Happy Birthdays [Test]

Bereits vor über zwei Jahren auf diversen anderen Konsolen unter dem Namen „Birthday the Beginning“ erschienen, war es auch am 08. Juni 2018 auf der Nintendo Switch endlich soweit. Mitentwickelt durch den legendären Harvest Moon-Erfinder Yasuhiro Wada – das gute Harvest Moon und nicht der miese, moderne Abklatsch, der sich heutzutage Harvest Moon schimpft, handelt es sich bei Happy Birthdays um ein Lebenssimulationsspiel, in dem jeder mal Gott spielen darf.

Endlich können die drängendsten Fragen der Menschheit beantwortet werden. Können Dinosaurier und Menschen gleichzeitig existieren? Kam zuerst das Huhn oder das Ei? Was passiert eigentlich, wenn die Durchschnittstemperatur um 5°C ansteigt? Hat die Höhe des Gebirges eigentlich einen Einfluss auf die Entwicklung der unterschiedlichen Arten?

Ich muss sagen, dass es bei mir eher ein Spontankauf etwa einen Monat nach Release war. Der Nintendo eShop hat mir das Ganze vorgeschlagen, ich fand es vom Titelbild her ganz interessant, also habe ich die kostenlose Demo gespielt und bin den ganzen Abend nicht mehr davon losgekommen. Zudem hat der Download damals lediglich 29,99€ gekostet und nach dieser genialen Demo war es mir das definitiv wert.

Gestalte die Welt, so wie du sie willst

Happy Birthdays ist vom Spielprinzip her ein Sandkasten-Lebens-Simulator. Durch das Open World-System ermöglicht es dem Spieler, praktisch alles zu tun, was er will. Aber einmal ganz von Anfang.

Das Spiel bietet im Grunde drei Spielmodi. Über „New Game“ startet man den Storymodus. An alle, die jetzt gleich Panik bekommen, weil der Titel Screen in Englisch ist: Keine Sorge, das Spiel wurde komplett in Deutsch synchronisiert. Dennoch ist manchmal das Deutsch ziemlich interessant, aber immer verständlich. Ich denke, dass es vor allem grafische Gründe hat, warum man den Screen in Englisch gelassen hat. Sieht vermutlich besser aus.

Im Storymodus stehen vier verschiedene Welten zur Auswahl, die sich in ihrem jeweiligen Schwierigkeitsgrad unterscheiden. Das Ziel ist aber in allen Welten gleich: Die Geburt des Menschen. Klingt prinzipiell ganz einfach, ist aber in Wirklichkeit ziemlich schwer und erfordert viel Fingerspitzengefühl.

Bei Challenge kann man sich eine von insgesamt sieben Herausforderungen aussuchen. Auch hier bekommt man einen vorgegebenen Planeten. Ziel ist aber nicht der Mensch, sondern eine bestimmte Art von Dinosaurier. Welcher, das unterscheidet sich von Herausforderung zu Herausforderung. Zudem sind die Grundbedingungen anders als im Story-Modus. Mal ist das Heben und Senken des Landes deaktiviert, mal können keine Skills angewandt werden. Die Herausforderungen haben einen ansteigenden Schwierigkeitsgrad, zudem steht immer weniger Zeit zur Verfügung. Besteht ihr eine Herausforderung wird als Rekord die Anzahl an Jahren hinterlegt, die ihr für das Absolvieren benötigt habt.

Schaffst du es, deinen eigenen Rekord zu brechen?

Als dritter Modus steht das freie Spiel zu Verfügung. Hier gibt es kein Ziel, die eigene Welt kann einfach nach den eigenen Ideen und Vorstellungen gestaltet werden.

Du magst eher warme Temperaturen? Dann setze die Außentemperatur konstant über 40°C und sorge dafür, dass es in deiner Welt nicht zu feucht wird.
Liebst du Pinguine und Eisbären? Dann solltest du eher auf tiefe Temperaturen setzen und ein kalt-feuchtes Klima schaffen.

