwann plötzlich auftauchte und von euch verprügelt werden will, weil es sein Job ist. Auch mit ihm kann man sich anfreunden und später einen ziemlich guten Begleiter erhalten. Habt ihr genug geübt, springt ihr aus dem Fenster und landet vor den Toren des Hauses. Nun führt euch euer Weg durch insgesamt vier Ebenen, an dessen Ende jeweils ein Bosskampf auf euch wartet. In den ersten drei Ebenen könnt ihr außerdem auf einen Raum mit einem NPC treffen, zu erkennen an einem Ausrufezeichen über dem Eingang. Nutzt die Möglichkeit, da diese euch immer etwas kostenloses anbieten, was euch weiterhelfen kann – mal von interessanter Konversation abgesehen.

Tartaros

Stachelfallen, Fallgruben, Gefäße voller Gold für Ausbruchversuche – typisch Tartaros eben!

Tartaros ist laut Mythologie der Ort, an dem die schlimmsten der Seelen verbannt werden, um ihr Dasein in ewigen Qualen zu fristen. Es sieht einem „Dungeon“, also einem Kerker, noch am ähnlichsten, ist allerdings mit Abstand die leichteste Ebene. Hier könnt ihr euch warmlaufen und den Umgang mit eurer Waffe üben, euch ein paar frühe Boni holen etc. Außerdem trefft ihr hier hin und wieder Sisyphus und Steinchen. Dieser kann euch Nahrung, Finsternis oder Gold geben.

Asphodeliengrund

In diesem Bild seht ihr die lavaüberfluteten Asphodeliengründe des Hades
Asphodel ist voller Lava und riesiger Ebenen, auf denen ihr viele Gegner besiegen müsst

Der Asphodeliengrund ist am ehesten das, was wir als Hölle kennen. Dieser Ort ist voller Flammen, Lava und generell ein sehr heißes Pflaster. Hier könnt ihr hin und wieder Eurydike antreffen, welche ein paar echt ordentliche Boni für euren Fluchtversuch hat.

Elysion

Lasst euch von der entspannten Atmosphäre nicht täuschen – die Gegner sind echt knackig!

Hier geht es den Seelen eigentlich noch am besten. Dies wäre am ehesten mit einem Paradies vergleichbar, mal davon abgesehen, dass man tot ist und somit kaum einen Grund zum Feiern hat. In Elysion trefft ihr auf Patroklos, welcher euch wirklich, wirklich GUTE Items geben kann, die ihr dringend benötigen werdet, wenn ihr eine Chance haben wollt.

Der Tempel des Styx

Das Bild zeigt die unterschiedlichen Gänge im Tempel des Styx, wenn ihr dem Hades entkommen wollt
Die Wahl des Ganges sollte wohlüberlegt sein

Fast geschafft. Ihr seid quasi schon an der Oberfläche. Vor euch warten ein paar letzte Aufgaben, aber der große Unterschied zu den Vorgängern ist, dass es hier keine vorgegebene Anzahl an Räumen gibt und die Gegner lebendig sind – und ziemlich giftig. Ihr habt fünf Gänge, aus denen ihr wählen könnt. Hinter einem davon findet ihr einen Item, welches ihr benötigt, um den Tempel zu verlassen. Es ist nie der erste Gang, aber ansonsten könnt ihr Glück haben und gleich beim zweiten Gang das Item finden. Jeder dieser Gänge ist in mehrere kurze und enge Kammern unterteilt, die euer ganzes Können fordern.

Apropos euer ganzes Können…

Die Bosse

Es gibt kein Entkommen! Bisher habe ich diesen Satz 47 Mal zu lesen bekommen. Zehnmal habe ich es tatsächlich geschafft (inzwischen elfmal) – aber das Spiel muss ja weitergehen, weshalb man ja doch irgendwie wieder zurück kehrt. Warum und wie erfahrt ihr im Spiel. Worauf ich hinaus möchte ist, dass ich in fast all diesen Fällen an einem der Bosse gescheitert bin. Diese haben es echt in sich. Da es auch mit jeder Ebene generell etwas schwieriger wird, müsst ihr überhaupt erst einmal zum nächsten Boss gelangen. Habt ihr die Angriffsmuster erst einmal drauf, geht es natürlich, aber bis dahin vergehen schon einige Versuche.

