Captain Tsubasa – Rise of New Champions – Das Anime-Fußballspiel [Test]

Coole Superschüsse, Charaktere mit Tiefe, die zu echten Fußballstars werden wollen und spannende Fußballaction – dafür steht Captain Tsubasa. Ob Captain Tsubasa – Rise of New Champions das Gefühl vom Anime einfängt oder eine gnadenlose Grätsche kriegt, erfahrt ihr hier im Test.

Wohin führt uns die Reise?

Zu Beginn des Spiels werden wir in ein Spiel geworfen – Japan gegen England. Captain Tsubasa – Rise of New Champions orientiert sich da an der Stelle aus dem Anime, wo die U16 Weltmeisterschaft stattfindet. Hier lernen wir die Grundzüge des Spiels kennen und sehen schon die ersten Superschüsse. Im Falle von Kojiro Hyuga ist es der Tigerschuss und bei Tsubasa Ozora ist es der Top-Spin. Dazu lernen wir einen der wichtigsten Aspekte des Spiels kennen: Den Willen, erkennbar durch eine gelbe Leiste über dem Charakter. Nur wenn diese voll ist, verschwindet sie. Mit jeder Aktion, die wir ausführen, sei es Dribbling, schießen, sprinten, wird Wille aufgebraucht. Nur bei normalem Laufen wird dieser nicht verbraucht.

Zwei Halbzeiten und einen Dialog später sind wir im Hauptmenü. Beim Anblick des Menüs fällt aber auf – es ruckelt. Nicht viel, aber man merkt es. Schade eigentlich. Gott sei Dank lief aber das Testspiel flüssig. Im Menü „Die Reise“ haben wir die Wahl zwischen „Episode: Tsubasa“ oder „Episode: Neuer Held“. Episode: Tsubasa ist für Anfänger gedacht, die Captain Tsubasa – Rise of New Champions kennen lernen wollen und Episode: Neuer Held ist für Fortgeschrittene gedacht. Ich fing mit Tsubasa an.

Episode: Tsubasa

In Episode: Tsubasa spielen wir dem Anime nach, der an das Jugendturnier anknüpft. Wie im Anime spielen wir Nankatsu MS und wollen nach zwei erfolgreichen Siegen auch den dritten Titel nach Nankatsu holen. Was schnell auffällt: es wird viel geredet. Und dies wird nicht weniger. Durch das ganze Spiel ziehen sich lange Dialoge. Dank Autoplay werden die Dialoge automatisch abgespielt, dies kann wahlweise ein- oder ausschaltet werden. Auch zum Überspringen der Dialoge gibt es eine Option. Leider lässt sich die Sprachausgabe nur auf japanisch einstellen. Eine englische oder deutsche Version wäre schön gewesen.

Die Spiele fangen recht einfach an und werden mit der Zeit schwerer. Kurz vor den Spielen wird man gefragt, ob man ein Tutorial zu bestimmten Techniken spielen will. Für Anfänger ist das eine gute Möglichkeit, die Techniken kennen zu lernen. Inklusive aller Dialoge habe ich für die Episode rund vier Stunden gebraucht. Überspringt man sämtliche Dialoge, ist man schon nach gut einer Stunde durch.

Episode: Neuer Held

Die Episode: Neuer Held ist deutlich länger als die Episode mit Tsubasa und auch das Hauptaugenmerk des Spiels. Hier gibt es vieles, was sich von der anderen Episode unterscheidet.

Wählen wir diese Episode, müssen wir direkt entscheiden, an welche Schule wir gehen. Wählen können wir zwischen der Furano-Mittelschule – das Team von Matsuyama, der Musashi-Mittelschule – Team von Jun Misugi, oder der Toho Academy – Kapitän ist Kojiro Hyuga. Meine Wahl fiel auf die Toho Academy.

Das Bild zeigt einen kleinen Ausschnitt aus dem Charakter Editor
Der Editor ist schön umfangreich

Normalerweise sollte in Frankreich ein internationales Turnier stattfinden. Dies wurde aber abgesagt. Stattdessen findet die „Junior Youth World Challenge“ statt. Dafür muss eine japanische Fußball-Mannschaft aufgebaut werden. Deswegen findet vorher ein andere Liga statt, die „Neuer-Held-Liga“. Nicht grade ein einfallsreicher Name, der mir persönlich ein Dorn im Auge ist. In der „Neuer-Held-Liga“ spielen wir gegen viele namhafte Schulen wie z.b. Nankatsu, Furano oder Musashi. Da die Voraussetzung ist, zu gewinnen, ist der Verlauf recht linear. Freiheiten gibt es nur in der Charakterentwicklung, indem man bestimmte Statuswerte verbessert, neue Techniken durch das Freundschaftssystem erlernt, sowie in der Wahl der Dialogoptionen.