Aus eigener Erfahrung heraus kann ich euch sagen, dass man nicht versuchen sollte, alle Klimabedingungen in einem Cube zu schaffen, das funktioniert nicht wirklich. Sorgt meistens eher dafür, dass alle Tiere anfangen auszusterben.

How to play

Wie bereits erwähnt handelt es sich um ein Open World-Spiel mit Sandkastenprinzip. Der Planet, den es zu beleben gilt, ist ein Würfel, auch Cube genannt. Dieser Würfel ist in drei verschiedenen Größen verfügbar: Small, Medium und Large. Die Würfel haben jeweils unterschiedliche Abmessungen, zum Beispiel kann man weder im Small- noch im Medium-Würfel ein Gebirge erschaffen, sondern nur Hochland. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass nicht alle Tier- und Pflanzenarten erschaffen werden können, da es einem an der nötigen Höhe beziehungsweise Tiefe mangelt.

Durch das Spiel wird man von einem prismenförmigen Wesen namens Navi geleitet. Und ja, ich sage mit Absicht Wesen, denn Navi stellt bereits zu Beginn des Spieles klar, dass es kein Lebewesen ist. Allerdings ist es auch kein Gott oder ähnliches, da es zum Erschaffen der Welt unsere Hilfe braucht. Also ist es einfach ein dingliches „Es“, was die fixe Idee verfolgt, Leben zu erschaffen.

Man selbst wird repräsentiert durch einen roten Avatar, der immer gleich aussieht. Zur Individualisierung kann man ihm lediglich einen Namen geben. Aber das ist egal, der Avatar ist in diesem Spiel nur Nebensache. Grafisch geht es vor allem um die auf dem Cube entstehende, spielerindividuelle Welt.

Die Steuerung unterteilt sich in einen Makro-Modus und einen Mikro-Modus.

Im Makro-Modus seht ihr den kompletten Cube von außen. Auf der rechten Seite des Bildschirmes wird angezeigt, wie sich die eigene Welt im Laufe der Zeit entwickelt, welche Tiere oder Pflanzenarten entstehen oder aussterben, wie die Außentemperatur sich entwickelt, wie viel Prozent der Bevölkerung pflanzlichen oder tierischen Ursprungs ist, wie viel Land und wie viel Wasser es gibt.

In der linken oberen Ecke steht, wie viele Jahre die Welt bereits existiert und wie lange man gespielt hat. Zudem kann man links sehen, wie weit der Avatar sich entwickelt hat.

Nur im Makro-Modus ist es möglich, die Zeit laufen zu lassen. Das geht durch Drücken von „R“, dann läuft die Zeit langsam weiter und die TP des Avatars erholen sich. Wenn man es eilig hat, kann man aber auch ZR drücken, dann läuft die Zeit schneller, allerdings kostet es TP.

Was ich beim Vorspulen mit ZR immer etwas gefährlich finde, ist, dass man schnell aus dem Auge verliert, wenn irgendetwas ausstirbt. Eben hat es noch gelebt, 5000 Jahre später ist es dann aber schon tot. Oder eine neue Art ist entstanden, leider sind die Bedingungen nicht ganz optimal, und bevor man es in der Bibliothek registrieren kann, ist sie schon wieder ausgestorben. Man kann nicht mehr so gut darauf reagieren, wenn man die Art erhalten will.

Der Unterschied zwischen Makro- und Mikro-Modus liegt darin, dass im Makro-Modus nur die Zeit beeinflusst, die Welt selber aber nur im Mikro-Modus gestaltet werden kann.

