Warum „Super Mario Party“ nicht super und auch nicht wirklich feierlich ist! [Montagsmeinung]

Es war einmal…

Letztes Jahr am 12.06.2018 wurde eine potentielle Multiplayer-Bombe während der E3 scharf gemacht.
Leider kam diese seit dem Release am 05.10.2018 nie wirklich zur Detonation.

Im Rahmen einer Direct kündigte Nintendo den Titel „Super Mario Party“ an. Meine Freude hätte nicht größer sein können. Schon auf dem N64 spielte ich die witzigen Partyspiele rauf und runter. Die damaligen Minispiele verkürzten aufgrund von Drehbewegungen die Lebenszeit der Controlsticks der Controller. Auch die Hände der Spieler wurden in Mitleidenschaft gezogen, sodass sich clevere Füchse irgendwann Waschlappen über die Hände zogen, bis diese durchgespielt waren.

Mit dem Gamecube wurde ich dann immer feierlicher, nachdem ich den vierten Serienteil als meinen Liebling auserkoren hatte.
Die Balance aus Glück und Skill und die Ausgewogenheit der Spielbrettgrößen und deren Anzahl, des Itemsverkaufs, der Präsentation und vielem mehr sagte mir unglaublich zu. Was habe ich dieses Spiel viel gespielt.

Mario Party 4 konnte mich am meisten begeistern

Leichte Sympathie-Einbußen

Ich war ein wahrer Serienfan. Teil 5, 6 und 7 haben mir nicht mehr ganz so gut gefallen, weil mir gewisse Innovationen nicht schmeckten und die Vergabe der Items immer liebloser wurde. Dennoch gab es viele Stimmen, welche eine Weiterentwicklung prognostizierten.

Tiefpunkt

Der 8. Teil traf schlichtweg überhaupt nicht meinen Geschmack und die Teile 9 und 10 gelten als die schwächsten und unbeliebtesten Heimkonsolen-Titel der Serie. Die letzten beiden wurden vom Entwicklerstudio Nd Cube entwickelt. Dieses Studio stand fortan für miese Qualität, auch weil sie ein Handheld-Mario Party in den Sand gesetzt hatten.

Hoffnung

Aus diesem Grund war die Hoffnung groß, dass sich Nintendo rückbesinnt und Mario Party wieder charmant in Geschenkpapier wickelt, um es uns Gamern dann freudestrahlend zu überreichen. Nachdem Nintendo es gut verstanden hatte, die Coregamer wieder ins Boot zu holen, war ich zuversichtlich. Ja, auch obwohl wieder Nd Cube als Entwickler bekannt wurde.
Und es hätte ein so schönes Geschenk sein können.

Auf der E3 2018 konnte mir Nintendo Hoffnung machen

Realität

Ich öffnete das Paket, doch die Freude blieb aus.
Ich vermied es, ein falsches Lächeln aufzusetzen und mich zähneknirschend zu bedanken. Ich war offen enttäuscht und kommunizierte ganz offen meine Kritik.
Was mir nicht gefiel?
Es fühlte sich einfach weichgewaschen und wie eine Woge für Casual-Spieler an.

Abturner der Extraklasse

Den Spielbrettern fehlte es an Möglichkeiten. Waren sie damals noch groß und boten mehrere Routen, so verkümmern sie im aktuellen Teil zu unspektakulären Rundkursen. Ein paar Würfelschläge und man ist durchgelaufen.
In früheren Glanztagen fühlte sich der Weg zum Stern wie eine steinige Reise, gar eine Odyssey, an. Man war sich unschlüssig, wo man denn nun langmarschieren sollte; konnte sich auf dem Weg mit Items boosten und Mitspielern ordentlich eins auswischen und man war so froh, wenn man endlich beim Stern ankam, um seinen harterspielten Münzsack feste auf den Tresen zu werfen, nur um sich dann prestigeträchtig mit einem Stern in der Rangliste zu pushen.

Damals früheres Highlight verkümmern hier die Spielbretter zu langweiligen Rundkursen

Da Sterne immerhin die Siegerwährung darstellen, sollte auch genau dieses befriedigende Erfolgserlebnis beim Ergattern die Seele des virtuellen Party-Enthusiasten in die Höhe schnellen lassen.
Das hatte seinen Preis: 20 Münzen wurden verlangt.
Man startete die Party-Partie mit 10 Münzen, bekam 3 für blaue Felder geschenkt und für rote Felder abgezogen. Unter Einsatz verschiedener Items konnte man Münzen auch stehlen.
Pro Sieg eines Spiels am Ende jede Runde oder eines Bonusspiels gewann man in der Regel 10 Münzen. Dazu gab es Multiplikatorenspiele und Spiele, bei denen man nur Plus machen konnte.
Ergo: Man musste sich einen Stern hart erkämpfen.

