Thea: The Awakening – Es ist nicht leicht, ein Gott zu sein [Test]

Heute ist es soweit!

Thea: The Awakening erscheint für die Nintendo Switch. Euch erwartet ein rundenbasiertes Strategiespiel der besonderen Art mit einem einzigartigen Kampfsystem.

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Worum geht es?

Ihr seid eine Gottheit. Die Welt ist der Finsternis verfallen und eure Aufgabe ist es, das letzte Dorf eurer Anhänger am Leben zu erhalten und zum Expandieren zu bringen.
Das klingt nach einem einfachen und überschaubaren Ziel.
Ganz so leicht gestaltet es sich aber nicht. Eure Ressourcen sind knapp, euer Volk arg begrenzt und zufällige Ereignisse machen euch das Leben (manchmal) schwer.
Solltet ihr lange genug überleben und expandieren, könnt ihr mehr über die Hintergründe erfahren, warum die Welt vor die Hunde ging, indem ihr mit dem Expeditionsteam die Questpunkte abarbeitet, die auf der Weltkarte auftauchen.

Wie geht es?

Soweit ich verstanden habe, ist sogar die Auswahl der Götter am Anfang zufällig.

Startet man ein neues Spiel, hat man die Auswahl zwischen zwei Göttern mit unterschiedlichen Fähigkeiten. Die restlichen Götter müssen erst freigespielt werden. Als nächstes wählt ihr aus, ob ihr den Fokus lieber auf Kampf, Handwerk oder Sammeln legt, was euren Dorfbewohnern unterschiedliche Boni bringt.
Dann legt ihr die Schwierigkeit fest. Entweder, indem ihr ganz oben die Schwierigkeit als solche verändert, oder indem ihr diverse Anpassungen über Feldgröße, Aggressivität, Realitätsgrad etc. vornehmt. Je schwieriger ihr das Spiel einstellt, desto größer wird der Punktemultiplikator, mit dem ihr am Ende den Gott auflevelt.

Soooo viele Möglichkeiten, sich das Leben schwer zu machen.

Daraufhin generiert sich eine zufällige Map. Ihr habt eine handvoll Bewohner im Dorf, sowie einen Trupp vor den Toren stehen, das Expeditionsteam, alle jeweils mit zufälligen Ressourcen ausgestattet. Ihr könnt in jeder Runde Aktionen in eurem Dorf durchführen und euer Team über die Map bewegen. Das Expeditionsteam erkundet die Weltkarte. Je nachdem, wie ihr euer Spiel spielen wollt, könnt ihr das Team zum Sammeln von Ressourcen oder dem Kampf gegen Monster einsetzen, Ruinen erkunden und zu guter Letzt die Hauptquest verfolgen.

Für erfolgreiche Kämpfe und abgeschlossene Ereignisse gibt es Forschungspunkte und Erfahrung. Habt ihr eine bestimmte Menge Forschungspunkte gesammelt, könnt ihr eine neue Ressource, ein neues Handwerk oder ein neues Gebäude freischalten. Ist eure Erfahrung voll, leveln eure Bewohner auf und erhalten zusätzliche Punkte in Stärke, Sammeln, Attraktivität, Kräuterkunde oder gefühlt 1000 anderen Werten.

Die Forschungspunkte könnt ihr in diesem Baum investieren, um neue Ressourcen, Handwerksmaterialien oder Gebäude zu erforschen.

Habt ihr ein Spiel abgeschlossen, entweder, weil alle gestorben sind, ihr die Hauptquest abgeschlossen habt oder ihr einfach das Spiel beendet, werden eure Punkte zusammengerechnet und euer Gott kann aufleveln.

Warum geht hier nichts?

Die Texte sind allesamt auf Englisch vertont und auf Deutsch schriftlich übersetzt – leider hakt diese ein wenig, speziell, wenn mitten im Absatz die Anrede von „Du“ auf „Sie“ wechselt.

