Fire Emblem: Three Houses [Test]

Dieses Review hätte es beinahe nicht gegeben. Warum?

Ich hätte mir das Spiel beinahe nicht geholt und somit einen der besten Titel des Jahres verpasst.

Warum hätte ich das Spiel beinahe verpasst?

Nun, lasst mich ausholen…

Kurz zusammengefasst: Was ist Fire Emblem?

Fire Emblem ist eine Reihe an Taktik-Rollenspielen, die sich über diverse Konsolen- und Handheldgenerationen bei Nintendo stetig weiterentwickelt hat, ohne das Kernprinzip – ein abwechselndes, rundenbasiertes Kampfsystem – über Bord zu werfen. Die Spiele haben ein mittelalterliches Setting, es geht oft um Herrscher, Königreiche, Söldner, Magier, böse Mächte, Götter, Drachen, Intrigen, Machtkämpfe etc. Es ist jedoch keine High-Fantasy-Reihe in dem Sinne, da die dafür typischen Rassen – Orks, Elfen, Zwerge – vollständig fehlen.

Worum geht es in Fire Emblem: Three Houses?

Byleth (so der Name des Protagonisten, wenn ihr keinen eigenen Namen wählen wollt) ist der Sohn eines Söldners und mit dieser Söldnertruppe seit ca 20 Jahren unterwegs. Eines Tages retten sie drei Herrscherabkömmlinge des Kontinents Fódlan vor einer Gruppe Banditen. Es stellt sich heraus, dass alle drei Heranwachsenden aus unterschiedlichen Adelsgruppierungen und Königreichen stammen. Das wären Edelgard, die zukünftige Thronnachfolgerin des Adrestianischen Kaiserreichs; Dimitri, Thronfolger des Königreichs Faerghus sowie Claude, Sprössling der herrschenden Adelsfamilie der Allianz von Leicester – eines relativ losen Bündnisses, dass lediglich versucht, in Frieden miteinander auszukommen.

Das ist Fódlan, der Kontinent, um den sich das Spiel dreht

Alle drei gehen gemeinsam zur Militärakademie im Kloster Garreg Mach, welches direkt mittig zwischen den drei Regierungsbereichen liegt. Dort werden ihnen sowohl Kriegstaktik, als auch Führungsqualitäten beigebracht, da sie schließlich die zukünftige Elite des Landes werden sollen.

Als Dank für die Rettung sollt ihr mit zum Kloster, wo euch die Bischöfin Rhea kurzum zum Magister macht. Ihr könnt eines der drei Häuser wählen, welches ihr fortan in Kriegstaktik unterrichten – und in Missionen aufs Schlachtfeld führen – wollt.

Was mich zu dem Punkt bringt, weshalb ich das Spiel beinahe nie gespielt hätte…

Der Alltag im Kloster

Je mehr Informationen ich vorab über das Spiel aufschnappte, desto mehr hörte ich von Beziehungen, Schulalltag, Seminaren, Bindungen festigen, evtl. noch die große Liebe finden – alles Dinge, die mich normalerweise überhaupt nicht interessieren. Meinetwegen hätte das Spiel nur aus einer Aneinanderreihung von Kämpfen wie die früheren Teile auf dem Gameboy bestehen können, lediglich durch Zwischensequenzen und kurzen Ruhepausen getrennt, in denen man seine Waffen reparieren und wieder zu Kraft kommen kann.

Nur durch gutes Zureden zweier Freunde und der Empfehlung, mir noch ein Übersichtsvideo anzuschauen konnte ich mich doch dazu durchringen, das Spiel zu kaufen. Ich habe keine Sekunde davon bereut.

Die Story verläuft zeitlich entlang der Monate. In jedem Monat hat man bestimmte Aktionen, die man jeweils an den Wochenenden machen kann.

Mit Erkundung läuft man tatsächlich das Kloster ab, kann sich mit allen Studenten und Lehrern der unterschiedlichen Häuser unterhalten und diese, so man fähig genug ist, sogar ins eigene Haus rekrutieren. Es gibt kleine Quests zu erledigen, die jedoch nie weiter ausarten als „Finde dies, bring es her“ oder „Sprich mal mit XY“, später noch „Besiege Banditengruppe Q“.

Die Sprechblasen zeigen nur das grobe Thema an, die Dialoge sind weit ausgefallener

Mit „Seminar“ kann man einen der Professoren oder Ritter dazu bringen, die eigenen Studenten in bestimmten Fähigkeiten zu unterrichten, sodass diese den Umgang damit besser beherrschen und später die richtige Kriegerklasse wählen können.

Kampf spricht eigentlich für sich selbst. Man kann die gesammelten „Töte X“ Quests abarbeiten oder ein paar Nebenquests erledigen, die wertvolle Gegenstände wie legendäre Zauberstäbe (sehr wichtig für Priester) springen lassen.