Nach der recht entspannten „Neuer-Held-Liga“, nimmt Captain Tsubasa sehr schnell an Fahrt auf. Es geht nach Amerika zur „Junior Youth World Challenge“, wo verschiedene Länder antreten. Hinter jeder Mannschaft, gegen die man antritt, verbirgt sich immer eine Geschichte. Bevor wir aber selbst loslegen dürfen, ist ein sehr langer Dialog fällig.

Das Erste von drei Testspielen, das gegen Amerika ist, dürfen wir selber gar nicht bestreiten, sondern findet komplett als Dialog statt. Ist zwar schön inszeniert, aber dennoch sehr nervig, weil der vorherige Dialog eh schon sehr langatmig war. Das zweite Testspiel findet gegen Deutschland statt. Dies dürfen wir ab der zweiten Halbzeit dann selber spielen. Heine, Kaltz und Karl-Heinz Schneider – der junge Kaiser persönlich – setzten Japan gut unter Druck, sodass ein Rückstand von 6 : 0 entstand. Ein Sieg ist nicht möglich. Das dritte Testspiel dürfen wir komplett spielen. Japan gegen Uruguay. Ab hier verläuft das Spiel wieder wie gewohnt. Es wird gegen verschiedene Länder gespielt, die immer stärker werden, bis zuletzt Japan die Meisterschaft gewinnt.

Dieses Bild zeigt wie Captain Tsubasa den Pokal in der Hand hält
Tsubasa hält den Siegerpokal der Junior Youth World Challenge in der Hand

Der Story-Modus, zumindest Episode: Neuer Held, hat einen hohen Wiederspielwert, da man neue Mannschaften freischalten kann, die später für den Dream-Team-Modus wichtig sein können. Hinzu kommt, dass man aus drei Schulen wählt, denen man sich anschließen kann. Die Story ist dadurch geringfügig anders.

Jedes Tor ist entscheidend

Auf dem Feld geht es rund. Wer Fifa erwartet, wird gnadenlos enttäuscht. Captain Tsubasa spielt sich ganz anders. Man kämpft sich mit guter Anime-Manier nach vorne. Effektvolle Dribblings und heiße Schüsse sind nur ein Teil. Mit jedem zweiten erfolgreichen ausdribbeln des Gegners gibt es eine schön inszenierte Bewegung zu sehen. Ganz wie im Anime.

Dieses Bild zeigt wie Hyuga mit Kraft Gegner austrickst
Hyuga ist bekannt für sein aggressives Spiel. Dies zeigt er auch in Captain Tsubasa

Die Werte steigen dadurch. So könnt ihr euren Schuss schneller aufladen oder schneller rennen. Das Dribbeln geht dabei recht einfach von der Hand, da es nur eine Taste ist. Da es verschiedene Dribbling- und Angriffstechniken gibt, kann man nicht allem ausweichen oder nur angreifen. Welche Technik welche schlägt, bekommt man mit der Zeit heraus. So hat jeder Spieler seine Schwächen.

Dribbelt man einen Kontrahenten aus oder klaut ihm erfolgreich den Ball, fliegen bei den meisten Angriffen die Spieler auf den Boden. Da kann es in engen Bereichen, besonders im Mittelfeld, schnell zu einem Massaker werden, wenn da vier oder fünf Spieler am Boden liegen. Trotz sehr hartem Tackling gibt es nie gelbe oder rote Karten. Zumindest habe ich nie eine bekommen. Egal wie hart ich ran ging, es war immer Ballspiel.

Dieses Bild zeigt wie 2 Spieler am Boden liegen. Kein seltener Anblick in Captain Tsubasa.
Ein normaler Anblick – zwei Spieler liegen am Boden

Das Interface ist dem von Fifa jedoch ähnlich. Unten in der Mitte wird das Spielfeld mit jedem Spieler angezeigt, oben links die Punkteanzeige und unten noch die Spieler und die jeweilige VR-Leiste.

Füllt man die VR-Leiste komplett, sind zwei spezielle Sachen aktivierbar. Entweder kann man alle Attribute des gesamten Teams für einen gewissen Zeitraum verstärken. Dies hält an, bis man den Balken verbraucht oder ein Tor geschossen hat. Oder man aktiviert die Spezialfähigkeit des Torwarts. Das ist besonders gut für Notfälle. Führt der Gegner einen Superschuss aus, kann man mit ZL die Spezialfähigkeit des Torwarts aktivieren. Dies verhindert immer ein Tor. Auch die Willensleiste geht nicht runter. Dafür leidet aber die ganze VR-Leiste.

