The Witcher 3: Wild Hunt – Complete Edition [Kurztest]

The Witcher 3 ist ohne Zweifel die ambitionierteste und vermutlich kontroverseste Portierung, die man bis dato auf der Nintendo Switch finden kann. Für die einen ein Segen, ein Unding für andere. Egal wo man steht, erstmals wird die Möglichkeit geboten, diese riesige offene Welt nicht nur daheim sondern auch unterwegs zu erleben. Doch die Frage ist: Was blieb dabei auf der Strecke?

Wie bei allen Titeln der Reihe schlüpft ihr auch dieses mal in die Rolle des mutierten Monsterjägers Geralt von Riva. In diesem dritten Teil begebt ihr euch auf die Suche nach eurer ehemaligen Geliebten, der Zauberin Yennefer, und müsst schnell feststellen, dass ein aufflammender Krieg nicht das Einzige ist, was in dieser epischen Geschichte um Liebe, Verrat, Sex, Verlust und Intrigen für ausreichend Zündstoff sorgt.

Zurecht zählt The Witcher 3 zu den Spielen mit der reichsten und lebendigsten Story im Videospiel-Sektor. Wie es sich für ein Open World RPG gehört, kommen bei all dem weder actionreiche und schnelle Kämpfe, Leveln, Craften, das Erkunden noch unzählige Sidequests zu kurz.

Inhaltlich ist wie versprochen alles vorhanden. Neben dem kompletten Grundspiel sind sowohl die 16 DLCs als auch beide Erweiterungen vollständig auf der verwendeten 32 GB-Cartridge zu finden. Um einen obligatorischen Day-One Patch kommt man aber auch hier nicht vorbei. Zu Beginn kann man sich entscheiden, ob man das Spiel im Gesamten erleben will oder bei einer der Erweiterungen einsteigen möchte. Natürlich darf die Wahl der Schwierigkeit und umfangreicher Optionen dabei nicht fehlen.

Bei der Steuerung und dem Gameplay haben CD Projekt Red und Saber Interactive keine Abstriche hingenommen: Geralt lässt sich hervorragend und ohne Probleme kontrollieren. Veteranen finden sich schnell zurecht. Dies lässt sich unter anderem auch direkt auf die wirklich hervorragende Performance zurückführen.

So sieht The Witcher 3 im Handheld-Modus aus

Und diesen Punkt kann man gar nicht genug betonen – Das Hexerwerk läuft hervorragend. Ein Spiel, das die anderen Systeme so forderte, dass bei 30 FPS Schluss war, kann auf der Switch in Sachen Performance bei ebenfalls 30 FPS mithalten. Eine bemerkenswerte Leistung. Um den vereinzelten kleineren Stotterer, wenn zum Beispiel besonders viel passiert oder bei exzessivem Looten (viele Fenster schnell öffnen und schließen), kommt aber auch die Switch nicht vorbei. Beim Reisen oder Kämpfen ist jedoch nichts Nennenswertes aufgefallen und es läuft sehr solide. Selbst mit vielen Gegnern spielt sich The Witcher 3 überraschend stabil und sauber.

Um diese Stabilität zu erreichen, hat das Entwicklerstudio auch einige clevere Tricks verwendet und greift z.B. Auf Bitmap-Sprites mit einer geringen FPS zurück, die erst in der Nähe durch korrekte Modelle ausgetauscht werden.

Und dies bringt uns zu dem Elefanten im Raum: Was blieb nun auf der Strecke, was ist grafisch passiert und wie sieht es aus?

Kurz und knapp: Unscharf.

Da muss man gar nichts beschönigen. Es ist sowohl am TV als auch Handheld sichtlich unscharf. Es gibt oft Stellen, in denen man ein klares Bild hat, aber in der Regel wirkt alles doch recht weich. Und hier kann man sich fairerweise auch fragen, ob die vorab veröffentlichten Screenshots nicht etwas zu selektiv gewählt worden sind, denn diese stellen die übliche Spitze der Qualität und nicht den Durchschnitt dar (zum besseren Vergleich denkt an Doom oder Wolfenstein).

Die Kantenglättung macht eine relativ akzeptable Arbeit, sie hilft zwar, aber Kantenflimmern usw. ist dennoch an vielen Stellen vertreten und das Bild wirkt, wie üblich bei niedrigem AA, leider etwas unschärfer. Dies hat auch einen relativ großen Einfluss auf die Texturqualität, denn diese schwankt deutlich – von teilweise sehr schön, über absolut okay und brauchbar, bisschen platt oder verwaschen bis zu absolut unschönem Matsch.

Ein großes Manko ist die teilweise geringe Auflösung der Schatten und insbesondere in den häufigen und langen Dialogen sieht man leider einige davon. Saber Interactive hat nicht an Lichteffekten wie Light Shafts, Ambient Occlusion uvm. gespart, wenn auch mit einer geringeren Auflösung. So schön das ist – in Verbindung mit geringer Schattenqualität sorgt das für ein stellenweise etwas unsauberes und unruhiges Bild.

Elemente wie Gebäude, Bäume, Gräser und Büsche wurden in Qualität und einiges davon in Dichte reduziert, was im Detail zwar heraussticht, aber beim Reisen in der Welt etwas in den Hintergrund tritt. Physikeffekte wie Wind oder Regen wurden ebenfalls verringert und die Landschaft bewegt sich etwas weniger, teils gar nicht mehr im Wind. Gelegentliches Pop-In oder Fade-In von Objekten hält sich im Rahmen, kommt aber ebenfalls vor.