Ihr beginnt mit einem Tutorial, das den Namen nur bedingt verdient hat. Ein kleiner Typ namens Theodor gibt euch einige Tipps, worauf ihr als Erstes achten solltet und empfiehlt euch dann, mit einem Expeditionsteam zu seinem Turm zu kommen, damit ihr euch weitere Tipps abholen könnt. Ich gebe euch jetzt einen gut gemeinten Rat – nehmt euch eine halbe Stunde Zeit und lest euch sämtliche Hilfsbeiträge gleich zu Beginn durch und vergleicht die dort beschriebenen Punkte mit den jeweiligen Menüs im Spiel.
Das Hilfsmenü findet ihr mit einem Druck auf den + Button.
Als verwöhnter „Das Tutorial wird’s schon machen“-Bengel sah meine erste Runde ungefähr so aus:

Theodor (der Tutorial-Geist): „Achte am besten hier auf das und da…“
Ich: „Aha.“
Theodor: „… und dann musst du hier darum…“
Ich: „Was?“
Theodor: „Gut, jetzt zieh los und…“.
Ich: „Wo? Wie? Warum? Was willst du von mir?
Ich merkte schnell, dass ich die Komplexität des Spiels arg unterschätzt oder meine eigene Intelligenz arg überschätzt hatte. Jedenfalls packte ich das Spiel frustriert beiseite und bat Youtube um Hilfe. Das half, denn auch dort wurde mir das Hilfsmenü ans Herz gelegt. Dort steht wirklich alles drin, was man wissen muss.

Mit + öffnet ihr das Hilfsmenü. Mit x könnt ich euch alle Beiträge anschauen. Ihr solltet anfangs etwas Zeit in das Studium stecken.

Warum gehe ich drauf?

Da meine Arroganz keine Grenzen kannte, stürmte ich direkt mit meinem Expeditionsteam zu Theodors Turm und nahm seinen nächsten Tutorialpunkt in Angriff – einen Kampf gegen ein paar wilde Eber. 
PAH! Lächerlich! Was für ein Kinderkram!

Ich hatte bei meinem ersten Kampf genauso viele Fragezeichen über dem Kopf.

Was habe ich geflucht und getobt und meine eigene Fähigkeiten in Frage gestellt, weil ich den Tutorialkampf nicht gewinnen konnte, bis mir auffiel, dass mein Expeditionsteam quasi keinen Schaden machte.
Ein Youtube-Video und die Hilfstexte im Spiel brachten dann die Erleuchtung – ich hatte die falsche „Kampfart“ gewählt.
Das Kampfsystem ist ein kleines, gut durchdachtes Kartenspiel, das eine Menge Spaß macht, wenn man den Dreh erst einmal raus hat. Die Gruppenmitglieder werden alle als Karten angezeigt und zufällig in Angriff und Taktik eingeteilt. Letztere haben Fähigkeiten, welche den Kampf positiv beeinflussen können, während die ersteren wild draufkloppen. Oder sich aus der Affäre reden, oder jagen, oder vergiften. Oder…

Vor jeder Kampfrunde werden die Karten neu gemischt. Ihr könnt sie euch in Ruhe anschauen und notfalls einmal neu mischen.

In meinem Tutorialkampf hatte ich zwar die Auswahl zu jagen, hatte aber nur einen Charakter, der das überhaupt beherrschte. Kein Wunder, dass die anderen nur dumm aus der Wäsche sahen. Die altbekannte „Knüppel uff’n Kopp“ Methode wäre hier sinnvoller gewesen. Hier kommt der interessanteste Aspekt hervor.
Je nachdem, wie ihr das Spiel spielen wollt, könnt ihr auch andere „Kämpfe“ führen. Habt ihr Kräuterkundler im Team, sowie die passenden Kräuter, könnt ihr vor dem Kampf auswählen, ob ihr einfach mit gezogenen Schwertern alles niedermähen, oder lieber das Monsterpack vergiften wollt.
Im ersten Fall würdet ihr gegen drei fette Ratten und eine Spinne kämpfen, im zweiten Beispiel jedoch nur gegen zwei „Krankheit wiederstehen“-Gegner, was den Kampf viel leichter macht. Auf die gleiche Weise könnt ihr „Jagen“, „euch aus der Affäre quasseln“, euch „vorbei schleichen“ und noch einige weitere Optionen durchführen. Das macht das System sehr abwechslungsreich und interessant.
Neben jeder Kampfoption seht ihr anhand der Anzahl Totenköpfe die Schwierigkeit des bevorstehenden Kampfes.

Wenn man das System erst einmal verstanden hat, macht es wirklich Spaß und ist auf höheren Schwierigkeitsstufen trotzdem äußerst fordernd.

Oh, geht ja doch alles!