Zum Vergleich – mein erster vollständiger Run war Versuch #30. Dann habe ich erst einmal wieder zehn Versuche in den Sand gesetzt, hauptsächlich am dritten und am letzten Boss.

Wer sich so einen Lauf (leider am letzten Boss hängengeblieben) mal anschauen möchte, folgt bitte diesem Link hier direkt in die Hölle namens Youtube.

Währungen

Die verschiedenen Ebenen des Hades sind in einzelne Kammern unterteilt, welche sich mit jedem Fluchtversuch neu anordnen. Dies ist einer der Schutzmechanismen, welche das Entkommen verhindern soll. Jede Kammer beherbergt ein paar Wellen an Gegnern, die es zu bekämpfen gilt. Die Räume sind zusätzlich voller Fallen, die euch zu schaffen machen, aber auch gegen die Schatten verwendet werden können. Habt ihr einen Raum abgeschlossen, erhaltet ihr eine Belohnung. Welche das ist, könnt ihr immer am Symbol über dem Eingang zum nächsten Raum sehen. Oftmals habt ihr gleich mehrere Ausgänge, sodass ihr zwischen verschiedenen Belohnungen wählen und so etwas strategischer vorgehen könnt.

Geld oder Leben?

Hin und wieder trefft ihr auf eine Kammer mit einem Geldsack als Symbol. Dort trefft ihr auf den Charon, den Fährmann, welche die Toten üblicherweise über den Fluss Styx geleitet. Dieser hat sich mit den Opfergaben der Toten ein lukratives Nebengeschäft aufgebaut. Sämtliche Obolusse (Goldmünzen, die üblicherweise den Toten unter die Zunge gelegt werden, um den Fährmann zu bezahlen), die ihr während eines Fluchtversuches findet, könnt ihr bei Charon gegen seine Waren tauschen. Manchmal stoßt ihr in einer Kammer auch auf einen Brunnen des Charon, bei dem ihr ebenfalls nützliche Items kaufen könnt, die euch für die nächsten paar Scharmützel passive Boni geben. Sterbt ihr, verliert ihr all euer Gold wieder.

Das Bild zeigt euch Charons Shop, bei dem ihr im Hades einkaufen könnt
Man beachte, dass Junk-Food hier als Heilmittel dient, herrlich!

Zusätzlich zu Obolussen, findet ihr Kammern mit Finsternis und Edelsteinen. Finsternis hilft euch, vor dem nächsten Fluchtversuch passive Boni aufzuwerten, die dauerhaft bestehen bleiben. Edelsteine könnt ihr also Währung dem Baumeister übergeben, welcher damit das Haus nach euren Wünschen verschönert Dann gibt es noch Cthonische Schlüssel, welche weitere passive Fähigkeiten freischalten, die ihr dann mit euer Finsternis aufwerten könnt.

Gaben

Die griechischen Götter sind schon ein seltsamer Haufen. Kaum, dass ihnen jemand gesteckt hat, dass Hades einen Sohn hat, nämlich euch, wollen sie euch unbedingt dabei helfen an die Oberwelt zu gelangen. Dies passiert in Form von Gaben. Jeder Gott hat einen ganzen Haufen Fähigkeiten anzubieten. Ihr könnt pro gefundener Gabe aus drei Fähigkeiten eine auswählen, welcher euch dann einen ordentlichen Buff für den aktuellen Lauf gibt. Dies ist der Kernaspekt des ganzen Kampfsystems, da ihr damit eure Builds zusammenstellt. Warum das nur wenig mit Glück zu tun hat, erkläre ich weiter unten.

Jeder Gott hat natürlich Gaben, die zu ihm passen. So werden eure Fertigkeiten dank Zeus natürlich mit Blitzschaden ausgestattet, während Dionysus ordentlich Giftschaden mit sich bringt. Hermes beschleunigt eure Aktionen und Artemis, die Göttin der Jagd, verleiht Krit-Chancen.