Dieses Bild zeigt Wakabayashi wie er mit seiner Spezial einen Ball aufhält.
Wakabayashis Spezial hält jeden Ball

Charakterentwicklung in Captain Tsubasa

Während der Story dürfen wir bei den Gesprächen immer wieder auswählen, wie der Gesprächsverlauf sein soll.

Dieses Bild zeigt wie die Dialog Auswahl aussieht.
Die Dialog-Optionen sind zwar schön, aber Auswirkungen spürt man keine

Man bekommt leicht das Gefühl, dass man die Geschichte so ein wenig lenken kann. Allerdings spüre ich keinen großen Unterschied, denn eine Belohnung erhält man für keine der gewählten Pfade. Die Gespräche werden kurz angepasst, aber danach nimmt die Story ihren normalen Verlauf.

Ganz im Gegensatz dazu ist der Spieler-Aufbau viel entscheidender. Je nachdem, wie wir mit unserem Charakter gespielt haben, entwickelt sich dieser.

Dieses Bild zeigt die Bewertung des eigenen Spielers am Ende von einem Spiel.
Die Werte steigen nach jedem Spiel, je nachdem wie gut man ist

So wird unser Spieler immer fähiger. Anhand von Bonus-Fähigkeitspunkten können wir diese Werte zwischen den Spielen noch weiter steigern.

Auch die Fähigkeiten können wir individuell anpassen. Je nachdem welche wir bis zu dem Zeitpunkt erlernt haben. Ein Tigerschuss oder Top-Spin können wir zu Anfang noch nicht ausführen. Diese erlernen wir erst durch den entsprechenden Freundschaftsrang. Euren entwickelten Charakter dürft ihr am Ende der Story in den Online-Modus übertragen. Die Werte können dann nicht mehr gesteigert werden. Auch neue Techniken erlernen ist nicht mehr möglich. Ihr könnt lediglich die vorhandenen Techniken und Fähigkeiten ändern.

Captain Tsubasa: Das Freundschaftssystem

Vor jedem Spiel dürfen wir aus verschiedenen Gruppen eine uns beliebige Gruppe wählen.

Dieses Bild zeigt eine Möglichkeit von Gruppen für das Freundschaftssystem.
Entscheidet, mit welchen Charakteren ihr eine festere Freundschaft eingehen wollt

Die Anzahl der Gruppen variiert zwischen drei und sechs. Je besser wir im Spiel sind, umso mehr Freundschaftspunkte gibt es. Auch der Aufbau der Gruppen ist wichtig. Je mehr Charaktere darin miteinander harmonieren – gleiche Position, gleiches Team oder andere verschiedene Faktoren – erhöht sich das Kombo-Meter über dem Charakter. Erkennbar an dem Kombo 1.X. Je höher dieser ist, desto mehr Freundschaftspunkte gibt es am Ende des Spiels. Wie das alles genau funktioniert, war für mich leider nicht ersichtlich. Lediglich der Kombowert war für mich entscheidend.

Steigen die Charaktere im Rang auf, erlernt man neue Schüsse, Manöver oder Fähigkeiten. Dadurch werden die Charaktere komplett individualisiert und keiner ist wie der andere. Man sollte sich aber auf gewisse Charaktere spezialisieren. Alle in einem Durchlauf auf den höchsten Rang – den S Rang – zu bekommen, ist nicht möglich.

Erhöht ihr euren Rang zu einem anderen Spieler erhaltet ihr ein „Rangaufstiegs-Event“. Dort sieht man, wie sich das Verhältnis nun verbessert. Wo der Ton anfangs noch sehr rau ist, ist man auf dem S Rang schon fast beste Freunde.

Bau dir dein eigenes Team

Hat man den Story-Modus Episode: Neuer Held abgeschlossen, kann man im Bearbeitungsmodus sein eigenes Team erstellen. Man kann dies zwar schon vorher, aber erst durch den Story-Modus werden neue Mannschaften und Spieler freigeschaltet, die für ein Dream-Team notwendig sind. Hier kann man sich frei austoben und sein eigenes Lieblingsteam bauen. Vom Namen, über das Trikot bis hin zur kompletten Aufstellung bleiben keine Wünsche offen. Sechs Teams können gespeichert werden.

Neben den reinen Spielern kann man auch sein ganz eigenes Design entwerfen. Die Farbauswahl ist zwar groß, aber ich hätte mir dennoch eine reine RGB-Palette gewünscht. So hätte man jeden einzelnen Rot-Ton wählen können. Für Heimspiel und Auswärtsspiel kann man ein Trikot entwerfen. Auch der Torwart kriegt sein ganz eigenes Design, welches sich von den Spielern unterscheiden kann, aber nicht muss.

