Xenoblade Chronicles 2 – Wenn virtuelle Magie verzeihen lässt [Kurztest]

Kennst du das? Wenn dich die Magie verzaubert? Also nicht das Zeug, was man in die Suppe kippt, sondern die Magie, die dir die Hand entgegenstreckt und dich behutsam auffordert zuzugreifen, um dich auf eine Reise des kindlichen Staunens zu entführen?

Ich mag dir von einer ganz speziellen Erfahrung erzählen. Von einer Gaming-Erfahrung, wie ich sie in der Kindheit verschollen gedacht habe.

Spiele wie The Legend of Zelda: Ocarina of Time und Super Mario 64 haben mich in meiner kindlichen Gaming-Präsenz in ihren Bann gesogen.

Wenn das Drumherum verschwimmt und einem die „Scheuklappen“ zur Immersion assistieren, fühlt man sich trotz der realen Naturgesetze schwerelos. Realität? Nicht jetzt, ich genieße meinen Aufenthalt in einer anderen Welt.

Durch das Erwachsenwerden, der stetig steigenden Erfahrung und gewisser Abstumpfung erleben wir Videospiele zwar noch immer als Genuss, doch ihr kennt es bestimmt: In der Kindheit haben sie euch noch mal ganz anders berührt.

Ohne diesen ganzen Wissens-Background, der mich sofort in den richtigen Bahnen denken lässt.

Zur damaligen Zeit ohne vernünftiges Internet, wo man schnell Meinungen und Lösungen in Sekundenschnelle abrufen konnte.

Zu dieser Zeit im Kindesalter war eine VR-Brille zum Immersionsgewinn nicht vonnöten. Und wäre nach dem spektakulären Virtual Boy aus dem Jahre 1995 wohl eher eine Alptraumreise geworden. Hach, wie herrlich unpolitisch die Namensgebung damals noch war… ich schweife ab…

Ja, ich spiele seit meinem 6. Lebensjahr aktiv Videospiele und genieße dieses Medium auch heutzutage noch in vollen Zügen.

Ein Partymitglied wird nur durch ultimativen Minispiel-Grind rundum aufgerwertet

Doch hat ein ganz bestimmter Titel wieder eine besondere Form des Staunens in mir ausgelöst:

Xenoblade Chronicles 2. Der am 1. Dezember 2017 erschienene Exklusivtitel für die Nintendo Switch, entwickelt von Monolith Soft.

Zu diesem Zeitpunkt war ich ca. viermal älter, um genau zu sein 25.

Trotz seiner Fehler hat mir dieses bitterschmeckende (im Ernst, leckt mal dran) Modul ein virtuelles Festessen bereitet.

Ja, die dynamische Auflösung hatte teils drastische Auswirkungen auf die Optik des Gerichts, vor allem wenn man Fingerfood draus machte und die Switch in die Hand nahm, sah es wirklich nicht schön aus.

Und obwohl das Auge mitisst, habe ich gerne zugebissen; sehr gierig sogar.

Und obwohl ich normalerweise jemand bin, der wenig kaut und mehr schlingt, ist die Kost als feiner Brei meine Kehle hinuntergeschwommen.

Und obwohl das nun der dritte gleiche Satzanfang ist, mag ich betonen, wie egal mir beides ist.

Auch die Framerate ist nicht selten im Kampfgeschehen stark eingebrochen. Pop Ups? Klar! Viele!

Man sah sogar auf der weiten Steppe genau die Abgrenzung, ab wo die Gräser detailliert dargestellt wurden und plötzlich Blumen hinzukamen. Auch eine Form von Magie…

Navigation? Hach, wer braucht denn sowas? Lauf ungefähr in die Richtung! Hoch, runter? Ja, genau! Ehm was? Lauf einfach!

Das Spiel versteht es sehr gut, den Spieler durch die Welt zu führen, indem es den Spieler nicht durch die Welt führt. Confused?

Ein Kompass zeigt dir die Zielrichtung an, doch verwährte er zu Anfang den Höhenunterschied, sodass man häufig in die angezeigte Richtung lief, nur um dann ’nen Smalltalk mit einer Wand zu führen.

Doch genau diese fehlende Präzision hat mich dazu aufgefordert, die Gebiete ganz genau zu durchstreifen, auch wenn es mich Zeit gekostet hat. Doch die habe ich mir auf dieser schönen Abenteuerreise gerne genommen. Meine metaphorische Uhr hatte ich ohnehin abgelegt. Danach war ich ’n verdammter Reiseführer.

Auch das grindlastige Leveln eines Partymitglieds und die teils nervigen und stupiden Nebenquests zum Leveln der Klingen, die man in Kämpfen einsetzt und das Hauptfeature vom Spiel darstellen, sowie das glücksbasierte Freischalten jener, verhinderte in keinster Weise, dass ich mich bei dieser magischen Reise einfach sehr wohl fühlte.