Seid ihr bereits genauso verwirrt durch meinen Text, wie ich am Anfang des Spiels war? Denkt ihr euch, warum sollte ich mir das antun? Ganz einfach – es ist fesselnd wie kaum ein anderes Spiel. Die Grafik ist zweckmäßig, aber die Menüs sind alle hübsch gestaltet, die Charaktere sind allesamt tolle Skizzen, der Soundtrack passt wunderbar zur Stimmung des Spiels. Obwohl alles schlicht gehalten ist, erschafft das Spiel die ganze Zeit eine bedrohliche Stimmung. Eure Bewohner verbrauchen jeden Tag Nahrung, weshalb auch die Expedition immer genug Essen mit sich herumschleppen muss. Je mehr Nahrung sie mit sich nehmen, desto weniger Inventar steht ihnen natürlich zur Verfügung. Sind sie überfüllt, wird die Bewegungsgeschwindigkeit eingeschränkt. Ist man zu weit vom Dorf entfernt, muss man also zwangsläufig entweder irgendwo Nahrung sammeln, indem man ein Lager aufschlägt, überflüssigen Ballast zerstören oder in Ressourcen umwandeln, oder hoffen, dass man es mit der restlichen Ration zurück ins Dorf schafft.

Zufällig generierte Ereignisse können euch das Spiel erleichtern oder erschweren. Eines Nachts sitzt z. B. ein Zombie auf dem höchsten Dach des Dorfes. Daraufhin stirbt ein Kind. Ihr habt die Wahl, den Zombie zu stellen oder Gefahr zu laufen, dass er wieder kommt und noch ein Kind tötet. Das ist schlecht, denn es dauert ewig, bis Kinder erwachsen und tatsächlich nützlich werden. Bis dahin gelten sie als „Gegenstand“.
In acht Stunden Spielzeit habe ich bisher genau einen Erwachsenen herangezogen. Wenn man dann Bonusziele sieht wie „Lass dein Dorf auf 30 Bewohner anwachsen“, kann man sich ausmalen, wie lange so ein Spiel gehen kann. Der Tageszyklus spielt ebenfalls eine Rolle.
Ein ganzer Tag besteht aus 18 Runden (3 morgens, 3 mittags, 3 abends und dann weiteren 9 Nachtstufen). Tagsüber ist eure Sicht größer, während ihr nachts kaum ein Feld weit sehen könnt und quasi immer ins Ungewisse rennt. Tagsüber bleiben die Gegner lieber an Ort und Stelle stehen, während sie nachts gerne mal das Dorf oder das Expeditionsteam angreifen. Eine Runde ist schnell gespielt, gerne gefolgt von der nächsten und „nur noch einer“. Ehe man sich’s versieht, sind fünf Stunden vergangen und man ist immer noch gespannt wie zur ersten Minute. Soll ich mit dem Team noch diese Ecke dahinten auskundschaften, oder lieber zurück ins Dorf, um die gesammelten Ressourcen abzugeben und neue Verpflegung mitzunehmen? Soll ich ein paar Runden ein Lager aufschlagen, um schneller zu heilen und ein paar Ressourcen zu sammeln oder lieber die Ruine dort erkunden und Gefahr laufen, in einen tödlichen Kampf verstrickt zu werden? Die Wahl liegt bei euch.

Fazit

Pros:

  • Zufällig generierte Welt mit vielen Einstellungsmöglichkeiten
  • Jedes Spiel ist anders
  • Spannendes Kampfsystem

Cons:

  • Für Leute, die dieses Genre nicht gewohnt sind etwas langatmig
  • Das Tutorial hilft nur mäßig weiter

Ich wünsche euch viel Spaß mit diesem hervorragenden Spiel. Wer auf rundenbasierte Strategiespiele mit einem Hauch Roguelike, sowie einem einzigartigen Kampfsystem und toller Atmosphäre steht, wird hier bestens bedient. Ich werde jedenfalls noch viele Stunden in Thea verbringen und mich Stück für Stück die Schwierigkeitsstufen hoch arbeiten.

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Über Roger Hogh 52 Artikel
Baujahr 1987, begann bereits als Zwerg mit einem Sega Master System II zu zocken, der einzigen Nicht-Nintendo-Konsole, die er je besessen hat. Begeisterter Fan von guten Metroidvanias und The Legend of Zelda. Überwiegend Einzelspieler, aber man findet ihn gerne mal bei einer Runde Smash Bros, natürlich als Link.

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