Yoshi’s Crafted World [Test]

Zuerst kam die Gier. Als in der offiziellen Nintendo Direct zur E3 2017 ein neues Spiel um den treuen Begleiter von Dauerhelden Mario angekündigt wurde – damals noch unter dem schön eingänglichen Titel „Yoshi“ – bin ich fast vor Freude ausgeflippt. Entwickelt von Good-Feel sollte das Spiel eigentlich bereits Ende 2018 erscheinen. Hat zwar nicht so ganz hingehauen, offizieller Release war der 29. März 2019, aber dennoch war meine Vorfreude überwältigend groß. Ich muss schon zugeben, ich war ein kleiner Suchti von Yoshi‘s Island auf der SNES.

Die guten, alten Zeiten eben.

Mir hat ja besonders die süße Filzoptik der Yoshis gefallen, aber auch der ganze restliche Bastelstil hat mich direkt überzeugt. Ich musste an früher denken – an das Basteln von Schmetterlingen aus Kaffeefiltern und Klorollen oder an Kastanienmännchen.

Etwa einen Monat vor Release konnte man es dann vorbestellen, ich habe mich total gefreut und wollte es mir gleich holen. Doch der Preis war schon ein kleiner Schlag mitten ins Gesicht. Mit 59,99€ fand und finde ich es immer noch sehr teuer.

Daher habe ich dann doch gezögert es mir zu kaufen, habe erstmal die Demo durchgespielt und mich von ein paar YouTube-Videos erneut überzeugen lassen. Schlussendlich hat dann also doch die Gier etwa einen Monat nach Release gesiegt und endlich konnte ich es mein Eigen nennen.

Ein Yoshi, um sie alle zu retten…

Nach ihrem letzten Abenteuer in Yoshi‘s Wooly World haben sich die Yoshis, acht an der Zahl, ein ruhiges und bescheidenes Leben auf ihrer Insel aufgebaut. In ihrem Zentrum, am höchsten Punkt der Insel, thront die Traumsonne. Ein funkelndes, geheimnisumwobenes Juwel, dem die Macht, Träume zu erfüllen, nachgesagt wird.

Auch Baby Bowser hat davon gehört und will ihre Macht für sich alleine haben. Zusammen mit seinem Freund, dem altbekannten Magie-Kooper Kamek, macht er sich auf den Weg, um die Traumsonne zu stehlen.

Ein heftiger Kampf entbrennt, in dessen Verlauf alle Yoshis von ihrer sicheren Insel in einen dunklen Wald geschleudert werden und auch die Traumsonne ihre fünf Juwelen verliert. Diese verteilen sich über die ganze Welt.

Nun ist es an einem mutigen Yoshi (oder vielleicht auch zweien) alle Juwelen wieder zu finden, die Traumsonne glücklich zu machen und dabei schneller zu sein als Kamek und Baby Bowser.

Soviel mal zu Story. Ich finde sie in sich ganz schlüssig und auch ganz nett animiert. Im Verlauf des Spieles wird jedoch nicht mehr sehr viel darauf eingegangen. Was ich besonders cool fand, ist, dass der Bösewicht in dieser Geschichte zwar wie Bowser Junior aussieht, es sich, bis auf das fehlende Halstuch, aber tatsächlich um Baby Bowser handelt. Ein bisschen Retro-Feeling in Gedenken an Yoshi‘s Island.

Jetzt mal zum Spiel

Gleich beim Starten des Spieles wird man gefragt, ob man im normalen oder im entspannten Modus spielen will. Der entspannte Modus bietet den Vorteil, dass man länger in der Luft flattern kann und ist daher gerade für jüngere und ungeübtere Spieler gut geeignet. Für geübte Spieler oder Leute, die eine Herausforderung suchen, ist er allerdings nicht zu empfehlen, da das Spiel an sich nicht sonderlich schwierig ist.

Jede Welt besteht aus zwei bis drei Leveln, die nicht unbedingt einem zusammenhängenden Weltenthema folgen. Klarer Stilbruch von Nintendo im Verhältnis zu den Mario Jump-and-Run-Spielen. Jedes Level kann auf der Vorderseite und auf der Rückseite gespielt werden.

Dadurch ergeben sich für jedes Level zwei Ziele:

Auf der Vorderseite müssen – wie schon im aller ersten Yoshi-Game für die SNES – Grinseblumen gesammelt werden. Es handelt sich dabei immer um fünf bis neun Stück, die über das ganze Level verteilt mal mehr, mal weniger gut versteckt sind.

Auf der Rückseite des Levels trifft man drei kleine Schnuffelchen, die Kinder von Yoshi‘s treuem Gefährten Schnuffel. Diese entfliehen und verstecken sich überall im Level. Man muss sie suchen und das Level zudem noch in einer bestimmten Zeit abschließen, um alle Grinseblumen zu bekommen. Gerade in den hinteren Welten empfiehlt es sich, erstmal die Schnuffelchen zu suchen und dann das Level danach erneut zu spielen, um das Zeitlimit einhalten zu können.

Grinseblumen werden benötigt um in die nächste Welt zu kommen. Diese werden von jeweils einem übermüdeten Speicherbot bewacht, welcher die Grinseblumen braucht, um wieder fit zu werden. Zudem hat dieser nach dem ersten Abschluss der Welt noch jede Menge Bitten, für deren Erfüllung er Grinseblumen zahlt.

Bitte, bitte, bitte… Keine weiteren Bitten, bitte!

Die Bitten sind in meinen Augen das nervigste Element im ganzen Spiel. Manche Level muss man vier bis fünf Mal spielen, um alle geforderten Gegenstände zu finden. In manchen Welten nehmen die Bitten auch einfach kein Ende mehr. Es sind in meinen Augen einfach zu viele, es zieht das Spiel einfach nur in die Länge ohne einen Mehrwert zu bieten. Ein paar wären ja in Ordnung gewesen, aber es sind definitiv zu viele.

