AER: Memories of Old [Test]

Ich habe dieses Spiel zum Test erhalten und sitze nun seit etwa fünf Stunden vor dem Rechner und versuche irgendetwas Gescheites zum virtuellen Papier zu bringen, aber das Einzige, was ich zustande gebracht habe, ist, dass mein Kopf langsam aber sicher immer wieder laut und deutlich „Schreibblockade“ schreit.

Es ist mein erstes Spiel mit Review-Code und irgendwie ist es schon cool, ohne Geld ein neues Spiel zu bekommen. Traurigerweise muss ich ja zugeben, dass ich nicht so genau wusste, wo ich den Code eingeben muss. Aber wofür gibt es denn die anderen Autoren, wenn sie einem Küken wie mir nicht den Popo retten könnten?

Bevor ich den Vorschlag, diesen Test zu übernehmen, angenommen habe, habe ich mich natürlich ein bisschen schlau gemacht. Wofür das liebe Internet doch nicht alles gut ist. Den Trailer mochte ich. Klar, ich muss ehrlicherweise zugeben, dass ich den Grafikstil am Anfang nicht wirklich ansprechend fand, aber der Trailer hat mir ein Gefühl von innerer Ruhe und Freiheit vermittelt.

Außerdem hat mich erstaunt, dass es im normalen Verkauf nur 14,99€ kostet aktuell. Nicht so teuer wie die bekannteren Spiele mit großem Namen. Es handelt sich um ein Indie-Game, die Perle eines schwedischen Entwicklerteams und baut auf das Gefühl von Ausgeglichenheit.

Was ich ziemlich direkt am Anfang wirklich niedlich finde, sind die Lama-Babys, die einem auf einer der ersten Inseln begegnen. Die Mutter hält etwas Abstand, so als hätte sie Angst vor mir, aber die Babys kommen direkt auf mich zugelaufen und es erscheinen lauter kleine Herzen über ihrem Kopf. Vermutlich ist das auch wieder so ein Frauending, aber ich bin geschmolzen vor Niedlichkeit.

Trotzdem denke ich, dass dieses Spiel nicht wirklich etwas für jedermann ist, mich leider eingeschlossen. Wenn Ihr wissen wollt warum, dann lest weiter. Ich kann ja nicht schon direkt alles hier am Anfang verraten.

Die Story

Fangen wir erst einmal ganz von vorne an. Wie jedes normale Spiel hat AER natürlich seine eigene Story. Eine ziemlich interessante sogar, wenn ich ehrlich bin.
Die Erde, wie wir sie kennen, existiert nicht mehr. Vor langer, langer Zeit hat die Gier der Menschen eine schreckliche Dunkelheit angelockt, eine furchtbare Leere, die einfach alles verschluckt hat. Zum Glück ist es den Menschen irgendwie gelungen, die Leere zu besiegen, bevor alles dem Erdboden gleich gemacht war. Doch die Welt im Ganzen konnten sie nicht mehr retten. Sie ist in tausend kleine Bruchstücke zersplittert, die in Form von Inseln im Himmel schweben.

Trotzdem hat die Leere Milliarden von Opfern gefordert, sowohl bei den Menschen wie auch unter den Tieren. Im ganzen Spiel trifft man insgesamt um die fünf Menschen und ein paar Tiere, darunter Frösche, Hasen oder auch Kraniche. Trotzdem herrscht überall eine nahezu gespenstische Leere.

Hätten die Seelentiere die Menschen nicht entdeckt und über ihre seltsamen neuen Artgenossen gerätselt, würden sie vermutlich gar nicht mehr existieren. Denn die Menschen sind nicht wirklich eins mit der Natur, und wer nicht eins mit ihr ist, hat keine Chance mehr in der neuen Welt. Also beschließen sie, den Menschen zu helfen. Jene mit der besonderen Fähigkeit die Seelentiere sehen und verstehen zu können, erhalten die Chance, eins mit der Natur zu werden. Außerdem können sie sich in ein Tier verwandeln. Diese Menschen werden „Flüsterer“ genannt.

Auk stammt von einem dieser Flüsterer ab. Sie hat die Fähigkeit, die Gestalt eines Falken anzunehmen, und kann so ohne Probleme von Insel zu Insel gelangen. Wie jeder junge Mensch in ihrem Alter ist sie aktuell auf ihrer Pilgereise unterwegs, um die Welt zu entdecken.

Jede Pilgerreise beginnt im Tempel der Karah, einer Priesterin, die die Leere der alten Zeit erforschte. Wie jeder will sie dort eine Kerze anzünden und so symbolisch den Beginn ihrer Reise einläuten.

Und hier sind wir nun. In einer fremden Welt, die sich von der unseren kaum stärker unterscheiden könnte, in einer hoffentlich noch weit entfernten Zeit, in der Rolle einer jungen Pilgerin, die sich in einen Falken verwandeln kann.