Demeter verleiht euren Angriffen Frösteln, also Verlangsamung

Dies sind nur ein paar Beispiele, ich will euch ja nicht alles verraten. Wichtig ist, dass ihr in jedem Run aus all diesen Gaben euer Set zusammenbastelt und damit versucht, bis zum Ende zu gelangen. Da es kein Entkommen gibt, scheitert ihr natürlich letztendlich daran.

Eine zusätzliche Erwähnung bedarf Daedalus Hammer. Davon findet ihr seltener welche, diese haben jedoch spezifische Modifikationen für eure jeweilige Waffe, die es echt in sich haben können.

Waffen

Das Bild zeigt die Waffenkammer in Hades
Links ist der Schrank mit euren Andenken, gefolgt von den Waffen. Skelly wartet bereits auf seine Tracht Prügel!

Vor jedem Versuch, den Hades zu durchqueren, könnt ihr aus einer von sechs Waffen wählen. Da wäre das „Stygius“ – das stygische Schwert, „Varatha“ – der ewige Speer, „Aegis“ – dar Schild des Chaos, „Coronacht“ – der Herzsucherbogen, „Malphon“ – die Zwillingsfäuste und „Exagryph“ – das Adamantium-Geschoss.

Anfangs besitzt ihr nur das Schwert, könnt die anderen jedoch mit genügend Schlüsseln freischalten. Damit ihr nicht immer nur die gleiche Waffe verwendet, was ihr durchaus tun könnt, werdet ihr vom Spiel zur Abwechslung ermuntert, indem jeweils eine der Waffen euch für den nächsten Versuch 20% mehr Finsternis einsammeln lässt.

Im Verlauf des Spiels werdet ihr für jede der Waffen drei weitere Aspekte freischalten können. Für diese benötigt ihr Titanenblut, welches ihr nur unter ganz bestimmten Umständen erhaltet. Erledigt ihr mit dieser Waffe zum ersten Mal den ersten, sowie den letzten Boss, lassen diese jeweils einen Tropfen Titanenblut fallen. Für jeden Aspekt, den ihr freischalten wollt, benötigt ihr mehrere Tropfen Blut – sowie eine ganze Menge mehr, wenn ihr die Aspekte auf Stufe fünf aufleveln wollt. Doch woher nehmen?

Ihr könnt später im Haus des Hades Ambrosia – welches quasi genauso selten ist – gegen Titanenblut eintauschen, oder aber…

Der Strafpakt

Nehmen wir mal an, man könnte tatsächlich entkommen. Nicht, dass das wirklich möglich wäre, aber machen wir ein Gedankenexperiment. Ihr schafft es, dem Hades zu entfliehen. Wie könnte man euch versuchen, das nächste Mal wirklich daran zu hindern?

Mit einem Strafpakt! Doch wir wollen ja fair bleiben. Ihr habt es tatsächlich geschafft, mit einer Waffe zu entkommen und könnt mit dieser nun kein Titanenblut, kein Ambrosia und keine Diamanten mehr einsammeln. Doch über dem Fenster, über das ihr immer wieder loszieht, hängt eine Liste mit Punkten, die euch eure Flucht gehörig erschweren sollen. Für jeden dieser Punkte, den ihr markiert, erhöht ihr die Hitze. Mit jeder neuen Hitze, habt ihr wieder die Chance, mit dieser Waffe an die obigen Items zu gelangen. Immer, wenn ihr mit der Waffe einen Run gemeistert habt, könnt ihr einfach den Hitzezähler erhöhen – also das Spiel schwieriger machen – und wieder neue Boni absahnen. Nur, dass es ja leider kein Entkommen gibt! Aber die Idee ist schön.