Das Wappen kann ebenfalls ganz individuell entworfen werden. Hier kann man sich richtig schön austoben.

Dieses Bild zeigt die Wappenerstellung
Soviel Auswahl und man kann noch mehr dazu kaufen

Man kann sich zwar mit den stärksten Spielern ein ultimatives Team bauen, nur wird dies nicht wirklich was bringen. Bei Spielen gegen Freunde oder außerhalb des Liga-Modus kann dies benutzt werden. Mit der Stärke jedes Spielers wird der Team-Wert berechnet. Baut man Tsubasa, Hyuga oder seinen eigenen Charakter aus dem Story-Modus ein, ist man schnell bei einer Stärke von 1.700 oder höher.

Hochkämpfen in der Online-Liga

Gibt es nichts mehr zu tun, kann man sich immer noch in der Online-Liga beweisen. Schnell wird einem aber mit einem selbstgebauten, super starken Team ein Dämpfer verpasst. In der Neulings-Liga wo jeder startet, ist ein Team-Wert von maximal 1.100 erlaubt. Mit dem Aufstieg in eine höhere Liga wird auch der maximale Team-Wert angehoben. Die Online-Liga ist in Saisons aufgeteilt. Noch habe ich nicht herausfinden können, ob man seinen Rang bei einer neuen Saison verliert. Die Motivation, sich nach oben zu kämpfen, ist aber vorhanden. Lags konnte ich bis dato keine feststellen.

Dieses Bild zeigt das Menü von der Online-Liga
In welcher Liga ihr seit, seht ihr sofort

Durch Online-Spiele kriegt man sogenannte Spielpunkte. Damit kann man im SP-Shop neue Designs für seinen Charakter (Haare, Brille, Schuhe etc.) oder die Mannschaft (Wappen-Rahmen, Trikot, Logo) kaufen. Auch sind verschiedene Pakete erwerbbar. Diese enthalten Trainings-Items oder Charakterprofile von bekannten Spielern. Die Trainings-Items können im Story-Modus für bestimmte Boni eingesetzt werden. Die Charakterprofile können in Stufen aufsteigen. Der Sinn dahinter erschließt sich mir aber nicht.

Fazit zu Captain Tsubasa: Rise of New Champions

Pros:

  • Lizensiertes Spiel mit allen bekannten Charakteren und Mannschaften
  • schöne Cell-Shading-Grafik
  • Klasse Soundtrack
  • Hoher Wiederspielwert
  • Lange Story
  • Sehr gute Dialoge
  • Sehr gutes Tutorial
  • Anime-Gefühl kommt auf
  • Spezial- und Superschüsse sind sehr gut in Szene gesetzt
  • Sehr viel zum Freischalten

Cons:

  • Sehr lange Dialoge im Story-Modus
  • KI wirkt stellenweise etwas dumm
  • Ladezeiten sehr lang (nicht selten über 30 Sekunden)
  • Das Passen funktioniert nicht immer so genau
  • Nur japanische Sprachausgabe
  • Spezial- und Superschüsse wirken öfters schwach
  • Im Menü & Dialogen niedrige FPS (nur Switch-Version)
Wir geben Windbound eine solide 8.0!

Captain Tsubasa – Rise of New Champions ist eine gelungene Adaption zum Anime. Das Willen-System bringt frischen Wind aufs Spielfeld. Es ist super, aber grenzt die Spieler auch ein. So kann nicht immer jede Aktion durchgeführt werden. Leider schwächelt das Willen-System beim Torwart, da man dessen Willen erst brechen muss, bevor man ein Tor erzielen kann. So bleibt das Gefühl von starken Superschüssen hin und wieder aus. Der Story-Modus ist gut ausgearbeitet, auch wenn hin und wieder zu viele Dialoge den Spielfluss stoppen. Der Mix zwischen Dialogen und Spiel ist unausgewogen. Man liest mehr als man spielt. Schade. Dafür ist jedoch der Online-Modus gut durchdacht. Erst durch hocharbeiten in der Liga kann man mit der Zeit immer stärkere Teams bauen.

Captain Tsubasa – Rise of New Champions ist seit dem 28. August 2020 erhältlich.

Über Mark Wenzlaff 72 Artikel
Im Jahre 1988 geboren. Aufgewachsen mit Mario, Yoshi & Zelda. Diese Liebe hält bis heute an. Neuester Liebling ist Ring Fit Adventure. Neben Nintendo spiele ich auch gerne mal World of Warcraft oder Trackmania.

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