Unsere Aufgabe? Keine geringere als die Welt vor ihrer endgültigen Vernichtung zu retten. Denn in Karahs Tempel, nachdem sie ihre Kerze angezündet hat und offiziell in ihr eigenes Abenteuer gestartet ist, hat Auk eine Vision. Sie sieht erneut die Dunkelheit aufkommen, noch schlimmer als vor all den Jahren. Wenn niemand etwas unternimmt, wird sie dieses Mal die Welt vollständig in ihren niemals endenden Schlund ziehen. Noch heute erzählen riesige Steintafeln die Geschichten der alten Zeit.

Als Auserwählte erhält Auk Karahs Laterne, ein Artefakt, welches es ermöglicht, die Seelen der Ahnen sowohl zu sehen wie auch zu hören. Eine Möglichkeit, Antworten auf noch nicht gestellte Fragen zu bekommen.

Frei wie ein Vogel

In diesem Spiel geht es um Freiheit. Und ich muss sagen, sowohl die reduzierte Grafik, wie auch die Musik und das Gameplay vermitteln genau das. Es ist krass. Ich habe sowas noch nie erlebt, aber man kann wirklich abschalten und fühlt sich einfach nur frei und ungebunden. So als würden keine Probleme mehr existieren.

Einfach ein wenig durch die Welt gleiten und sich vorstellen, wie der Wind durch das Gefieder streift und die abertausenden von Wolken einen leichten Tau auf der Haut hinterlassen.

Ich glaube jeder von uns hatte schon einmal diesen einen Traum. Klar, ich denke nicht, dass ein Falke das erste Tier ist, an das man denkt, wenn man gefragt wird „Welches Tier wärst du gerne?“. Ich denke, ich würde als aller erstes an einen Elefanten denken. Klingt lustig, aber erstens müsste ich dann kaum noch nervtötende Artgenossen ertragen und ich könnte einfach jeden und alles platt machen. Dennoch begeistert mich der Gedanke, ein Vogel zu sein. Wenn mich etwas stresst, verwandele ich mich und der Wind trägt mich einfach davon. Ich rausche durch die Wolken und muss einen kurzen Moment einfach mal an nichts denken.

Der Grafikstil heißt im Übrigen „Low Poly“. Er zeichnet sich durch große, pastellfarbene Flächen und wenig Textur aus. Es sieht aus, als setzen sich Menschen, Bäume und Tiere aus vierckigen Flächen zusammen. Dennoch passt er gut zu diesem Spiel, auch wenn er an manchen Stellen schon etwas gruselig wirkt.

Zum Beispiel haben Menschen kein Gesicht. Nicht mal die Kinder. Schockierend irgendwie.

Außerdem finde ich, dass gerade die Darstellung von Wasser sehr darunter zu leiden hat. Es sieht einfach nicht wie Wasser aus. Besonders schlimm ist es in Höhlen. Das Wasser wirkt einfach nur dreckig und schlammig, irgendwie seltsam halt, neben der Tatsache, dass es lieblos gestaltet wirkt. Oft findet man auch Wasser auf Inseln, welches an der Seite herunter ins Nichts fällt. Dann sieht es ganz nett aus, wirkt leuchtender, ist intensiver blau und glitzert etwas im Sonnenlicht.

Dennoch ist besonders schön, dass es sogar Inseln gibt, auf denen es schneit. Natürlich unterscheiden diese sich nicht so arg von den anderen, aber es ist einfach ein nettes Detail. Ich konnte fast den Schnee auf meinem Gesicht schmelzen spüren.

Was ich allerdings im Verhältnis wirklich, wirklich gut umgesetzt finde, sind die Höhlenmalereien, die man an diversen Wänden findet. Ich verbinde das immer mit der Steinzeit, mit etwas längst Vergangenem und das unterstützt natürlich dieses Feeling einer längst vergangenen Zeit. Wirklich schön umgesetzt und eine großartige Idee.

Ein Wandgemälde beim Lichthaus. Wenn man den weiteren Verlauf des Spieles kennt, verrät es ein paar Geheimnisse.

Verloren am Himmel

Storytechnisch wird man recht wenig geführt. Wenn man mal nicht weiter weiß, kann man auf eine kleine Insel südlich in der Overworld reisen. Dort wohnen die einzigen anderen Menschen und geben einem die grobe Richtung vor, in die man zum nächsten Ziel reisen muss. Dort steht auch das Lichthaus, um das sich im Grunde alles dreht. Zudem wird ein Kompass immer in der oberen Mitte des Bildschirms angezeigt.