Hauptfeature: Klingen, welche cool präsentiert und durch Glück freigeschaltet werden

Und ja, es gab auch noch weitere Ungereimtheiten, doch die sind nun irrelevant.

Was diese Reise reisenswert gestaltete, war die opulent gestaltete Spielwelt, welche durch einen grandiosen Soundtrack weiter in Szene gesetzt wurde.

Des Öfteren machte ich Rast und drehte einfach nur den rechten Controlstick, um mich umzuschauen und zu lauschen, was mir das Spiel durch seine Melodie erzählen mochte.

Solch schöne Ausblicke sind keine Seltenheit

Bei vielen anderen Spielen fühlte ich, wie ich den Stick drehte, doch hier drehte Ich mich. Wunderschön.

Wäre der Soundtrack von Zelda OoT nicht so sehr in meinem nostalgischen Herzen verankert, würde dieser hier alles sprengen.

Ich hatte tolle Begleiter auf meiner Reise. Jeder für sich liebenswert, als würde ich einem sympathischen Anime bewohnen.

Ein Hauptprotagonist, welcher zunächst einem Klischee, einer Schablone entsprungen sein mag, doch bei genauerem Hinsehen eine sehr erwachsene und differenzierte Seite offenbarte. Führsorglich, bedacht und pflichtbewusst.

Der wahre Rex und den Charakterdinos, trotz seines mickrigen Erscheinungsbildes.

Unser Hauptprotagonist Rex vor einem melancholischen Sonnenuntergang

Mein Staunen galt auch der Geschichte dieser Welt. Jedes kleine Zahnrad griff ineinander. Meine Aufgaben waren super miteinander verbunden und als ich das Geheimnis dieses Traumlandes gelüftet hatte, blieb mir die Spucke weg.

Das Kämpfen machte mir nach fleißigem Studieren der Grundlagen echt Spaß. Es wurde komplexer und Stück für Stück entwickelt. Das fortwährende Meistern fühlte sich sehr befriedigend an, sowohl mental als auch physisch (aber nicht unterhalb der Gürtellinie, eher das wohlige Bauchgefühl, denn schließlich war das ein 5-Sterne-Gericht).

Ja, Liebe geht wahrhaftig durch den Magen.

Und manchmal auch durch Räume, die durch die Ziffern 1 und 0 generiert werden, auch außerhalb von Spielen.

Auf der Facebookseite „Nintendo Switch Gruppe Germany“ lernte ich meine damalige Freundin kennen. Ich sah, dass sie das Spiel genauso mochte wie ich und schrieb sie an. Es folgte ein Treffen und nicht lange danach die Beziehung. Es ist unser beider Favorit auf der Nintendo Switch.

Und auch wenn die Beziehung nicht mehr besteht, so denke ich gerne an dieses Kennenlernen zurück.

Ich kann ein sehr pingeliger Nörgler sein, was Videospiele, meine Leidenschaft, angeht. Doch hier konnte ich viele grobe Schnitzer einfach verzeihen, weil mich die Welt trotz ihrer Fehler zum Lächeln, Staunen und Träumen gebracht hat.

Und mit diesem Happy End entlasse ich dich nun wieder in die Realität!

Fazit

Pros:

  • Opulent inszenierte und toll erlärte Spieltwelt
  • Sehr gut miteinander verstrickte Aufgaben
  • Sympathische Protagonisten und interessante Antagonisten
  • Komplexes Kampfsystem, das sich nach und nach erweitert und durch Klingenvielzahl verschiedene Kampfstile ermöglicht
  • Bombastischer Soundtrack
  • Rätselhafte Erkundung der Gebiete
  • Epische Cutscenes und tolle Geschichte
  • Animeflair beim Look, der Inszenierung und dem Humor
  • Lange Spielzeit durch viel Content
  • New Game+ erhöht Wiederspielwert
  • Super Schnellreisefunktion
  • Praktische Menüführung

Cons:

  • Technische Mängel: Framerate in Kämpfen, Pop Ups, unschöner Handheldmodus, teilweise altbackene Texturen, sichtbarer Radius geladener Details auf den Steppen
  • Gestreckte und nervige Nebenquests nicht selten
  • Grindlastiges Aufleveln eines Partymitglieds
  • Verwirrende Navigation durch die Spielwelt
  • Rätselraten an Ressourcepunkten
  • Glücksbasiertes Freischalten der Klingen
  • Frustrierende Wegpunkte, welche Fähigkeitsstufen voraussetzen
Subjektive Meinung, da es mein absolutes Lieblingsspiel für die Switch ist
Objektive Meinung, aufgrund technischer Mängel und seltsamer Designentscheidungen
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Über Justin Aengenheyster 50 Artikel
Im Jahr 1992 erschien Mortal Kombat... und ich. Wir beide sind auf unsere Weise brutal. Ich für meinen Teil fahre brutal auf Videospiele ab und beschäftige mich gnadenlos mit verschiedenen Themen, um Gleichgesinnte zu informieren. Als treues Nintendokind befasse ich mich am liebsten auch mit Nintendospielen.

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