Ausruhen wählt man, wenn die Studenten keine Motivation mehr haben. Ohne Motivation kann man ihnen beim Unterricht keine Fähigkeit beibringen. Das ist Dreh- und Angelpunkt des Kampfsystems später, daher ist dieser Punkt anfangs nicht zu unterschätzen.

Montags ist Studientag. Man kann wählen, ob man selbst bestimmen möchte, wer was lernen soll, oder dies automatisch erledigen lassen. Da ich keine halben Sachen mag und gerne meine Truppe persönlich ausbilde, habe ich noch nie die automatische Funktion genutzt.

Am Ende des Monats kommt dann der große Missionskampf, welcher auch die eigentliche Story vorantreibt.

Ich hätte nie gedacht, dass mir dieser Teil des Spieles genauso viel Spaß machen würde, wie die eigentlichen Kämpfe. Es ist eine komplette Entschleunigung, durch das Kloster zu wandern (wobei der Rennen-Button durchaus malträtiert wird, soooo langsam will ich dann doch nicht sein) und in kurzen Dialogen die Ansichten und Meinungen der jeweiligen Studenten zu erfahren, diesen zu Helfen, verlorene Gegenstände wiederzufinden oder Geschenke zu geben (beides hilft bei der Motivation und dem Unterstützungslevel), Tee zu trinken oder auch zu Angeln. Es gibt noch einige weitere Details, die ich hier nicht aufzählen möchte, weil es einfach den Rahmen des Tests sprengen würde.

Jeder Dialog ist äußerst ansprechend auf Englisch vertont. Der einzige, der wie so häufig „schweigt“, trotz Auswahlmöglichkeiten, was man antworten möchte, ist der Protagonist. Die schriftliche, deutsche Übersetzung lässt sich sehen, mir fiel bisher nur ein grober Schnitzer auf. Sonst ist wirklich darauf geachtet worden, dass der Sinn verständlich kommuniziert wird. Man beachte – es handelt sich überwiegend um Adelshäuser, dementsprechend ist auch die Sprache eher gehoben. Ein rundum tolles Feeling.

Unterstützung und kein Ende

Wenn man genug mit Charakteren interagiert hat, bzw. Charaktere miteinander hat agieren lassen, wie z.B. durch das Nebeneinanderstehen beim Kampf, können Unterstützungsdialoge freigeschaltet werden.

So können Unterstützungsgespräche aussehen. Alle sind komplett vertont.

Je höher der Unterstützungswert der Parteien, desto größer werden ihre Werte im Kampf, wenn sie zusammen kämpfen.

Demzufolge ist eine der Aktionen, die man zwischendurch immer mal wieder machen wird, sich eine halbe Stunde Zeit nehmen und all die aktuellen Unterstützungsdialoge anzuschauen. Ich empfehle hiermit ausdrücklich, dies zu nutzen. Sämtliche Dialoge sind vertont, alle Charaktere haben unterschiedliche Hintergrundgeschichten, Ansichten, Vorlieben etc. und interagieren dementsprechend völlig unterschiedlich miteinander. Wer Immersion liebt, sollte sich einfach zurücklehnen, die Dialoge automatisch ablaufen lassen (X-Taste) und genießen, wie sich die Charaktere besser Kennenlernen.

Kurzum: Der Teil, der für mich zuvor ein Grund war, das Spiel zu meiden, gehört nun zu den Hauptgründen, die das Spiel so besonders machen.

Jetzt lasst uns endlich Kämpfen

Die Kämpfe sind in Runden und das Schlachtfeld in Quadrate eingeteilt. Zuerst ist der Spieler dran und zieht seine Figuren, eine nach der anderen, lässt sie Gegner angreifen, sich zurückziehen, heilen, oder Strategeme verwenden – eine Aktion, bei der man ein Bataillon verwendet, um entweder Gegner anzugreifen oder die eigene Gruppe zu stärken/heilen. Danach sind die Gegner dran und haben die gleichen Aktionsmöglichkeiten. Manche Gelände sind schwerer zu passieren, manche Felder bieten zusätzlichen Schutz oder heilen euch pro Runde ein wenig.

Die Kämpfe sind eingängig, können aber durchaus locker 30-40 Minuten in Anspruch nehmen, sofern man nicht alle Kampfanimationen ausschaltet oder vorspult. Anfangs habe ich natürlich jede Animation für kritische Treffer genossen, aber irgendwann halte ich während der eigentlichen Kampfaktion einfach A gedrückt, um vorzuspulen. Das kann man auch mit der kompletten gegnerischen Phase machen.

Kritische Treffer sind schon cool in Szene gesetzt

Wichtig für alle Kenner: Das Waffendreieck der früheren Teile (Schwert > Axt > Lanze > Schwert) existiert nicht mehr als solches. Nur durch das Leveln der jeweiligen Fertigkeit erhält man später Kampffähigkeiten, die diesen Boni entsprechen. Also ein Axtkämpfer wird dann die Fähigkeit „Lanzenbrecher“ erlernen und erhöhten Schaden gegen Lanzenträger austeilen. In Bezug auf Magie ist das Dreieck vollständig entfernt worden, da es inzwischen auch eine viel größere Anzahl an Zaubern gibt, als die üblichen „Feuer, Blitz, Wind“-Angriffe.