Natürlich gibt es auch noch eine Übersichtskarte, auf der alle Inseln, die man bereits entdeckt hat, verzeichnet werden. Grob skizziert sieht man auch, was sich dort befindet, wenn es etwas Wichtiges ist. Hier sieht man zum Beispiel das Lichthaus ganz gut.

Und falls man sich doch mal total verfliegt oder auf irgendeiner Insel weit weg von seinem eigentlichen Ziel entfernt landet, kann man sich ohne Angst einfach zurück verwandeln und in den Himmel fallen lassen. Sterben im eigentlichen Sinne ist nicht möglich, man wird lediglich an den letzten aktivierten Rücksetzpunkt gebracht. Da es teilweise sehr lange dauert durch den Himmel zu reisen, ist es manchmal einfacher, zurückzukehren und erneut aufzubrechen.

Also, keine Angst vor dem Tod in der Unendlichkeit des Nichts, eine magische Kraft wird dich immer retten.

Und zum Schluss eine kleine Brise „The Legend of Zelda“


Um die Welt vor der herannahenden Leere zu retten, müssen wir in drei unterschiedlichen Tempeln, die über die ganze noch existierende Welt verstreut sind, Fragmente sammeln. Diese werden von einem Wächter geschützt. Wobei geschützt eigentlich nicht das richtige Wort ist, da es in diesem Spiel keine Kämpfe oder irgendeine andere Art existieren, die auch nur sinnbildlich für Gewalt stehen könnten.

Daher hinkt mein Vergleich zu „The Legend of Zelda“ vielleicht etwas. Schließlich wird dort viel gekämpft und jeder Dungeon hat einen gigantrösen Endboss. AER geht hier einen anderen Weg, Gewalt würde dieses spezielle Gefühl von Freiheit nicht unterstützen. Freiheit verbinden wir immer mit Friedlichkeit, denn wer wirklich frei sein will, braucht eine friedliche Umgebung, in welcher er sich uneingeschränkt entfalten kann. Gewalt schürt nur Angst und wer Angst hat, kann sich nicht vollständig frei fühlen.

Da es keine Kämpfe gibt, basieren die Tempel einzig und allein auf Rätseln. Im ersten Tempel dreht sich alles um Sonne und Mond, symbolisch der Anfang und das Ende, und in einer gewissen Form daher auch um Licht. So ist es auch bei den anderen Tempeln – jeder hat in irgendeiner Art sein eigenes Thema. Um zum Beispiel den Schlüssel zum Eingang des ersten Tempels zu finden, müssen zwei Lichtstrahlen aktiviert werden. Hierfür muss man die umliegenden Inseln erkunden und das Licht von Karah geschickt einsetzen.

Die Vielfalt der Rätsel ist allerdings sehr gering. Im ersten Tempel wird zum Beispiel das Rätsel zum Finden des Schlüssels wiederverwendet. Auch sonst ist sich alles sehr ähnlich. Das macht es auf Dauer ziemlich langweilig. Zumal die Musik sich in den Tempeln nicht verändert, es ist zu großen Teilen derselbe Track, der auch auf der Overworld spielt. Und bis auf ein paar Frösche sind die Tempel auch wie ausgestorben.

Die Wächter des Tempels erscheinen immer zum Ende eines jeden Dungeons und verkörpern irgendwelche Gefühle. Im ersten Tempel wohnt zum Beispiel die Wächterin des Zweifels. Ich fand ihre riesigen schwebenden Hände irgendwie gruselig. Vor allem, weil der Körper in der Mitte so klein und zerbrechlich wirkt. Das Licht der untergehenden Sonne verleiht ihr etwas Erhabenes.

Die Wächter werden durch das Fragment, was sie beschützen, in unserer heutigen Welt gehalten. Ohne das Fragment sterben sie, können einfach nicht weiter existieren. Dennoch sind sie bereit, ihr diesiges Leben zu opfern, um die Erde zu retten. Das hat etwas Heldenhaftes an sich.

Dennoch muss ich sagen, dass ich die Animation des Todes der Wächterin unfassbar schlecht fand. Wie sie stirbt, kann ich nicht verraten, ich will ja niemanden spoilern, der noch überlegt, sich dieses Spiel zu kaufen, aber es war einfach nur irgendwie pietätlos und überhaupt nicht traurig. Das einzige, was dadurch starb, war die Stimmung.

Fazit

Pros:

  • Das Gefühl von Freiheit ist wunderbar
  • Gute Story
  • Ansprechender, exotischer Grafikstil

Cons:

  • Langweilige, eintönige Musik
  • Kaum Anforderung für erfahrene Spieler
  • Sich ständig wiederholende Rätsel
  • Auf die verfügbaren Sprachen wird nicht hingewiesen
  • Teilweise spinnt die Steuerung

Ich weiß nicht so genau, wie ich dieses Spiel bewerten soll. Normalerweise bin ich jemand, der wirklich gerne schreibt – das Schreiben an sich ist einfach meine Passion. Wenn ich von der Arbeit nach Hause komme, mache ich mir den Fernseher an, setze mich an meinen Laptop und schreibe zum Entspannen irgendwas. Eine Kurzgeschichte, einen Test, manchmal auch einfach nur eine Art Tagebucheintrag. Für einen Test brauche ich im Durschnitt so drei bis vier Stunden.