Im Mikro-Modus findet daher die eigentliche, interessante Mechanik in diesem Spiel statt. Man kann die Welt verändern, die Temperatur beeinflussen, kann Meere, Berge und Flüsse entstehen lassen. Mit dem Avatar fliegt man durch den Cube und kann mit Hilfe von R und ZR den Boden bearbeiten. Senkt man den Boden unter die Ebene T0 – die Basisebene, von der alles ausgeht – entsteht automatisch ein Meer. Durch Anheben der Ebene entsteht irgendwann Hochland, bei weiterem Anheben ein Gebirge. Diese Änderungen haben massiven Einfluss auf die Außentemperatur, was natürlich wieder einen massiven Einfluss auf die Entstehung der einzelnen Arten hat. Je höher die Welt liegt, desto kälter ist es, je flacher die Welt ist und je mehr Wasser es gibt, desto wärmer wird es.

Die angestrebte Temperaturänderung wird rechts am oberen Rand angezeigt, direkt über der Minikarte. Die Minikarte zeigt über grüne, rote und rosa-farbene Punkte an, wo sich Pflanzen, Tiere und neue Arten befinden. Zudem stellt die Minikarte schematisch Flüsse, Meere, Gebirge und Land da. Auch Sterne werden angezeigt.

Sterne sind so zu sagen die Währung in diesem Spiel. Man erhält sie zum Einen durch die Entwicklung und Entstehung von neuen Arten, zum Anderen aber auch in geringer Menge durch den Lauf der Zeit. Dies ist praktisch eine Belohnung dafür, dass immer mehr Lebewesen in dem kleinen, eigenen Ökosystem entstanden sind.

Neben der Temperatur kann durch die Lage des Meeres und der Flüsse auch der Salzgehalt des Bodens und die Feuchtigkeit beeinflusst werden. Das sind alles wichtige Dinge, die man beachten muss, um neues Leben zu schaffen.

Wenn es dennoch nicht gelingt, eine Region so warm zu bekommen, wie man es für die Entstehung einer bestimmten Art braucht, oder wenn es in der eigenen Welt einfach zu feucht ist, kann man durch die Verwendung von Skills immer noch das Blatt wenden. Hier kommen auch die Sterne ins Spiel. Das Verwenden von Skills verbraucht ebendiese.

Skills sind mächtig. Mit ihnen kann unter anderem das Aussterben von Arten verhindert – wodurch sie aber gleichzeitig auch unfruchtbar werden – oder sogar herbeigeführt werden. Man kann Berge entstehen lassen, eine neue Flussquelle gründen oder eine bestimmte Tierart potenter machen.

Es gibt Wärme- und Kältesteine, die die Temperatur in einem beliebigen Gebiet um bis zu 30°C heben oder senken können, man kann Tier- und Pflanzenarten mutieren und sich weiterentwickeln lassen. Der Fantasie sind also keine Grenzen gesetzt.

Besteht gerade keine Lust, etwas zu bauen, oder etwas in seiner Welt zu ändern, kann auch einfach die schöne Aussicht genossen werden – Möglich macht dies die Ego-Perspektive.

Ich persönlich muss sagen, dass es zwar ganz cool ist, sich alles mal so aus der Nähe anzuschauen, dennoch nervt die Steuerung in diesem Modus so sehr, dass es den Genuss dann doch erheblich beeinträchtigt.

Trotzdem ist es schon beeindruckend einen so großen Dinosaurier vor dem Abendhimmel zu betrachten, während prähistorische Vögel ihre Kreise drehen.

Ich weiß etwas, was du nicht weißt

Du möchtest etwas mehr über die neu entstandenen Arten erfahren? Auch diese Wissensgier stillt das Spiel mit Freude. Jede neue Art, die man auf der Karte einfängt, wird in einem Lexikon registriert. Ein Eintrag wird dann in der Bibliothek hinterlegt und kann immer wieder nachgelesen werden. Zudem wird ein Stammbaum erstellt, in dem die bereits gefangenen Arten angezeigt werden, aber auch alle, die einem noch fehlen. Dieser ist als weit verzweigter Baum angelegt, kann aber auch numerisch geordnet werden. Letztere Möglichkeit ist dann etwas übersichtlicher, besonders im Handheld-Modus.