Das Bild zeigt euch den Strafpakt von Hades

Spaß beiseite, ihr könnt euch das Spiel so verflucht schwer machen, wie ihr wollt. Das gab es auch in anderen Supergiant Games schon, so z.B. die Schreine in Bastion. Hier ist das System jedoch ordentlich ausgereift. Wer mag, kann die Hitze bis auf 58 hochschrauben. Der Weltrekord liegt aktuell bei 53 Hitze. Der Strafpakt enthält alles, was den Masochisten freut: Gegner halten mehr aus, machen mehr Schaden, oder sind einfach mehr; Bosse erhalten neue Fähigkeiten, ihr habt ein Zeitlimit, ihr nehmt mehr Schaden durch Fallen, heilt euch weniger etc. Zum Glück werdet ihr tatsächlich durch das Aufleveln der Waffen und durch eure Boni im Spiegel früher oder später stärker, sodass ihr auch größere Hitze aushalten könnt.

Falls ihr das Spiel im Höllenmodus starten wollt, startet ihr übrigens automatisch mit dem Strafpakt und fünf Hitze, die ihr nicht abschalten könnt. Das solltet ihr allerdings erst versuchen, wenn ihr wisst, was ihr tut.

Alles nur Glücksache?

Es gibt noch einige weitere Dinge, die ich euch erklären könnte, doch damit würde ich den Rahmen des Tests noch weiter sprengen, als ich es ohnehin schon tue. Einen Aspekt möchte ich jedoch hervorheben, welcher für mich auch ausschlaggebend ist, dass sich Hades in mein Herz gebrannt hat:

Glück ist fast nicht nötig!

So viele Vertreter dieses Genres motivieren mich nur mäßig, weil eine große Portion Glück mit dabei ist. Entweder man wird völlig mit so vielen Waffen, Fähigkeiten und Upgrades überschüttet, dass jeder Run vollständig zufällig abläuft, oder es gibt Gegner mit Immunität gegen fast alles, was ihr mit euch rumschleppt. Die Möglichkeiten, das Balancing zu versauen und damit die Motivation samt Spieler zu töten, sind zahlreich.

Hades schafft es, die goldene Mitte zu treffen. Es stehen einige Fähigkeiten und Waffen zur Auswahl, aber nicht so viele, dass es unübersichtlich wird. Da ihr nur wenige unterschiedliche Angriffsoptionen habt, die ihr jeweils mit einer Gabe buffen könnt, lässt sich im Voraus planen, wie ihr den Lauf durchgehen könnt. Es gibt Schicksalslose, mit denen ihr die Belohnung einer Kammer im Voraus ändern könnt und andere Möglichkeiten, auf die Götter eurer Wahl zu treffen. Das alles sieht zwar zufällig aus, lässt sich aber gut einschätzen. Ihr habt zu jeder Zeit das Gefühl, Kontrolle über euren Lauf zu haben. Gegner haben keine Immunitäten, sondern höchstens eine Rüstung, die zuerst durchbrochen werden muss. Somit wird man nicht benachteiligt, weil man die falsche Wahl getroffen hat. Man muss einfach länger draufknüppeln.

Auch die Gegneranzahl und -Mischung ist nie unfair. Egal, wie oft ihr sterbt, ihr habt nie das Gefühl, dass es am Spiel lag, sondern ihr könnt sehr leicht nachvollziehen, wo ihr Mist gebaut habt. Deswegen motiviert das Spiel so sehr, gleich noch eine Runde zu zocken. Dieser Zyklus fesselt, lässt nicht mehr los, man will noch eine weitere Hitze schaffen, nur noch einmal den Endboss besiegen, noch eine weitere Runde….

Den Todesbildschirm mit "Es gibt kein Entkommen" werdet ihr in Hades häufiger zu sehen bekommen, als euch lieb ist
ES. GIBT. KEIN. ENTKOMMEN!

Die Präsentation

Hades läuft absolut flüssig sowohl im Docked-Modus, als auch im Handheld. Lediglich bei wirklich vielen Partikeln gleichzeitig (es gibt da so ein paar Extra-Räume, die Bullet-Hell-Shooter nacheifern wollen), droppt die Framerate hin und wieder ein klitzekleines bisschen ab. Das fällt aber kaum auf und ist schnell wieder vorbei. Die Cel-Shading-Grafik ist typisch für Supergiant Games, genau wie die isometrische Perspektive und eigentlich alles andere auch. Es sieht top aus und spielt sich grandios. Das Indie-Studio hat sich mit gerade einmal vier Spielen wirklich einen Namen gemacht und eine sehr treue Fanbase herangezogen.