In „Super Mario Party“ bekommt man bei jeder kleinen Gelegenheit Münzen in die Geldbörse geblasen. Die Kurse sind wie oben erwähnt recht unspektakulär klein und die Sterne ergattert man trotz dieser Tatsachen sogar für weniger Münzen und zwar für 10.
Die Konsequenz: Es hagelt Sterne was das Zeug hält. Was in früheren Tagen seltene Momente samt berechtigtem Überlegenheitsgefühl darstellten, so lächelt man hier müde als Käufer. Und selbst als Gegenspieler denkt man: „Joa, meine 5 kriege ich dann gleich bestimmt auch noch.“
Ich verstehe nicht wie man das Münzen- und Sternenergattern einer solchen Prestige-Inflation unterziehen konnte.

Ach Yoshi, nun schau doch nicht so; du bekommst deine 5 Sterne doch gleich

Dazu kommt, dass der Glücksfaktor weiter zugenommen hat. Klar, wir spielen hier ein lustiges Partyspiel und da ist es schlichtweg nicht vorgesehen, dass der skillvollste einfach gewinnt, doch driftet man hier ins andere Extrem, indem man Würfelhelfer auf den Kursen bereitstellt. Gelangt man auf ein entsprechendes Feld, spendiert einem das Spiel ein KI-Begleiter, der mitwürfelt. Es kann also durchaus passieren, dass ein Spieler nur mit seinem Hauptcharakter spielt, ein anderer jedoch gleich mit 4 Charakteren würfelt. Ich denke, es ist kein großes Geheimnis, welcher Spieler da die besseren Chancen hat.
Und all das ist Glückssache.
In den Glanztagen konnte man mit Können immerhin noch genug beeinflussen. Dieses Gefühl habe ich hier verloren.

So cool die spezifischen Würfel auch sind, so uncool sind die Würfelhelfer

Ganz wichtig zu erwähnen sind hier noch die Bonussterne, welche nach einer Partie noch für bestimmte Meilensteine vergeben werden.
So waren diese in der Vergangenheit noch recht ausbalanciert, was Glück und Können anbelangt.
Es gab einen Stern für die meisten Siege und die am meisten gesammelten Münzen. Das Eine beeinflusste das Andere und das Gewinnen erreichte man meistens mit Können, aber dennoch auch mit Glück. Außerdem konnte man auch außerhalb der Minispiele Münzen erhalten.
Als letztes wurde der Ereignisstern vergeben und zwar an den Spieler, der die meisten Ereignisfelder betreten hatte. Dies konnte man zwar beeinflussen, doch war der Hauptfaktor das Glück.

Im aktuellen Serienableger erhält man zwei Bonussterne, dessen Kategorien immer zufällig ausgelost werden.
Es kann also durchaus passieren, dass zwei glückbasierte Bonussterne in die Siegerehrung miteinfließen.

Is klar…

Weitere Abturner

Was zunächst für Aufsehen sorgte waren zum Einen ein 4-Spieler-Koop-Modus und der Onlinemodus. Beides floppte.

Das sogenannte Raft-Abenteuer, in dem man sich gemeinsam durch das Wasser paddelt, kann beim ersten Durchlauf tatsächlich Spaß machen.
Doch gähnt man schon beim zweiten. Zu schnell nutzen sich die Minispiele und das Konzept dieses Modus ab.

Das Raft-Abenteuer mutiert zum One Night Stand-Abenteuer

Der Onlinemodus bietet nur eine stark limitierte Auswahl an Minispielen und läuft katastrophal. Ich konnte bisher keine einzige Stimme vernehmen, die das Gegenteil äußerte.
Eine sehr bekannte Stimme hingegen nutzte ihre Reichweite, um starke Kritik zu üben. Es handelt sich dabei um den erfolgreichsten Nintendo-Let’s Player Deutschlands: Domtendo.
Falls euch interessiert, wie er das Ganze einschätzt, so könnt ihr euch das im folgenden Video zu Gemüte führen:

Doch gab es so viel Potenzial und gute Ansätze

Da Spiele meist nicht nur aus Pro- oder Kontrapunkten bestehen, mag ich hier die Gelegenheit nutzen und auch mal erwähnen, was mir und vielen anderen Spielern sehr gut gefallen hat.
Audiovisuell ist das Spiel ein kleiner Leckerbissen. Sowohl die zwar kantenglättungsarmen Texturen, die Animationen, die Beleuchtung und der Sound sind verdammt solide und haben mir gut gefallen. Alles schaut sehr einladend aus und wird auch stimmungsvoll präsentiert.