Über die Bibliothek können auch die Entstehungsbedingungen jeder einzelnen Art nachgeschaut werden. Der beste Weg, wenn man einfach nicht mehr weiterkommt oder alle Arten aussterben, ist es also, sich einfach mal genauer in der Bibliothek umzusehen.

Fazit

Pros:

  • Günstiges Gelegenheitsspiel
  • Schöne Grafik und nett animierte Lebewesen
  • Geeignet für Jung und Alt gleichermaßen

Cons:

  • Schlechte Einführung in die Steuerung
  • Schwierige Steuerung in der Ego-Perspektive
  • Selbes Ziel in allen Story-Modi-Oberflächen (immer der Mensch)

Ich liebe dieses Spiel. Es hat seine ganz eigene, magische Wirkung und die Entstehung der einzelnen Arten zu beobachten, ist einfach fantastisch. Ihr könnt das machen, was ihr immer schon mal tun wolltet: Einmal selber Gott spielen. Ob es seltene Fische sind, die an den tiefsten Punkten des Meeres entstehen, oder Gebirge, auf denen wunderschöner, weißer Schnee fällt und Eisbären und Pinguine eine friedliche Koexistenz führen. Aus dem Wolf den heute in tausend verschiedenen Formen bekannte Hund enstehen und aus dem Affen langsam aber sicher den Mensch entwickeln zu lassen.

Was ich lustig fand, ist, dass es einen Skill gibt, der sich „Frucht der Erkenntnis“ nennt. Neben der Evolutionstheorie wird also noch ein bisschen Bibelwissen eingebaut. Nur ist es diesmal nicht die Schlange, die den Urmenschen verführt, von der verbotenen Frucht zu naschen, sondern wir sind es, die darüber entscheiden, ob der Affe sich weiterentwickeln soll.

Für mich ist es ein Gelegenheitsspiel, was man stundenlang am Stück spielen kann, bei dem es aber auch nichts ausmacht, wenn man es mal längere Zeit nicht anrührt. Man findet schnell wieder zurück.

Was ich jedoch schade fand, ist, dass man die Steuerung mehr schlecht als recht erklärt bekommt. Klar bekommt man das alles auch durch Ausprobieren raus, aber es wäre schöner und auch kindgerechter, wenn eine kurze Erklärung zur Steuerung angeboten würde. Es gibt zwar eine Einweisung in das Heben und Senken des Landes, aber was es mit dem Salzgehalt auf sich hat oder auch mit der Feuchtigkeit im Boden, wird nicht einmal erwähnt. Ebenso wird die Bibliothek nicht wirklich erklärt.

Schaffst du es, den Menschen entstehen zu lassen?

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Über Caren Koch 16 Artikel
Geboren im Jahre 1997 bin ich wirklich froh darüber, mich noch ein echtes 90er-Unikat nennen zu können. Geboren und aufgewachsen bin ich im Saarland, wohne und arbeite auch immer noch hier. In meinem Job als chemisch technischer Assistent habe ich sehr viel mit Zahlen und Rechnen zu tun, das Zocken ist daher ein nette Abwechslung für mich. Meine erste Konsole war eine NES. Ich besitze auch heute noch eine und liebe sie abgöttisch. Neben der NES habe ich noch zwei Nintendo 3DS-Systeme und natürlich eine Nintendo Switch. Meistens Spiele ich Jump`n`Run und Strategiespiele, bin aber allem gegenüber offen. Was ich nicht so mag sind Horror- und Actionspiele, wobei es auch hier natürlich Ausnahmen gibt. Auf der Switch ist mein aktuelles Lieblingsspiel Monsters 2, wobei ich auch für eine Partie Overcooked 2 mit meiner Schwester immer zu haben bin.

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