Alle Charaktere sind voll auf Englisch vertont. Ihr kommt locker auf mehrere Stunden an Dialog, wenn ihr alles durchhört. Die Sprecher geben sich sehr viel Mühe, Charakter einzuhauchen und das macht sich daran bemerkbar, wie sehr ich manche, wie Orpheus, ins Herz geschlossen habe. Zagreus mag einem zu Beginn etwas monoton wirken, aber auch das gibt ihm eine gewisse Persönlichkeit. Dieser wird übrigens von Darren Korb persönlich gesprochen, welcher wie immer für den grandiosen Soundtrack des Spiels verantwortlich war.

Über den Soundtrack könnte ich nochmal so viele Worte verlieren, doch ich fasse mich kurz. Darren Korb ist ein verdammtes Genie. Der Soundtrack ist chillig, rockig und zu guter Letzt einfach Metal direkt aus der Hölle! Es gibt ein paar Lieder von Orpheus, in denen Darren Korb seine eigene Stimme unter Beweis stellt – und er macht dem mythischen Barden alle Ehre! Die Boss-Tracks könnten geiler nicht sein! Ach, was laber ich, hört euch das Album einfach an:

Sogar vom offiziellen Supergiant-Kanal

Kurze Notiz am Rande für all jene, die sich schon mit Supergiant Games als Entwickler auseinander gesetzt und die Soundtracks für gut befunden haben. Ich habe hier eine tolle Neuigkeit, die vermutlich wenige von euch mitbekommen haben – ein Album mit Orchester-Versionen ausgewählter Stücke aller vier Supergiant-Spiele.

Mein Fazit zu Hades

Pros:

  • Eine packende Geschichte über die Götter der griechischen Mythologie
  • Liebenswerte Charaktere
  • Ein absolut fesselndes Gameplay
  • Viel Abwechslung und viel freischaltbares sorgen für konstant hohe Motivation „nur noch eine Runde“ zu spielen
  • Ihr könnt euch das Spiel so richtig schön schwer machen, ohne, dass es sich je unfair anfühlt
  • Der beste Soundtrack des Jahres!

Cons:

  • In ganz seltenen Fällen droppt kurz die Framerate

Ich habe wirklich versucht, so objektiv wie möglich an diesen Test heranzugehen. Und ich habe beim besten Willen keine weiteren Nachteile entdecken können. Es ist natürlich immer subjektiv. Manche mögen vielleicht mit der Musik oder der Grafik nichts anfangen können. Andere interessiert dieses Genre einfach nicht. Denen ist dann auch nicht mehr zu helfen. Alle anderen dürfen sich diesen Titel nicht entgehen lassen. Hades ist nicht nur so Nahe an Perfektion, wie es für dieses Genre möglich ist, sondern hat es sogar geschafft, Hollow Knight vom bisher unangefochtenen Thron meines Lieblingsspiels zu stoßen. Es läuft absolut rund, motiviert mehr als jeder andere Titel, den ich bisher gezockt habe und macht einfach alles in seinem Gebiet richtig. Ich hatte kaum geglaubt, nach Ori and the Will of the Wisps in diesem Jahr noch einen weiteren Top-Titel zu finden. Umso überraschter bin ich nun von meinem Spiel des Jahres.

Kauft es euch. Ihr wollt es. Ihr wisst, dass ihr es wollt. Schließt vorher alles ab, was euch lieb und teuer ist und betretet die Hölle. Und denkt immer daran: Es gibt kein Entkommen!

Über Roger Hogh 509 Artikel
Baujahr 1987, begann bereits als Zwerg mit einem Sega Master System II zu zocken, der einzigen Nicht-Nintendo-Konsole, die er je besessen hat. Begeisterter Fan von guten Metroidvanias und The Legend of Zelda. Überwiegend Einzelspieler, aber man findet ihn gerne mal bei einer Runde Smash Bros, natürlich als Link.

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