Aber bei diesem Spiel habe ich insgesamt sicher drei Tage investiert, natürlich nicht am Stück. Die Muse wollte mich aber einfach nicht küssen. Vermutlich habe ich den Text mindestens drei Mal gelöscht, habe immer wieder von vorne angefangen, habe zwei Textdokumente abgespeichert und unter einer mordsmäßigen Schreibblockade gelitten (wie ja bereits eingangs erwähnt). Ich habe sogar versucht, andere Texte zu schreiben, in der Hoffnung, den Schwung dann mit in diesen Test zu nehmen. Richtig geholfen hat aber nichts.

Prinzipiell mag ich das Spiel, es ist aber nicht wirklich etwas für mich. Ich finde, dem schwedischen Entwicklerteam ist etwas gelungen, was nur wenige so gut schaffen. Zumindest nicht auf diesem hohen Niveau. Man fühlt sich richtig frei in diesem Spiel, man kann einfach mal alles vergessen und sich im blauen Himmel und dem Gefühl des Windes im Gefieder verlieren.

Dennoch finde ich es auf Dauer einfach langweilig. Egal wo, es spielt immer dieselbe Art beruhigende Musik. Es baut sich nicht mal der Hauch irgendeiner Spannung auf. Natürlich ist die Story und alles ganz nett gestaltet und ich finde sie prinzipiell auch ansprechend, aber man hätte so viel mehr herausholen können. Selbst ohne Kämpfe und ohne Gewalt.

Die Rätsel in den drei Tempeln und auch die Rätsel zu den Schlüsseln der drei Tempel sind nicht sonderlich anspruchsvoll, man kann sie ziemlich schnell lösen und teilweise wiederholen sie sich. Am längsten hat es in dem einen Tempel gedauert, weil ich versehentlich von einer Plattform heruntergefallen bin und den ganzen Weg nochmal laufen musste.

Die Tempel wirken einfach nur leer und verlassen, manchmal fühlt man sich einfach nur einsam. Natürlich sorgt das für ein Gefühl der inneren Ruhe, aber es spricht mich einfach nicht so an wie zum Beispiel bei Hob. Hängt vermutlich auch damit zusammen, dass die Musik immer ähnlich ist.

Was mich auch noch richtig verärgert hat, ist, dass man zu Beginn des Spiels nicht nach der Sprache gefragt wird. Das Spiel startet automatisiert auf Englisch, es wird aber nirgendwo erwähnt, dass auch andere Sprachen verfügbar sind. Ziemlich viele andere Sprachen, um genau zu sein. Das heißt, ich habe das Spiel zuerst in Englisch gespielt, obwohl ich das ganze Abenteuer direkt in Deutsch hätte erleben können. Mein Englisch ist jetzt nicht so schlecht, aber dennoch ist es auf Deutsch natürlich wesentlich angenehmer, wenn sich alles um die Story dreht und es wichtig ist, diese in ihrer Gesamtheit zu verstehen. Und ich bin niemand, der sich zu Beginn erstmal die Einstellungen genau ansieht.

Das Spiel ist nicht wirklich schlecht, der Spielspaß ist definitiv vorhanden, aber es stellt kaum Anforderungen an den Spieler und wird sehr schnell langweilig und eintönig.

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Über Caren Koch 16 Artikel
Geboren im Jahre 1997 bin ich wirklich froh darüber, mich noch ein echtes 90er-Unikat nennen zu können. Geboren und aufgewachsen bin ich im Saarland, wohne und arbeite auch immer noch hier. In meinem Job als chemisch technischer Assistent habe ich sehr viel mit Zahlen und Rechnen zu tun, das Zocken ist daher ein nette Abwechslung für mich. Meine erste Konsole war eine NES. Ich besitze auch heute noch eine und liebe sie abgöttisch. Neben der NES habe ich noch zwei Nintendo 3DS-Systeme und natürlich eine Nintendo Switch. Meistens Spiele ich Jump`n`Run und Strategiespiele, bin aber allem gegenüber offen. Was ich nicht so mag sind Horror- und Actionspiele, wobei es auch hier natürlich Ausnahmen gibt. Auf der Switch ist mein aktuelles Lieblingsspiel Monsters 2, wobei ich auch für eine Partie Overcooked 2 mit meiner Schwester immer zu haben bin.

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