Thimbleweed Park [Kurztest]

Gastbeitrag von Simon Zlotos

Wie groß war die Freude bei allen Fans von Monkey Island und Co., als Ron Gilbert verkündete, ein neues Point & Click Adventure im Retro-Style der frühen 90er zu entwickeln!


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Das Spiel sollte so wirken, als sei es in einer Schreibtischschublade vor über 25 Jahren gelegt und vergessen worden… bis 2017, als das Spiel für alle gängigen Plattformen das Licht der Welt erblickte – und wie das Vorhaben aufgegangen ist!

Bereits der Titelbildschirm macht Lust auf mehr!

Get the best, f**k the rest!

Man merkt, dass hier ein routiniertes Team aus den besten Genre-Entwicklern über zwei Jahre an Thimbleweed Park gearbeitet hat. Mit Hilfe von neun Verben und einem Inventar müssen skurrile, fordernde, aber niemals unfaire Rätsel gelöst werden. Es ist ungemein motivierend, wenn eine schwierige Passage durch cleveres Kombinieren geschafft wurde und man sich dadurch auf neue Szenen und Rätsel freuen kann!
Dazu tragen auch die fünf (!) spielbaren Charaktere bei, die sich in einzelnen Szenen immer mal über den Weg laufen und die alle zum Abschließen des Spiels an verschiedenen Stellen beitragen. Hier wäre eine engere Verflechtung und Interaktion der Protagonisten wünschenswert gewesen, um zwischenmenschliche Beziehungen glaubwürdig aufzubauen, zu manifestieren und für die Storyline interessanter zu gestalten. Doch das ist zu verzeihen, da die Geschichte um Thimbleweed Park mit tollen Hintergrundinfos glänzt, warum sich die jeweiligen Charaktere in ihrer momentanen Situation befinden – klasse!

Retro-Charme voll durchgezogen

Auch in Sachen Sound wurde nichts dem Zufall überlassen und
dem Spiel neben verschiedenen stimmungsvollen Hintergrundtracks auch eine sehr überzeugende Sprachausgabe spendiert, an deren Qualität sich die meisten anderen Genrevertreter eine dicke Scheibe abschneiden können. Für einige sicherlich schade, dass es diese nur auf Englisch gibt, aber wahlweise können zumindest die Untertitel auf Deutsch verfolgt werden. Die Übersetzer haben bis auf ganz wenige Ausnahmen ebenfalls eine hervorragende Arbeit geleistet!
Die Grafikengine wurde extra für Thimbleweed Park komplett neu geschrieben, da einige Transparenzeffekte ansonsten nicht möglich gewesen wären. Doch keine Angst, hierbei handelt es sich nur um winzige Details, die den meisten Retroliebhabern gar nicht oder zumindest nicht negativ auffallen werden.

Die Grafik erscheint in feinster Pixelgrafik wie vor gut 25 Jahren.
Sämtliche Texte können auch auf Deutsch umgestellt werden.

Ebenso verhält es sich mit der Story, die durch ihre Skurrilität und Detailverliebtheit punktet und bis zum ebenfalls abgedrehten Finale immer wieder für interessante Wendungen sorgt. Wie lang der Weg dorthin ist, kann im Vorfeld beeinflusst werden, denn für Genre-Neulinge gibt es einen vereinfachten Modus, der vorgelöste oder vereinfachte Rätseleinlagen bietet, ohne das Grundkonzept zu verfälschen. Somit kommt jeder, der sich für Point & Click Adventures begeistern kann, voll auf seine Kosten!

Fazit

Pros:

  • Retro-Charme mit viel Liebe zum Detail
  • Wunderbar inszenierte Story
  • Gute Sprachausgabe und witzige Dialoge
  • Technik dem Vorhaben entsprechend auf sehr hohem Niveau
  • In etwa 12-15 Std. Spielzeit
  • Spannende und fordernde Rätsel
  • Fünf spielbare Charaktere
  • Große Vielfalt an Schauplätzen
  • Zwei Schwierigkeitsgrade
  • Sehr gute Balance: Teils schwierig, aber nie unfair

Cons:

  • Charaktere interagieren wenig miteinander
  • Nur englische Sprachausgabe
  • Genretypisch geringer Wiederspielwert

Man merkt an jeder Stelle, dass Thimbleweed Park mit viel Detailverliebtheit und Herz programmiert wurde.
Der einzigartige Humor von Ron Gilbert und seinem Team wird in eine spannende Story gebettet, die sich in einem wunderbar inszeniertem Noir-Setting voll entfaltet.
Die Charakterzeichnung ist – wenngleich noch etwas Luft nach oben gewesen wäre – gut, die Spielzeit mit ca. 12-15 Stunden (normaler Modus) dem Genre angemessen und auch sonst gibt es für alle Fans der Monkey Island– und Day of the Tentacle -Ära kaum Gründe, sich dieses moderne Meisterwerk entgehen zu lassen. Uneingeschränkte Kaufempfehlung!

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Über Marcel Eidinger 162 Artikel
Marcel ist im Jahr 1986 geboren, dem Jahr, wo seine Lieblings-Spielereihe ihren Ursprung hat: The Legend of Zelda. Mit seinen nun mehr als 30 Jahren Lebens- und ca. 25 Jahren Nintendo-Erfahrung versucht er euch mit Liebe und Leidenschaft auf dem Laufenden zu halten!

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