Hier bekommt ihr einen Eindruck vom Dock-Modus

Positiv sei hier das HUD sowie alle anderen grafischen Elemente wie Karte oder Schriften zu nennen, welche im Handheld schön klar und scharf sind. So manchem könnten Untertitel jedoch etwas zu klein ausfallen. Im Dockmodus hingegen erscheint die Schrift eine Nuance unscharf. Es ist nur minimal, aber nimmt doch etwas von der Klarheit und macht das Lesen manchmal etwas anstrengender, als es sein sollte.

Ist man kein grafikfokussierter Spieler, gewöhnt man sich aber gut an den weichen Look und so einige Effekte und Szenarien verlieren auch auf der Switch nicht ihren Flair.

So negativ das alles klingt, es ist noch immer das volle Witcher 3-Erlebnis für einen Handheld, sieht mitunter sogar klasse aus und kann mit einigen Wow-Momenten dennoch überzeugen. Allerdings sollte sich grafisch niemand was einreden, optisch kann die Switch-Version absolut nicht mit der Konkurrenz mithalten. Unscharf, weniger Details und mehr Bildstörungen wie Kantenflimmern sind eben der Preis, den man für Umfang und Performance bezahlt.

Beim Sound halten sich die Kritikpunkte stark im Rahmen. Die Welt und Stimmen klingen klar und deutlich und können, ebenso wie Bildschirmtexte, in Deutsch, Englisch oder Französisch genossen werden. Bei der schieren Menge an gesprochenen Dialogen, Soundeffekten und alledem in drei Sprachen, nicht unbedingt das, was manch einer anfangs erwartet hätte.

Einzig der ein oder andere Soundeffekt sticht unschön heraus, so ist z.B. das Knacken des Unterholzes in Wäldern deutlich platter und lauter als es sein sollte.

Etwas, das überrascht hat, war die Akkulaufzeit. Im Schnitt konnte im Handheld-Modus einer originalen Nintendo Switch eine Laufzeit von ca. 2:45 Stunden erreicht werden. Wie üblich kann dies durch Aktivieren des Flugmodus und Verringern von Lautstärke und Helligkeit positiv beeinflusst werden. Gemessen an der Komplexität kann sich dies wirklich sehen lassen und wird besonders auf der neuen HAC-001 (-01) Revision oder Switch Lite nochmal länger ausfallen.

Fazit

Pros

  • Grandiose Story
  • Tolle Performance
  • Gewaltiger Umfang

Cons

  • Geringe Auflösung
  • Kleinere Sound- und Grafik-Glitches

Wie zu erwarten war, muss man grafisch einige Abstriche hinnehmen, damit man ein Behemoth wie The Witcher 3: Wild Hunt auf der Nintendo Switch zum Laufen bekommt. Die Grafik kann natürlich nicht mit anderen Systemen mithalten und jeder, der etwas Anderes erwartete oder voraussetzte, hat nicht verstanden, was die Switch kann und was die Intention des Ports ist.

Das Bild ist meist etwas unscharf und mitunter etwas unruhig, aber selbst hier erlebt man den ein oder anderen Wow-Moment, den man so nicht erwartet hätte und in manchen Fällen so auf einem Handheld auch noch nicht gesehen hat. Denn aller Kritik zum Trotze, was CDPR und Saber Interactive hier abliefern, ist absolut beeindruckend und eine Ohrfeige an alle, die sagen, so etwas sei unmöglich.

Einer der anspruchsvollsten, umfangreichsten und meist gefeiertsten Titel dieser Generation auf einem Tablet so solide laufen zu lassen, ist schlicht und einfach eine Glanzleistung, die man anerkennen muss.

Das Hexer-Epos wird keine Medaille für das schönste Spiel gewinnen, nicht mal mit auf dem Podest stehen, aber wem es nur um Schönheit geht, spielt es ohnehin am PC in 4K, nicht auf einer Konsole und erst recht keinem Handheld. Wenn man sich darauf einlässt und das grandiose Gameplay und tolle Story von diesem düsteren Abenteuer genießt, gewöhnt man sich sehr schnell an die geringere Bildqualität und hat hier ebenso viel Spaß wie mit den „großen“ Versionen.

Wer die Reise von Geralt von Riva noch nie gespielt hat, beabsichtigt ausschließlich docked zu spielen, aber Zugang zu anderen Systemen hat, dem sei der Kauf auf einem anderen System nahegelegt. Außer den Entwickler zu unterstützen, habt ihr keinen Mehrwert davon (was CDPR und Saber Interactive fairerweise absolut verdient haben und Fans sicher genug ist).

Alle anderen, die keine anderen Systeme haben und/oder oft/nur Handheld spielen und abermals mit Geralt auf Reisen gehen wollen, wird es definitiv viele unterhaltsame Stunden in einer atemberaubenden Welt bereiten.

Was die Entwickler hier abliefern, ist ein ordentliches mobiles Erlebnis, das auf seine Weise Seinesgleichen sucht und sich trotz grafischer Einschnitte die Seele und den Charme des Originals bewahrt.

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Über Marcel Eidinger 162 Artikel
Marcel ist im Jahr 1986 geboren, dem Jahr, wo seine Lieblings-Spielereihe ihren Ursprung hat: The Legend of Zelda. Mit seinen nun mehr als 30 Jahren Lebens- und ca. 25 Jahren Nintendo-Erfahrung versucht er euch mit Liebe und Leidenschaft auf dem Laufenden zu halten!

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