Jede Welt bietet zudem einen Automaten, der gegen eine gewisse Anzahl von Münzen die Möglichkeit bietet, Kostüme zu erwerben. Diese erinnern an Objekte und Gegner der jeweiligen Welt und bieten Yoshi Schutz.

Spielspaß auch zu zweit

Was ich wirklich toll fand, und was auch ein Hauptgrund für meinen Kauf war, ist der enthaltene Zweispieler-Modus. Meine Schwester und ich nutzen die Nintendo Switch gerne zusammen – ein Spaß für die ganze Familie eben.

Trotzdem muss ich sagen, dass wir den Zweispieler-Modus nicht gut fanden und uns auch ein paar Mal richtig in die Haare bekommen haben.

Natürlich hat dieser Modus seine Vorteile: Man ist bei Zeit-Challenges deutlich schneller und somit erhöht sich die Chance, es beim ersten Versuch zu schaffen. Zudem hat man, wenn man aufeinander reitet, unendlich viele Eier zu Verfügung und kann höhere Sprünge und stärkere Stampfattacken ausführen.

Dennoch überwiegen für mich leider die Nachteile.

Man behindert sich ständig gegenseitig, weil man das auf- und absteigen nicht immer kontrollieren kann oder sich versehentlich mit Eiern abwirft. Zudem ist die Kamera-Einstellung manchmal recht ungünstig, weil eben beide Spieler gut im Bild sein sollen, man landet allerdings schnell mal außerhalb des Screens, wenn der eine zu schnell ist. Zudem gibt es Level, die, zu zweit gespielt, deutlich schwerer sind.

Wir haben es nach zwei Leveln gleich wieder aufgegeben, sonst hätten wir uns vermutlich irgendwann doch noch gegenseitig umgebracht.

Fazit

Pros

  • Tolle Papp-Optik
  • Neue Levelideen und Spielsysteme
  • Viele Sammelobjekte und Herausforderungen
  • Yoshi-Individualisierung durch Kostüme

Cons

  • Nicht ausreichend durchdachter Zweispieler-Modus
  • Spiel wird durch Bitten unnötig in die Länge gezogen
  • Zu Einfach

Ich mochte das Spiel. Ab und an bin ich einfach nur so richtig ausgerastet, besonders wenn es um die Bitten ging, aber die meiste Zeit habe ich das Gameplay einfach sehr genossen. Ich mag die Grafik, dieser Papp-Look hat eine gewisse Leichtigkeit und Kindlichkeit, die ich einfach entspannend fand. Ich finde es sehr gelungen, dass das Level auf der Rückseite einen ganz anderen Flair bekommen hat, vor allem, weil die Entwickler darauf geachtet haben, dass die Grundbausteine dort deutlich zu erkennen sind.

In das Spiel wurden viele neue Ideen eingebracht, es sind eben nicht nur einfache Jump-and-Run-Level, sondern man hat den Vordergrund und den Hintergrund genutzt und teilweise wirklich geniale Level entwickelt, wie z.B. einen riesigen Roboter, der von Yoshi gesteuert wird oder auch einen Flugzeug-Shooter, in welchem man Gegner abschießen und Punkte sammeln muss.

Wovon ich allerdings wirklich enttäuscht bin ist der Schwierigkeitsgrad. Die Level an sich sind nicht wirklich schwierig, zudem ist es beinahe unmöglich zu sterben, was in meinen Augen auch die Halbzeitblumen unnötig macht. Klar bestätigen auch hier Ausnahmen die Regel. Die Herausforderungen bei den Endgegnern und auch manche Level sind schon anspruchsvoll, dennoch ist es mir alles in allem zu wenig.

Baby Bowser und Kamek sind zwar die Bösewichte in diesem Spiel, werden aber bei ihren Bemühungen eher lächerlich und manchmal auch schlichtweg dumm dargestellt, was sie nicht wirklich wie eine Bedrohung erscheinen lässt. Sie sind eher kleine Kinder und keine überzeugenden Feinde.

Der Zweispieler-Modus ist nicht ausreichend durchdacht und durch die vielen Bitten wird das Spiel, wenn man es zu 100% spielen möchte, unnötig in die Länge gezogen. Gerade Björn am Ende war zu viel für meine Nerven. Und auch das Geschenk, das man erhält, wenn man wirklich alle Grinseblumen im Spiel gesammelt hat, ist nicht wirklich belohnend, genauso wenig wie die Level der geheimen Welt.

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Über Caren Koch 17 Artikel
Geboren im Jahre 1997 bin ich wirklich froh darüber, mich noch ein echtes 90er-Unikat nennen zu können. Geboren und aufgewachsen bin ich im Saarland, wohne und arbeite auch immer noch hier. In meinem Job als chemisch technischer Assistent habe ich sehr viel mit Zahlen und Rechnen zu tun, das Zocken ist daher ein nette Abwechslung für mich. Meine erste Konsole war eine NES. Ich besitze auch heute noch eine und liebe sie abgöttisch. Neben der NES habe ich noch zwei Nintendo 3DS-Systeme und natürlich eine Nintendo Switch. Meistens Spiele ich Jump`n`Run und Strategiespiele, bin aber allem gegenüber offen. Was ich nicht so mag sind Horror- und Actionspiele, wobei es auch hier natürlich Ausnahmen gibt. Auf der Switch ist mein aktuelles Lieblingsspiel Monsters 2, wobei ich auch für eine Partie Overcooked 2 mit meiner Schwester immer zu haben bin.

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