Audiovisuell und stimmungstechnisch macht der Titel einiges her

Eine spannende Neuerung stellten die verschiedenen Würfelwerte dar.
Je nachdem für welchen der zahlreichen Charaktere man sich entscheidet, würfelt man entweder mit dem Standardwürfel oder switcht auf den charakterspezifischen Würfel. Hier wartet jedes Partymitglied mit anderen Werten auf, was verschiedene Spielstile ermöglicht und die Auswahl interessanter gestaltet.

Charakterauswahl mit einhergehenden spezifischen Würfeln können punkten

Die Minispiele binden die Joy Cons sehr gut ein und warten mit echt coolen und spaßigen Ideen auf. Mit 80 an der Zahl wurde auch nicht bei der Menge gespart.

80 neue MInispiele, die allgemein sehr kreativ sind und die Joy Cons gut einbinden

Dennoch stimmt das generelle Spielgefühl nicht

Auch wenn die genannten Punkte zu beeindrucken wissen, stimmt die generelle Balance des Spiels nicht.
Die Spiele verlieren durch die Hühnerbrust-Bretter schnell an Varianz und der fast schon perverse Glücksfaktor dämpft die Spielfreude noch weiter.

Wie schaut es mit weiteren Inhalten aus?

Für viele Games hat Nintendo bereits DLCs nachgereicht und diese somit sinnvoll erweitert. Für „Super Mario Party“ ist nach langer Wartezeit nichts erschienen und auch noch immer nichts angekündigt. Eventuell passiert dies ja in der – zumindest gerüchteweise – kommenden September-Direct. Sollte das ausbleiben, glaube ich an keine weiteren Inhalte mehr.

Man könnte verschiedene Anpassungsmöglichkeiten hinzufügen und neue Bretter integrieren, die wieder mit Abwechslung punkten. Im Zuge dessen könnte man auf diesen Kursen das Balancing anpassen, sodass man quasi zwei verschiedene Spielmodi für verschiedene Spielertypen anbietet.
Auch das Draft-Abenteuer könnte man aufwerten.

Warum sich das Game dennoch so gut verkauft hat

Bereits über 6 Millionen Verkäufe konnte Nintendo generieren. Natürlich handelt es sich hier um ein Spiel, wo „Mario“ draufsteht. Dazu kommt, dass man zunächst nicht all zu gut einschätzen kann, wie sich das alles auswirkt.
Ich sehe vieles aus meiner Coregamer-Blase, doch die meisten Menschen gehören nicht dazu. Sie informieren sich nicht bis ins Detail und wollen einfach nur ein lockeres Game für zwischendurch mit ihren Liebsten zocken.
Generell höre und lese ich oft, dass Eltern sehr zufrieden mit ihren Kindern spielen.
Nicht jeder wird meine Kritik teilen. Der Metascore liegt bei 76.

Trotz kritischer Stimmen verdient Nintendo gutes Geld mit dem Titel

Fazit

Meine Enttäuschung ist durch meine positive Erfahrungsvergangenheit mit der Mario Party-Serie entstanden. Natürlich ist das mein persönlicher Geschmack und kann so nicht als Maßstab genommen werden. Was mir warum nicht gefällt, habe ich hoffentlich anschaulich dargelegt.
Ein Partygame kann ruhig in einer Glücksorgie ausarten, ich würde das Spiel „objektiv“ betrachtet, nicht als Fehlschlag titulieren. Das hier ist auch keine Review. Es ist meine ganz persönliche Meinung und leider aufgrund genannter Negativpunkte meine größte Enttäuschung auf der Nintendo Switch geworden.

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Über Justin Aengenheyster 48 Artikel
Im Jahr 1992 erschien Mortal Kombat... und ich. Wir beide sind auf unsere Weise brutal. Ich für meinen Teil fahre brutal auf Videospiele ab und beschäftige mich gnadenlos mit verschiedenen Themen, um Gleichgesinnte zu informieren. Als treues Nintendokind befasse ich mich am liebsten auch mit Nintendospielen.

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