Alle 10 Level kann man die Charaktere ein Examen abschließen lassen, um eine neue Kampfklasse zu erhalten. Jeder Charakter levelt für sich allein. Besiegt man Gegner mit ihm, erhält er mehr Erfahrungspunkte, als durch einen einfachen Angriff oder eine Verteidigung.

Raphael wird zum Ritter. Langsam aber unaufhaltsam.

Mehr will ich über das Kampfsystem gar nicht erzählen. Es erklärt sich in den ersten paar Kämpfen von selbst und man kann jederzeit die Tutorials nachschlagen.

Wie schwer darf es denn sein?

Aktuell bietet das Spiel zwei Schwierigkeitsgrade – „Normal“ und „Schwer“. Sollten einem die Kämpfe auf „Schwer“ doch zu schwer sein, kann man einmalig die Schwierigkeitsstufe runter, aber nicht wieder hochstellen. Soweit ich mitbekommen habe (soweit bin ich bei Weitem noch nicht), gibt es New Game+, wobei ich nicht weiß, ob der Schwierigkeitsgrad dann ebenfalls erhöht wird. Es wird einen DLC geben, der die Schwierigkeit „Extrem“ hinzufügt, bei der man sich vermutlich gar keinen Fehler erlauben darf.

Jeder Schwierigkeitsgrad ist noch unterteilt in „Klassisch“ oder „Casual“. Bei „Casual“ ziehen sich die eigenen besiegten Einheiten einfach zurück. Bei „Klassisch“ stirbt dir dein liebevoll hochgezogener Priester eiskalt weg, weil du ihn spaßeshalber mitten in eine Horde Axtkämpfer gestellt hast. Selbst schuld. Das ist, was an Fire Emblem schon immer Spaß gemacht hat. Die Kämpfe haben Bedeutung und man überlegt wirklich lieber dreimal, ob dieser Zug mit diesem Charakter jetzt der Richtige ist, denn nach 30 Stunden Spielzeit einen wertvollen Kämpfer für immer zu verlieren, ist ein ziemlicher Schlag ins Gesicht, zumal die Tode äußerst stimmungsdämmend inszeniert sind.

Fazit

Pros:

  • Abwechslungsreicher Spielstil, bei dem sich fordernde Kämpfe mit entspannten Elementen des alltäglichen Lebens abwechseln
  • Alle Dialoge sind sehr stimmig und klar vertont
  • Alle Charaktere sind fein ausgearbeitet, haben Vorlieben und Schwächen, eigene Fähigkeiten, etc.
  • Toller, eingängiger Soundtrack, der sich für immer in mein Gehör gebrannt hat

Cons:

  • Manche werden das Spiel als zu langatmig empfinden
  • Die Story ist zwar packend inszeniert, gewinnt aber für sich genommen keinen Preis in Sachen Originalität
  • Die Grafik passt zum Spiel, setzt aber sicherlich auch keine neuen Maßstäbe.

Hätte ich meine goldene elf nicht bereits an Hollow Knight vergeben, dieses Spiel wäre ein würdiger Anwärter dafür. Allein der Umfang spricht für sich. Jede Kampagne – also jedes Haus für sich, dauert im Schnitt 80 Stunden, sofern man sich alle Dialoge anhört, die Nebenquests macht, etc. Ich bin jetzt seit rund 50 Stunden mit den goldenen Hirschen unterwegs und weiß alleine dadurch, dass die Storys nicht austauschbar sind, sondern sich an entscheidenden Stellen definitiv anders spielen werden, schon weil die einzelnen Charaktere unterschiedlicher nicht sein könnten.

Seit Langem bin ich nicht mehr so stark von einem Spiel gefesselt worden. Ich träume, esse, atme, denke nur noch an und über dieses Spiel und nutze jede verfügbare Minute, um endlich zumindest mal die erste Kampagne abzuschließen. Es ist auch ideal für unterwegs, da man einfach mal ein-zwei Unterstützungsdialoge irgendwo zwischenschieben oder zwei-drei Spielphasen durchziehen kann.

Aber nun genug gefaselt – ich muss zurück nach Fódlan und meine goldenen Hirsche zum Sieg führen. Wer mir folgen will, kann das Spiel hier bestellen (Affiliate Links):

Amazon: https://amzn.to/2ZpAE6t

Saturn: https://n-switch-on.de/hkvr

Media Markt: https://n-switch-on.de/jj5y

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Über Roger Hogh 52 Artikel
Baujahr 1987, begann bereits als Zwerg mit einem Sega Master System II zu zocken, der einzigen Nicht-Nintendo-Konsole, die er je besessen hat. Begeisterter Fan von guten Metroidvanias und The Legend of Zelda. Überwiegend Einzelspieler, aber man findet ihn gerne mal bei einer Runde Smash Bros, natürlich als Link.

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